News
22.02.2021 | Autor/in: Martin Ströder

Karrieresprung: Mit dem Tunnelbau zur Partnerschaft

Corinna Lindau  (37)
GvW Graf von Westphalen

Aufgewachsen in: 
Hamburg

Erste berufliche Station:
GvW Graf von Westphalen

Dass es auch mal länger dauert, ist bei Infrastrukturprojekten nichts Neues. Seit 2015 sollte der deutsch-dänische Tunnel unter dem Fehmarnbelt schon im Bau sein, tatsächlich starteten die Arbeiten erst diesen Januar. Wie es dazu kam, davon kann Corinna Lindau ein Lied singen: Zusammen mit ihren Kollegen von GvW Graf von Westphalen verteidigte die Verwaltungsrechtlerin den Planfeststellungsbeschluss des Landes Schleswig-Holstein zeitweise gegen zehn Klagen parallel. Ein anderes Projekt hingegen lag genau im Zeitplan: Fast zeitgleich mit dem Richterspruch zum Fehmarnbelt verkündete GvW im Herbst die Aufnahme Lindaus in die Equity-Partnerschaft. Das Tunnelprojekt war ihr Ticket zum Erfolg.

Dabei war der Einstieg bei GvW ursprünglich nur als Notlösung gedacht. Eigentlich wollte Corinna Lindau nach dem Examen zum Hamburger Verwaltungsgericht. Doch der Einstieg dort, wo jährlich allenfalls eine Stelle frei wird, dauerte ihr zu lange. Die Bewerbung bei GvW in Hamburg verkaufte sie sich selbst als ‚Testlauf‘. Also bewarb sie sich als Wissenschaftliche Mitarbeiterin, obwohl sie gar nicht vorhatte, zu promovieren. Doch Abwarten ist nicht ihr Ding. Da passte es, dass sie ihren Testlauf wider Erwarten gut fand. Als ihr Chef nach drei Monaten fragte, entschied sie sich für die Kanzlei. Neun Jahre später hat sie diesen Schritt noch nicht bereut. Die Juristin kooperiert regelmäßig mit Biologen, Ingenieuren und anderen Spezialisten. „Ich habe vorher nicht gewusst, wie viel Teamarbeit bei der umwelt- und planungsrechtlichen Arbeit gefragt ist – und wie viel Spaß die macht“, sagt Lindau. „Ich mag das anfängliche gegenseitige Unverständnis bei den interdisziplinären Treffen, die für die juristische Umsetzung solcher Projekte unerlässlich sind. Da lernt man plötzlich die spannendsten Dinge – das bringt echte Abwechslung in den Job.“

Dass die Spannung auch in Zukunft nicht nachlässt, daran hat Corinna Lindau keinen Zweifel. Meistens bleibt sie trotzdem ganz entspannt. „Ich weiß, wie das hier läuft, und dass ich Zeit für Sport, Freunde und Reisen habe: Das Gesamtpaket stimmt einfach“. Die Richterkarriere lockt sie heute nicht mehr: „Das Gericht entscheidet erst ganz am Ende über das, was ihm vorgelegt wird; als Partnerinnen können wir schon viel früher mitentscheiden und dadurch vor allem auch mitgestalten.“ Abwarten ist eben nicht ihr Ding.

Eine spontanes Tischtennismatch in Lalibela (Äthiopien): „Natürlich habe ich vorher nicht verraten, dass ich jahrelang im Verein gespielt habe.“

 

Drei Fragen an Lindau:

Was macht Ihnen schlechte Laune?

Unfreundliche Menschen. Ich finde, für Unfreundlichkeit gibt es fast nie eine Entschuldigung. Zum Glück geht es im öffentlichen Recht meist wirklich angenehm zu.

Wann und warum haben Sie zuletzt gelacht?

Schon mehrfach heute. Hier wird zum Glück viel gelacht und ein bisschen Humor finde ich bei der Arbeit unerlässlich – auch und gerade in schwierigen Situationen.

Wo haben Sie Ihr erstes eigenes Geld verdient und was haben Sie davon gekauft?

Im Sportverein habe ich Kindern Zirkustechniken beigebracht. Das war nicht viel Geld, und so richtig auf was Großes gespart habe ich eigentlich nie. Aber ein paar Kunststücke zu können, ist ja manchmal hilfreich.

Die Rubrik Karrieresprung erscheint monatlich im JUVE Rechtsmarkt.