Counsel: Karriere zwischen Associate und Partner

Wer nicht Partner einer Kanzlei werden will, dem bietet der Counsel-Status eine mögliche Alternative, die mehr Flexibilität verspricht. Was früher oftmals als weder Fisch noch Fleisch galt und deshalb kritisch beäugt wurde, ist heute als Karriereoption weit verbreitet.

Was ist ein Counsel?

In der Struktur einer Kanzlei bilden Associates das Fundament und Partner die Spitze. Dazwischen sind die Grenzen teils fließend, und fast jede Kanzlei pflegt eigene Namen für ihre Karrierestufen. Bei den meisten ist der Counsel-Status eine davon; vor allem in Großkanzleien ist er häufig eine Karriereoption. Er bildet eine Alternative für Anwälte mit mehreren Jahren Berufserfahrung, die zwar den nächsten Karriereschritt weg vom Associate-Dasein gehen, aber nicht Partner werden wollen – oder können.

Was sich dahinter verbirgt, ist von Kanzlei zu Kanzlei unterschiedlich. Counsel haben meist mehr Verantwortung und Befugnisse als Associates. Sie akquirieren etwa neue Mandanten, delegieren Aufgaben an Associates oder führen Mandate. Anders als die Partner müssen sie dabei jedoch keine unternehmerische Verantwortung oder strategische Aufgaben in der Mitarbeiterführung und -entwicklung übernehmen.

Erst Counsel, dann Partner?

Auch, ob Counsel zu Partnern aufsteigen können, ist in jeder Kanzlei anders geregelt. Häufig ist die Position für Juristen gedacht, die als Experten in ihrem Bereich dauerhaft angestellt bleiben – ohne Option auf die Partnerschaft. In vielen Kanzleien ist der nächste Karriereschritt in die Teilhaberriege jedoch möglich.

Counsel vs. Salary-Partner

Im Gegensatz zum Counsel-Status, der häufig langfristig angelegt ist, bildet die Salary-Partnerschaft meist die Vorstufe zur Equity- oder Vollpartnerschaft. Dabei sind Salary-Partner angestellte Anwälte und Equity-Partner Miteigentümer der Kanzlei. Wer in die Gesellschafterriege aufgenommen werden will, durchläuft zunächst einen Partnertrack inklusive Salary-Partnerschaft. Aber auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel: In einigen Kanzleien kann man dauerhaft Salary-Partner bleiben, in wieder anderen Einheiten können Associates ohne Zwischenschritt zum Teilhaber aufsteigen.

Gehalt: Was verdienen Counsel?

Genau wie bei den Associate-Gehältern gibt es auch bei der Bezahlung von Counsel sehr große Unterschiede. Zusätzlich zum festen Gehalt bildet häufig der Bonus eine wichtige Komponente dessen, was am Ende auf dem Konto landet. Wie hoch der Bonus ausfällt, hängt vom Kanzleigewinn ab und variiert deshalb jährlich.

Karriere als Counsel: Vor- und Nachteile

Der Counsel-Status gilt als Karriereoption, die eine flexible Lebens- und Karriereplanung ermöglicht. So ist es für Counsel etwa häufig einfacher, in Teilzeit zu arbeiten und sich um Kinder oder andere Familienmitglieder zu kümmern als für Partner. Hinzu kommen je nach Kanzlei individuelle Angebote, wie etwa Sabbaticals. Zudem bietet der Counsel-Status die Möglichkeit, auf hohem Niveau und mit einem guten Gehalt als Anwalt oder Anwältin zu arbeiten, ohne jedoch den Partnertrack beschreiten zu müssen.

Vielfach mangelt es allerdings noch an Anerkennung für diesen Karriereweg. „Einige wenige Kollegen denken immer noch, dass ich mich in die Hängematte lege“, sagte 2015 eine Counsel gegenüber dem azur Karrieremagazin. Auch wenn der Status mittlerweile weiter verbreitet und besser akzeptiert ist, dürfte diese Ansicht in einigen Kanzleien nach wie vor vorherrschen.

In manchen Einheiten dient der Counsel-Status zudem als eine Art vorübergehendes Abstellgleis für junge Talente, mit dessen Hilfe die Up-or-Out-Entscheidung hinauszögert wird. Up-or-Out meint das Prinzip, nachdem Associates entweder Partner werden (Up) oder die Kanzlei verlassen müssen (Out). Zu Unzufriedenheit unter Counseln führt manchmal zudem, dass sie zwar viel arbeiten und neue Mandanten akquirieren müssen, dafür jedoch nicht so viel Prestige ernten wie Partner.

Fazit

Der Counsel-Status ist heute weitverbreitet. Kanzleien tragen damit dem Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance und mehr Flexibilität Rechnung, den immer mehr junge Anwälte hegen. Was genau sich dahinter verbirgt, müssen Bewerber und Associates im konkreten Umfeld er- und kritisch hinterfragen. Dabei kann es hilfreich sein, wenn sie sich bei Anwälten erkundigen, die bereits Erfahrungen als Counsel gesammelt haben.


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