Magazin-Artikel
29.09.2020 | Autor/in: Marc Chmielewski

Karrieresprung: Der Mann mit dem Dieselticket

Dr. Martin Mekat (41)
Freshfields Bruckhaus Deringer

Aufgewachsen in:
Frankfurt am Main

Erste berufliche Station:
Freshfields Bruckhaus Deringer

Am 18. September 2015, einem Freitag, brachte die US-Umweltbehörde EPA die VW-Dieselaffäre ins Rollen. Einen Skandal, der auch Jahre später die ganze Automobilbranche durchschüttelt – und auch die Karrieren von Anwälten. So ist es bei Martin Mekat. Als er 2010 bei Freshfields anfing, verstand man unter einem richtig großen Massenverfahren noch so etwas wie die 1.000 Klagen von Filmfonds-Anlegern gegen Hannover Leasing. Nach heutigen Maßstäben gar nicht so wild.
Mekat jedenfalls führte im Team von Prof. Dr. Rolf Trittmann unter anderem zahlreiche Schiedsverfahren für VW. Als er an jenem Freitag im Autoradio erstmals von der Dieselaffäre hörte, rief er deshalb sofort seinen damaligen Chef an. Der war bereits an dem Fall dran. So begann auch für Mekat das Mandat seines Lebens. Dass Mekat zum Partner ernannt wurde, kurz vor seinem 10. Dienstjubiläum bei Freshfields, hat mit diesem Schlüsselereignis zu tun: Der 41-Jährige ist so tief wie wenige andere in die Verästelungen jenes Falles vorgedrungen, der Rechtsgeschichte, Kanzleiumsätze und sogar die Justizpolitik in Deutschland seit Jahren prägt.
Mekat war hautnah dabei, als die erste sogenannte Musterfeststellungklage durchgefochten wurde – 400.000 Kunden gegen VW. Er hat auch viel darüber gelernt, wie Zivilprozesse in anderen Ländern funktionieren, denn ob Australien oder Südkorea: Wo immer ein wichtiger Diesel-Prozess in den vergangenen Jahren stattfand, sind Freshfields-Anwälte als Hüter der Gesamtstrategie eingeflogen, um die lokalen VW-Kanzleien zu unterstützen.
Ein guter Litigator sollte nicht nur unterschiedliche Länder, sondern auch unterschiedliche Rollen kennen lernen, meint Mekat: „Wer zum Beispiel mal als Schiedsrichter die -Perspektive des Entscheiders einnimmt, kann danach als Parteivertreter überzeugendere Schriftsätze verfassen. Man wird ein besserer Anwalt.“ Experte für Massenverfahren, im Dieselkomplex gestählt: Damit steht Mekats Partner-Case für die Marktentwicklung der vergangenen Jahre – und für die Zukunft. Denn auch wenn der Diesel nicht ewig laufen wird: Weitere Fälle werden kommen. „Die nun geplante europäische Sammelklage geht in einigen Punkten deutlich über die deutsche Musterfeststellungsklage hinaus“, sagt Mekat. „Das wird ein echter Game Changer.“

Das Trinity College in Orxford hat drei britische Premierminister hervorgebracht – wie viele deutsche Großkanzlei-Partner, ist leider nicht bekannt. Aber Martin Mekat war da und sogar im Ruderteam, hier nach einer Regatta. 

 

Zwei Fragen an Mekat:

Wann haben Sie das letzte Mal bemerkt, dass sich Ihre Meinung zu einem Thema so richtig geändert hat?
Bei der Open-Space-Frage: Ich hielt das früher für vollkommen unpraktikabel. Es gibt aber moderne, kommunikative und coole Bürolösungen, bei denen Teamwork und konzentriertes Arbeiten wahrscheinlich besser geht und mehr Spaß macht, als in klassischen Einzelbüros wie wir sie bisher kennen.


Wann und warum haben Sie zuletzt gelacht?
Als sich meine Kinder gestritten haben und meine fünfjährige Tochter eine Entschuldigung ihres Bruders zurückwies, weil „er nicht die richtigen Worte gesagt hat“.

Die Rubrik Karrieresprung erscheint monatlich im JUVE Rechtsmarkt.