„Ich habe in Harvard ein intensives Studium absolviert“

Rebecca Apell ist Associate im Berliner Büro der US-Kanzlei Hausfeld und berät vor allem in Kartellschadensersatzprozessen. Sie hat 2022 einen LL.M.-Abschluss erworben, aber nicht irgendwo: Sie brachte den internationalen Mastertitel aus Harvard mit. Die Elite-Universität gab ihr die Möglichkeit, Studium und gesellschaftliches Engagement miteinander zu verknüpfen.

azur: Wie sind Sie auf die USA als Ziel für das LL.M.-Studium gekommen?
Rebecca Apell: Vor dem Staatsexamen in Jura hatte ich schon einen Bachelor-Studiengang in Göttingen absolviert, in den Fächern Politik- und Rechtswissenschaft. Ich interessierte mich schon länger für die USA, und eine Gastprofessorin aus den USA hatte mich bei der Betreuung meiner Bachelorarbeit sehr inspiriert. Die amerikanische Universitätskultur, die sie mitgebracht hat, mit einem persönlicheren Verhältnis von Lehrenden und Studierenden wollte ich unbedingt näher kennenlernen. Außerdem wollte ich noch einmal aus dem engen fachlichen Rahmen des deutschen Jurastudiums heraus und etwas breiteren Interessen folgen.

Rebecca Apell

Wie haben Sie den Bewerbungsprozess für den LL.M. organisiert?
Ich habe ein gutes Jahr vor dem Studium begonnen, mich um Stipendien zu kümmern und die Unterlagen dafür zusammenzustellen. Leider lief das parallel zu den schriftlichen Arbeiten für das zweite Staatsexamen, insofern war es anstrengend. Aber es war für mich klar, dass die hohen Gebühren und Nebenkosten nur mit Stipendien tragbar sein würden. Und das muss zeitlich als Erstes geklärt werden, weil die Fristen noch vor den Bewerbungsfristen bei den Hochschulen ablaufen. Gefördert wurde ich durch Stipendien des ERP-Programms und vom DAAD. Schließlich konnte ich zusätzlich auch eine direkte finanzielle Unterstützung aus Harvard bekommen.

Harvard und die Harvard Law School gelten als die Elite-Institutionen schlechthin. Wie kam es dazu, dass Sie dort studiert haben?
Meine Bewerbungen habe ich an fünf verschiedene Law Schools geschickt. Sicher, im Fall von Harvard liegt es nahe von vornherein zu denken: Da komme ich niemals rein. Aber das LL.M.-Programm dort mit dem breiten Kursangebot hat mir sehr gut gefallen und ich wollte es gerne versuchen. Außerdem hat mich eine Professorin, die eines meiner Empfehlungsschreiben geschrieben hat, darin bestärkt und mir bestimmte Kurse und Lehrende empfohlen. Ich habe mich schon lange für das Thema Menschenrechte interessiert und mich während des Studiums ehrenamtlich unter anderem in der Geflüchtetenarbeit engagiert. Deshalb habe ich auch für das LL.M.-Jahr neben anderen Aspekten nach diesen Themen gesucht. Dazu gibt es in Harvard ein großes Angebot. Dort konnte ich zum Beispiel im Bereich Wirtschaft und Menschenrechte interessante Kurse besuchen und neben dem Studium in Studierendenorganisationen mitarbeiten.

Wie haben Sie die Gruppe der internationalen LL.M.-Studierenden dort erlebt?
Es war ein ziemlich diverser und beeindruckender Jahrgang, fand ich. Es gab Leute mit ganz unterschiedlichem Hintergrund und unterschiedlichen Studieninteressen, und auch viele, die sich gesellschaftlich engagiert haben. Außerhalb der LL.M.-Gruppe ergaben sich auch viele Kontakte zu den Jurastudierenden, die dort den regulären amerikanischen JD-Abschluss machen. Man konnte dort schnell Freundschaften schließen. Ich habe in Harvard ein intensives Studium absolviert, aber auch in der Freizeit schöne Unternehmungen machen können. Diese Mischung aus interessanten Menschen, spannenden akademischen Einblicken, dem großen Kurs-Curriculum und den vielen Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen, haben eine sehr bereichernde Erfahrung ergeben.


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