Magazin-Artikel
17.08.2020 | Autor/in: Martin Brandt

Karrieresprung: Die einzige Partnerin im Steuerrecht

Jana Fischer (37)
Baker & McKenzie

Aufgewachsen in:
Chemnitz und Dillenburg (Lahn-Dill-Kreis)

Erste berufliche Station:
Baker & McKenzie

 

Die Angst vor Schuhkartons

Eher zufällig ist Jana Fischer zum Steuerrecht gekommen. Die Vorstellung, dass Mandanten mit einem Schuhkarton voller Quittungen in ihrem Büro stehen könnten, war für sie eher abschreckend als einladend. Weniger zufällig war hingegen die Entscheidung für das Jurastudium: Schon früh wusste die heute 37-Jährige, dass sie Recht studieren will. Nur um sicher zu gehen und um die Entscheidung zu festigen, besuchte sie vor dem Studium zwei Vorlesungen: Marketing, weil BWL ebenfalls eine Option gewesen wäre, und Zivilrecht. „Beim Zivilrecht habe ich angefangen mitzuschreiben, und da wusste ich, das ist es“, sagt Fischer, die im Juli bei Baker & McKenzie in die Partnerriege vorgerückt ist.

Auch wenn es in ihrer Familie keine Juristen gibt, besteht doch ein kleiner Zusammenhang: Fischers Mutter ist Steuerfachangestellte. Daraus resultierte allerdings eher die Angst vor den Schuhkartons als der Wunsch, Steuerexpertin zu werden. Der kam erst im Referendariat, in einem Kurs zum Steuerrecht. „Ich dachte immer, das Steuerrecht sei langweilig. Aber in dem Kurs habe ich gemerkt, dass das gar nicht stimmt“, sagt Fischer. „Ich wollte das Steuerrecht weiter ausbauen und das am besten mit einem sinnvollen Auslandsaufenthalt.“ Dieser Gedanke führte sie dann nach Australien an die University of New South Wales.

Anderen jungen Menschen würde Fischer raten, vieles auszuprobieren. „Man sollte sich früh möglichst viele verschiedene Bereiche anschauen, um zu prüfen, was einen interessiert“, sagt sie. „So kann man sich beispielsweise Vorlesungen verschiedener Fachrichtungen anhören, um herauszufinden, was einem liegt – vielleicht auch mehr als nur eine pro Studiengang.“ 

Wäre Fischers Neugier nicht gewesen, dann hätte sie den Kurs zum Steuerrecht vielleicht gar nicht erst besucht. Wäre schade gewesen. Denn nun ist sie nicht nur Partnerin einer internationalen Großkanzlei, sondern auch die einzige Frau neben sieben männlichen Partnern in der deutschen Steuerpraxis von Baker. Mit ihrer Ernennung folgt sie insofern der langjährigen Praxischefin Nicole Looks. Die bekannte Umsatzsteuerexpertin zog es 2019 ins Amsterdamer Büro. Der nächste Auslandsaufenthalt von Fischer scheint vorprogrammiert. (Melike Becker)

Känguru-Chronik statt Excelliste: 2011 verschlug es Jana Fischer für ihren LL.M. in Taxation bis nach Australien.

Zwei Fragen an Fischer:

Welchen Beruf haben sich Ihre Eltern für Sie vorgestellt? 
Ich hatte früh meinen eigenen Kopf. Meine Eltern haben mir keine Vorgaben gemacht und hätten mich bei jeder Entscheidung unterstützt. Hätten sie mir einen Beruf vorschreiben wollen, wäre ich wahrscheinlich ohnehin etwas anderes geworden.

Wo haben Sie Ihr erstes eigenes Geld verdient und was haben Sie davon gekauft?
Ich habe mit 13 angefangen, Zeitungen auszutragen und davon mein erstes Mobiltelefon finanziert.

 

Die Rubrik Karrieresprung erscheint monatlich im JUVE Rechtsmarkt.