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29.09.2020 | Autor/in: Helena Hauser

Weiterbildung: Wie lernt man eigentlich Legal Operations?

Legal Tech kommt schon seit einiger Zeit immer mehr in den Ausbildungsprogrammen der Unis an. Aber Legal Tech ist letztlich nur ein Teil des großen Legal-Operations-Trends, bei dem es für Rechtsabteilungen darum geht, ihre Arbeitsprozesse zu optimieren – Jurist muss man dafür nicht unbedingt sein. Doch wo lernt man das? Bislang waren die Aus- und Fortbildungsangebote zu dem Trendthema rar. Das soll sich nun ändern.

Juristische Leistungen lassen sich kalkulieren und standardisieren. In den Rechtsabteilungen und Kanzleien schreiten die Optimierungsprozesse voran und mit ihnen professionalisieren sich auch die dazugehörigen Managementfunktionen. Das Thema Legal Operations ist immer mehr im Kommen, doch die entsprechend ausgebildeten Mitarbeiter dafür sind kaum zu finden. Zwar sind die Wenigen, die sich intensiver damit befassen, gut vernetzt und pflegen einen regelmäßigen Austausch auf den entsprechenden Konferenzen, doch eine systematische Weitergabe dieses Wissens fand hierzulande noch nicht statt.

In den USA, wo der Trend herkommt, hat man diesen Bedarf bereits erkannt: Die Association of Corporate Counsel (ACC) bot im April online ein sogenanntes Legal Operations Boot Camp an. Denn dass juristische Arbeit gut gemanagt sein will, besonders wenn die entsprechenden Mitarbeiter weit verstreut sitzen, machte spätestens die Corona-Pandemie und die dazugehörige Homeoffice-Situation deutlich. Doch von einer mehrjährigen Aus- und Weiterbildung ist beim ACC noch nicht die Rede.

Mittel gegen Personalengpass

Der internationale Branchenverband Corporate Legal Operations Consortium – kurz CLOC – kündigte anstelle seiner jährlichen Fortbildungskonferenz CLOC Institute in diesem Jahr eine Webinar-Reihe an. Die Einheiten werden im Wochenrhythmus veröffentlicht und sind an die 12 Kernkompetenzen und Funktionsbereiche, die die CLOC unter dem Zuständigkeitsradius der Legal Operations zusammengefasst hat, angelehnt. Dazu zählen etwa Projektmanagement, Wissensmanagement, technische Entwicklungen und Training sowie strategische Planung.

Nun gibt es auch hierzulande ein neues Vorhaben, mit dem man dem aktuellen Personal­engpass entgegenwirken will: Die Bucerius Executive Education, eine Tochtergesellschaft der Hamburger Bucerius Law School, hat gemeinsam mit dem Legal-­Operations-Spezialisten Achim Tschauder und dem Frankfurter Innovation-Hub Reinvent Law den sogenannten Legal Operations Campus entwickelt. Dieser soll sowohl Fortbildungen zu dem Thema als auch langfristig einen vollständigen Ausbildungsgang anbieten.

Berufsgruppen sollen sich austauschen

„Wir starten im Herbst 2020 mit drei Pilotveranstaltungen“, berichtet Tschauder. Los geht es mit Prozess- und Vertragsmanagement und als drittes dem Outside Counsel Management und somit der Frage, wie Rechtsabteilungen die Zusammenarbeit mit Kanzleien optimieren können. Sechs weitere Veranstaltungen seien bereits geplant. „Die Bucerius Executive Education bringt vor allem ihre didaktischen Kompetenzen ein, ich bin für die Themenauswahl verantwortlich“, erläutert Tschauder.

Die Veranstaltungen richten sich sowohl an Rechtsabteilungen als auch an Kanzleien. „Ein berufsgruppenübergreifender Austausch ist wichtiger Bestandteil des Konzepts“, betont Patrick Schroer, Geschäftsführer der Bucerius Education. Daher dürften auch Studenten und wissenschaftliche Mitarbeiter teilnehmen.

Das entsprechende Netzwerk bietet wiederum der dritte Gründungspartner der Initiative, Reinvent Law, zu dessen Mitgliedern beispielsweise die Rechtsabteilungen von Bosch, Daimler und ZF Friedrichshafen und der Legal-Software-Anbieter Bryter gehören. Die Branchenplattform Reinvent nahm jüngst etwa den Vertragsprüfungsspezialisten eBrevia und das Abrechnungsunternehmen BusyLamp neu auf. Sie alle sollen an der Weiterentwicklung des Legal Operations Campus mitwirken können.

 „Covid-19 hat einen zusätzlichen Innovationsschub im Rechtssektor gebracht“, sagt Reinvent-Geschäftsführer Daniel von Devivere.
Diese speziellen Umstände und der Mangel an entsprechendem Fachpersonal treibt die Branchenbeteiligten nun dazu, auch die entsprechenden Module zu Legal Operations zu entwickeln. Dass die Seminare zunächst überwiegend online stattfinden werden, gehört auch zum Zeitgeist. (Von Helena Hauser und Sonja Behrens)

Ein ausführliches Interview mit Patrick Schroer und Achim Tschauder zum Legal Operations Campus lest ihr im azur Karrieremagazin, das am 14. Oktober erscheint.