Ausnahmezustand im Kiez

Dr. Sara Berendsen ist während der Corona-Zeit Partnerin geworden. Keine leichte Aufgabe – aus dem Homeoffice zu netzwerken, sich als Chefin zu zeigen und zu beweisen, dass die Entscheidung richtig war, sie in die Partnerschaft aufzunehmen. Wie ihr ging es auch Dr. Carsten Wendler, Dr. Irka Zöllter-Petzoldt und Jan-Ove Becker, die wir in den vergangenen Wochen vorgestellt haben.

Dr. Sara Berendsen, Greenberg Traurig, Corporate

Dr. Sara Berendsen ist eine waschechte Berlinerin. Geboren und aufgewachsen in Charlottenburg. Ausgezogen, um in Trier – für ein kurzes Mathematik-Experiment – , Oxford und London zu studieren und zu promovieren. Und doch zurückgekehrt. Warum? Weil es zu Hause eben doch am schönsten ist. „Jeder Berliner hat seinen Kiez“, sagt die 40-Jährige. Ihrer liegt in Charlottenburg. Dort lebt sie auch heute wieder, Anfang 2020 war Berendsen in die Partnerriege ihrer Kanzlei aufgenommen worden, kurze Zeit später stand Deutschland still. „Das war im ersten Moment ein Schock. Natürlich denkt man da auch gleich an die Zukunft. Einer meiner ersten Gedanken war, dass der Zeitpunkt für den Eintritt in die Partnerschaft alles andere als toll war.“

Doch ein stabiles privates und berufliches Umfeld hilft, den ersten Schreck zu verdauen. „Der Austausch mit anderen, vor allem jüngeren Partnern war sehr hilfreich. Wir waren alle in einer ähnlichen Situation, wussten nicht, was auf uns zukommt“, erinnert sich Berendsen. Neben der Sorge um das eigene Geschäft und vor allem dessen Weiterentwicklung war da außerdem die Verantwortung für die Mitarbeiter der Kanzlei.

„Der Partnerstatus bringt doch noch einmal ganz andere Anforderungen mit sich. Man ist dann Unternehmerin.“ Vor allem im Innen­verhältnis verändere sich die Wahrnehmung. Und das liege nicht nur daran, dass man nicht mehr zu den Associate-Drinks eingeladen sei. „Man spricht jetzt nicht mehr nur für sich, sondern für die Kanzlei.“ Neben den üblichen Schutzmaßnahmen, die auch Greenberg Traurig für ihre Beschäftigten getroffen hat, war Berendsen besonders daran gelegen, dass die Ausbildung der jungen Anwälte trotz Pandemieeinschränkungen nicht auf der Strecke bleibt. „Ich beschäftige mich schon seit meinem zweiten Jahr in der Kanzlei mit dem Thema, das mir sehr wichtig ist. Ich bin jetzt für unser Trainingsprogramm verantwortlich, das ich stetig weiterentwickle.“

Schweißperlen auf der Stirn.

Berendsen hat selbst als Associate bei Greenberg Traurig begonnen, oder besser gesagt bei Olswang, wie die Kanzlei 2011 noch hieß. Vier Jahre später wechselte nahezu das komplette Team und schlüpfte unter das Dach der US-Kanzlei Greenberg Traurig. Corporate-Anwältin Berendsen war mehrere Monate in London und zum Secondment bei einem Mandanten. „Die Arbeit in der Rechtsabteilung hat mir so gut gefallen, dass mein Team ein wenig nervös wurde, ob ich überhaupt zurückkomme. Mir hat es aber vor allem verdeutlicht, dass ich Anwältin sein möchte“, sagt sie. Nun ist sie eben auch Unternehmerin.

Inhouse gefiel es ihr als Secondee so gut, dass die Kollegen in der Kanzlei sich Sorgen machten, ob sie zurückkehrt.

Und zur verantwortungsvollen Unternehmensführung gehört auch ein voller Schreibtisch, der insbesondere die eigenen Associates mit Arbeit versorgt. In den ersten Tagen des Lockdowns trieb der allgemeine Stillstand nicht nur Transaktionsanwälten die Schweißperlen auf die Stirn. Deals wurden zunächst mal auf Eis gelegt.

Im Frühsommer lief das Geschäft auch wieder an. Alles halb so wild also – rückblickend betrachtet. Mittlerweile kann sie die Vorzüge ihrer Heimatstadt wieder nutzen. Und so gerne sie auch verreist, anschließend wird sie natürlich wieder zurückzukehren, nach Berlin, in ihren Kiez.


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