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27.04.2021 | Autor/in: Eva Lienemann
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Bewerber mit Ziel Großkanzlei: Das Gehalt wird immer mehr zur Nebensache

Knapp 80 Prozent der Bewerber möchten ihr Berufsleben in der Kanzlei starten – die Hälfte von ihnen in einer Großkanzlei. Die Prioritäten verschieben sich: Während ein gutes Betriebsklima schon länger auf der Wunschliste ganz oben steht, zeigt sich in diesem Jahr: Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist vielen inzwischen wichtiger als das Gehalt. Das zeigen Daten aus der aktuellen azur-Bewerberumfrage.

Die Ergebnisse der azur-Bewerberumfrage zeigen die Präferenzen von Jurastudenten, Doktoranden und Referendaren. Ganz klar will die Mehrheit der jungen Juristen ihre Karriere in der Kanzlei beginnen: Schon vor zehn Jahren nannten rund 60 Prozent der Bewerber Kanzleien als Wunscharbeitgeber, inzwischen sind es beinahe 80 Prozent. Nur ein geringer Prozentsatz der mehr als 1.000 Befragten möchte seine Karriere in einer Behörde oder in der Justiz beginnen.

Immer stärker bilden sich dabei klare Prioritäten bei der Wahl des Arbeitgebers heraus: Mehr als ein Drittel der Bewerber mit dem Ziel Großkanzlei findet mittlerweile ein gutes Betriebsklima entscheidend. Nun hat auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf den Wunsch nach einem guten Gehalt von Platz zwei verdrängt: Im vergangenen Jahr gaben noch ein Fünftel der Großkanzlei-Bewerber das Gehalt als entscheidenden Faktor an – in diesem Jahr sind es fünf Prozentpunkte weniger. Die vermeintlich weichen Faktoren wie Betriebsklima, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie ein kulturell vielfältiges Arbeitsumfeld machen somit einen erheblichen Faktor bei der Wahl des Wunscharbeitgebers aus – für mehr als die Hälfte der Bewerber (54 Prozent) sind sie entscheidend.

Wer in eine kleinere oder mittelgroße Einheit möchte, für den spielt das Gehalt eine noch unwichtigere Rolle – für nur maximal zehn Prozent der Befragten mit dem Berufsziel kleinere oder mittelgroße Kanzlei ist das Geld entscheidend. Dabei spielt aber womöglich auch das Wissen der Bewerber eine wichtige Rolle: In einer Großkanzlei ist die Erwartung, ein sehr gutes Gehalt schon ab dem ersten Berufsjahr zu bekommen, viel realistischer, während Bewerber mit dem Ziel kleinere oder mittelgroße Kanzlei nicht unbedingt wegen eines hohen Gehalts angesteuert wird. Zwar haben die Gehälter ein Plateau erreicht und sich im Corona-Jahr nicht nennenswert verändert. Dieses Plateau liegt allerdings auf einem hohen Niveau. Der gesamte Magic Circle zahlt mittlerweile 120.000 Euro Einstiegsgehalt.

In der Bedeutung gesunken – wenngleich nicht so stark wie das Gehalt – ist die Bedeutung der Aufstiegschancen. Damit setzt sich ein Trend der vergangenen Jahre eindeutig fort – wohl auch, weil die Bewerber wissen, dass in manch einer Großkanzlei, die bis zu 100 Berufseinsteiger pro Jahr einstellt, nur eine minimale Aussicht auf die Aufnahme in die Partnerschaft besteht.