Kleine Studienreform im Saarland

Die Universität des Saarlandes gestaltet das Jurastudium bei der Schwerpunktprüfung und Auslandssemestern flexibler. Die Verantwortlichen der rechtswissenschaftlichen Fakultät haben an einigen Stellschrauben gedreht und gehen ab dem kommenden Wintersemester mit einer veränderten Struktur an den Start.

Wichtiger Pfeiler der Reform ist das vorgezogene Schwerpunktstudium, das jetzt im fünften und sechsten Semester mit dem Pflichtfachstudium verzahnt wird. Um die frühe Konzentration auf das Schwerpunktstudium zu ermöglichen, entfallen ab dem fünften Semester die Leistungskontrollen. Der Lehrplan werde mit Blick auf die Praxis gestrafft, teilt die Universität mit. Die Examensprüfung im Schwerpunktbereich kann unmittelbar im Anschluss an das sechste Fachsemester abgelegt werden, was zur Verkürzung der Studiendauer beitragen kann. Denn anschließend können sich die Studentinnen und Studenten mit ungeteilter Konzentration auf die erste Staatsprüfung vorbereiten. Zuletzt bestanden 117 Kandidatinnen und Kandidaten das erste Staatsexamen im Saarland (2019 , Statistik des Bundesamtes für Justiz). Beim zweiten Staatsexamn waren nur 67 Kandidaten erfolgreich.

Schwerpunktstudium im Saarland

„Wir haben den Studiengang Rechtswissenschaft auch mit Blick auf die späteren Anforderungen im Beruf überarbeitet, gezielt auf die Bedürfnisse der Studierenden zugeschnitten und so umgestaltet, dass zugleich die durchschnittliche Studiendauer verringert werden kann“, erklärte die Dekanin, Professorin Annemarie Matusche-Beckmann. Kanzleien und andere Arbeitgeber im Saarland tun sich seit Jahren schwer, ihre offenen Stellen mit geeigneten Juristen zu besetzen. Absolventen ohne persönliche Bindungen im Saarland verlassen in der Regel nach dem Studium die Region.

An manchen Jurafakultäten und auch auf Arbeitgeberseite werden das Schwerpunktstudium und die dort erzielten Noten kritisch betrachtet. Der universitäre Anteil, so ein üblicher Vorwurf, erschwere die bundesweite Vergleichbarkeit der Absolventenleistungen. Aber im Saarland bleibt man der Schwerpunktbildung treu: Das Angebot der Fakultät umfasst viele Rechtsgebiete, unter anderem Internationales Recht, Europarecht und Menschenrechtsschutz, Strafrechtspflege, Wirtschafts- und Steuerstrafrecht, Französisches Recht, Privatversicherungsrecht oder IT-Recht und Rechtsinformatik.

Internationales Recht als Markenzeichen

Auslandssemester werden zukünftig besser ins Studium integriert und die Austauschprogramme mit Partnerfakultäten vergrößert. Im Ausland erbrachte Leistungen sollen besser eingebracht werden können. Europäisches und Internationales Recht zählt zu den Markenzeichen der saarländischen Juristenausbildung. So können Studierende zum Beispiel parallel zum deutschen Recht am Centre juridique franco-allemand (CJFA) auch Französisches Recht mit französischem Studienabschluss (Licence) studieren. Zum anderen zählt die Fakultät mit ihrem Institut für Rechtsinformatik und dem Zentrum für Recht und Digitalisierung ZRD Saar zu den führenden Standorten auf dem Gebiet des Rechts der Digitalisierung und der Rechtsinformatik.

Klausuren am Laptop

Parallel zur Studienreform setzt die saarländische Landesregierung auch bei Staatsexamen und Referendariat einige Reformen um, die im Vorjahr per Bundesgesetz angestoßen wurden: Die Klausuren der ersten Staatsprüfung können künftig am Laptop geschrieben werden. Außerdem wird das Rechtsreferendariat familienfreundlicher durch die Einrichtung einer Teilzeitvariante.


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