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25.02.2014 | Autor/in: Mathieu Klos
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Saarland: Juristen wollen Aus für das Jurastudium verhindern

Bereits vor drei Jahren diskutierte das Saarland die Abschaffung der Staatsexamensausbildung für Juristen. Nun ist die Kontroverse erneut entfacht. Vergangenen Monat hatte der Wissenschaftsrat der saarländischen Landesregierung empfohlen, den Studiengang einzustampfen. Gegen den Vorschlag wenden sich die juristische Fakultät der Universität des Saarlandes sowie örtliche Anwaltskreise. Sie legen eigene Konzepte zur Rettung der Fakultät vor.

Egon Müller

Egon Müller: Der Strafrechtler will das Jurastudium in Saarbrücken erhalten.

Befeuert wurde die aktuelle Diskussion durch ein Gutachten des Wissenschaftsrats zur Weiterentwicklung des saarländischen Hochschulsystems. Dieses hatte die Landesregierung in Auftrag gegeben. Hintergrund dürften die Sparzwänge im kleinsten deutschen Flächenstaat sein. Der Wissenschaftsrat hatte daraufhin empfohlen, Kooperationen mit einer Universität der Großregion aufzubauen oder aber die Staatsexamensausbildung gänzlich aufzugeben. Die Rechtsinformatik und das Europarecht an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken seien dagegen erfolgreich und erhaltenswert, so der Wissenschaftsrat.

Europarecht und deutsch-französisches Studium

Bekannt ist die juristische Ausbildung im Saarland über die Landesgrenzen hinaus vor allem durch das Europa-Institut sowie das Doppelstudium im deutsch-französischen Recht am Centre Juridique Franco-Allemand (CJFA).

Die Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät reagierte auf die Empfehlung des Wissenschaftsrats mit der Ankündigung, ein eigenes Konzept für ihren Fachbereich vorzulegen. Eingriffe in die Eigenständigkeit der Fakultät, ihrer Abteilungen und Studiengänge lehnt der Dekan der Fakultät, Professor Dr. Stephan Weth, jedoch ab. Er kündigte an, in den Überlegungen auch die finanziellen Gegebenheiten zu berücksichtigen. Die Empfehlung des Wissenschaftsrates, bezeichnet Weth als „wenig durchdacht und nicht sinnvoll“.

Rettungskonzept will kürzere Studiendauer

Mit einer kürzeren Studiendauer, mehr Praxisnähe und höheren Einnahmen will dagegen eine Gruppe um den bekannten Saarbrücker Strafrechtler Prof. Dr. Egon Müller das Jura-Studium in Saarbrücken retten. Durch einen gestrafften Stundenplan und mehr Anreize zum Vorziehen von Prüfungen soll die Studiendauer von im Schnitt 12,4 Semester deutlich in Richtung der Regelstudienzeit von acht Semestern verkürzt werden. Studenten sollen nach dem Grundstudium zudem automatisch den Bachelor-Abschluss erhalten.

Das Konzept sieht auch einen stärkeren Praxisbezug vor. In einer ‚Legal Clinic‘ sollen Studenten, angeleitet durch erfahrene Anwälte, Bedürftigen kostenlosen Rechtsrat erteilen. Mit Blick auf die Forderung des Wissenschaftsrates nach mehr Kooperationen schlägt die Gruppe um Müller eine stärkere Kooperation mit der Uni Luxemburg sowie innerhalb der Saar-Uni mit der Wirtschaftswissenschaft, Medizin und Informatik vor. Das Europa-Institut, das CJFA und das Institut für Rechtsinformatik sollen weiterentwickelt werden. Mehr Geld soll die juristische Fakultät nach dem Willen der Gruppe durch den Ausbau von Weiterbildungsangeboten einnehmen, unter anderem in der Fortbildung von Fachanwälten.

Seit drei Jahren Streit um die Universität

Müller wurde nach eigenen Worten „aus dem politischen Raum“ um Vorschläge gebeten. Derzeit wird das Saarland durch eine große Koalition aus CDU und SPD regiert. Kritik an den Empfehlungen des Wissenschaftsrates regt sich nach Darstellung der ‚Saarbrücker Zeitung‘ auch in den Regierungsparteien. Die SPD-nahen Jungsozialisten etwa lehnen eine Aufgabe der Volluniversität entschieden ab.

Neu ist die Forderung nach der Abschaffung der Staatsexamensausbildung nicht. Bereits 2011 hatte die überparteiliche ‚Zukunftsinitiative Saar‘ Ähnliches gefordert und eine scharfe Kontroverse entfacht, die allerdings ergebnislos blieb. Schon damals wiesen führenden saarländische Juristen, unter ihnen auch Egon Müller, darauf hin, dass eine Schließung des Staatsexamensstudiengangs in Saarbrücken das Aus für die juristische Fakultät bedeutet, und damit über kurz oder lang auch das Ende des Europa-Institut. „Es ist integraler Bestandteil der Universität. Ohne die juristische Fakultät bleibt das Institut nicht am Leben“, so Müller schon damals gegenüber azur. Zu dieser Aussage stehe er weiterhin, bekräftigt der Saarbrücker Strafrechtler. Er ist langjährig als Honorarprofessor an der Universität des Saarlandes tätig.

Auch befürchten saarländische Anwälte damals wie heute, dass ihnen durch die Schließung der Fakultät die Gelegenheit genommen würde, Nachwuchs im Rahmen von Praktika oder Stagen im Referendariat zu rekrutieren. In Saarbrücken beraten eine Reihe mittelgroßer Kanzleien, etwa Müllers Kanzlei Heimes & Müller. Auch beheimatet das Bundesland einige Unternehmen, die wie Villeroy & Boch in Mettlach oder die Saarbrücker Cosmos Direkt Versicherung einen regelmäßigen Bedarf an jungen Juristen haben. (Mathieu Klos)