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14.06.2018

Verblüffendes Ergebnis: Berufseinsteigerinnen in Wirtschaftskanzleien verdienen erstmals mehr als männliche Kollegen

Ein ausgeprägter Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen war das gängige Bild in den azur-Associate-Umfragen in der Vergangenheit. 2017 hat sich das drastisch geändert – allerdings nur bei Berufseinsteigern. Erstmals waren es die Frauen, die mit durchschnittlich 101.000 Euro im ersten Berufsjahr rund acht Prozent mehr verdienten als ihre männlichen Kollegen, die im Mittel bei 93.000 Euro starteten. Im Vorjahr war die Lage noch anders herum: Männer verdienten als Berufseinsteiger noch fünf Prozent mehr als ihre Kolleginnen. Ab dem zweiten Berufsjahr besteht nach wie vor ein spürbares Gehaltsgefälle zugunsten der Männer.

Im zweiten Jahr sind es wieder die männlichen Associates, die rund drei Prozent mehr verdienen. Dieser Gehaltsunterscheid hält sich, mit Ausnahme des fünften Berufsjahrs, dann auch bis ins sechste Jahr. Erst nach sieben Jahren sind Männer und Frauen mit durchschnittlich 114.000 Euro wieder gleichauf. Zu diesem Zeitpunkt sind jedoch viele Frauen bereits aus den Kanzleien ausgeschieden. Zudem sind weibliche Senior Associates häufiger auf Teilzeitbasis tätig. Für die Gehaltsstatistik wurden hier nur Teilnehmer berücksichtigt, die Vollzeit arbeiten.

Gender Pay Gap wird insgesamt kleiner

Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Gehaltslücke insgesamt jedoch deutlich geschrumpft. Während sich die Anfangsgehälter von Männern und Frauen 2015 noch um satte zehn Prozent unterschieden, betrug der Unterschied 2016 nur noch fünf Prozent. Die positive Tendenz setzt sich somit fort: Mit durchschnittlich rund acht Prozent mehr Gehalt sind die weiblichen Berufsanfänger im Jahr 2017 die Großverdiener. Und auch mit Blick auf das steigende Dienstalter reduziert sich der Gehaltsunterschied. So verdienten laut der azur-Associate-Umfrage 2016 Männer im zweiten und dritten Berufsjahr rund zwölf Prozent mehr als Frauen. 2017 lag der Unterschied in den meisten Altersgruppen nur noch bei etwa drei Prozent. An der letzten azur-Associate-Umfrage nahmen zwischen Mai und Juli 2017 insgesamt 3.007 junge, berufstätige Juristen teil.

 

Gender Pay Gap schrumpft

 

Die Gründe für das große Gehaltsplus der weiblichen Berufseinsteiger sind nicht exakt zu benennen. Zwar haben viele Kanzleien im vergangenen Jahr kräftig an der Gehaltsschraube gedreht und zum Teil auch erstmals einheitliche Festgehälter für Berufseinsteiger etabliert. Dies kommt aber sowohl Frauen als auch Männern zugute. Auffällig ist, dass sich der positive Gehaltsunterschied für Frauen im ersten Berufsjahr nicht auf die Großkanzleien beschränkt. Laut azur-Associate-Umfrage verdienen auch in den kleinen und mittleren Kanzleien die weiblichen Associates beim Dienstantritt mehr als die männlichen Wettbewerber.

Frauen sind zufrieden mit ihrem Gehalt

Mit ihrem Gehalt sind die weiblichen Associates durchschnittlich dann auch ziemlich zufrieden. In den ersten und letzten Berufsjahren sogar deutlich mehr, als es die männlichen Kollegen mit ihrem Gehalt sind. Und das, obwohl Frauen immer noch über die Dienstjahre verteilt weniger als ihre männlichen Mitstreiter verdienen. Zusammenhängen mag das auch damit, dass den männlichen Associates das Gehalt wichtiger ist. Zumindest laut azur-Umfrage: Dreimal so viele Männer wie Frauen würden die Entscheidung für oder gegen einen Arbeitgeber vom Gehalt abhängig machen. (Helena Hauser)

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