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15.04.2019 | Autor/in: Norbert Parzinger
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Anwältinnen: Ab dem zweiten Berufsjahr bei der Vergütung im Nachteil

Bei Associates in Kanzleien gibt es in Deutschland immer noch einen sichtbaren Gender Pay Gap – allerdings erst ab dem zweiten Berufsjahr. Beim Berufseinstieg liegen beide Geschlechter noch etwa gleichauf, anschließend entwickeln sich die Gehälter immer weiter auseinander. Das zeigt die aktuelle azur-Associate-Umfrage.

Der Umfrage zufolge erhalten weibliche Associates im ersten Berufsjahr mit durchschnittlich 92.000 Euro nur marginal weniger als ihre männlichen Kollegen (92.300 Euro). Frauen im vierten Berufsjahr verdienen im Mittel noch 94,1 Prozent des durchschnittlichen Gehalts für männliche Anwälte. Bis zum siebten Berufsjahr sinkt diese Zahl auf 86,5 Prozent.

Trendumkehr bei Senior Associates

Dass Berufsanfängerinnen beim Gehalt keineswegs mehr im Nachteil sind, ergab schon die azur-Associate-Umfrage des Vorjahres. 2017 lagen die Frauen beim First-Year-Gehalt sogar erstmals vorne. In den höheren Berufsjahren zeigte sich aber auch 2017 ein Malus für weibliche Associates, wenngleich die Durchschnittsgehälter für beide Geschlechter schon deutlich näher beieinander lagen als noch 2015 und 2016. Damals hatten die weiblichen Umfrageteilnehmer in den ersten Berufsjahren im Schnitt Gehälter angegeben, die rund zehn Prozent unter denen der männlichen Teilnehmer lagen.

 

Dafür hat sich seit 2017 eine Entwicklung umgekehrt: In den Associate-Umfragen 2015 und 2016 näherten sich die Gehälter der Frauen und Männer bis zum vierten bis sechsten Berufsjahr etwas an. 2017 und 2018 ging die Schere stattdessen erst im vierten bis sechsten Berufsjahr richtig auf. Seit Frauen schon im ersten Jahr ähnlich wie ihre männlichen Kollegen vom hohen Associate-Gehaltsniveau profitieren, geraten sie also offenbar auf Senior-Associate-Ebene umso stärker ins Hintertreffen.

Frauen fordern schon beim Einstieg weniger

Kaum verändert hat sich der Blick der betroffenen Associates auf ihre Bezahlung: Auch wenn sie tendenziell weniger verdienen, sind Frauen laut azur-Associate-Umfrage im Schnitt zufriedener mit ihrem Gehalt als Männer. In dieselbe Richtung deutet ein Ergebnis der aktuellen azur-Bewerberumfrage, an der keine Juristen im Beruf, sondern vor allem Studenten und Referendare teilnahmen. Demnach erwarten Männer beim Berufseinstieg deutlich mehr Geld als Frauen – unabhängig von ihren Examensergebnissen. Zudem wäre für Männer das Gehalt deutlich häufiger der entscheidende Punkt bei der Arbeitgeberwahl. (Norbert Parzinger)

Was junge Juristen aktuell bei rund 300 Arbeitgebern in Deutschland verdienen können, lesen Sie in den azur-Gehältertabellen: www.azur-online.de/geld