Bewerber können mehr verdienen, als sie erwarten

Im Kampf um gut qualifizierten Nachwuchs überbieten sich Kanzleien gegenseitig mit immer höheren Associate-Gehältern. Dass Summen von 175.000 Euro und mehr für Berufseinsteigende weit über dem liegen, was sie sich durchschnittlich wünschen, zeigt nun eine exklusive Auswertung der azur-Bewerberumfrage.

Gerade mal ein halbes Jahr ist es her, dass Wirtschaftskanzleien in Deutschland ihre Gehälter massiv erhöht haben. Im Frühjahr 2022 legten jetzt insbesondere die Top-Zahler nochmal einen drauf. Die aktuelle Spitze liegt bei 175.000 Euro im ersten Berufsjahr, die einen Associate bei der US-Kanzlei Willkie Farr & Gallagher in Summe erwarten. Dicht gefolgt von Skadden Arps Slate Meagher & Flom und Kirkland & Ellis.

Einstiegsgehälter wie diese liegen laut azur-Recherche allerdings deutlich über dem Marktdurchschnitt. Dieser beläuft sich bei insgesamt knapp 180 Kanzleien, die ihre Gehälter im Rahmen der Recherche offenlegten, auf rund 99.000 Euro jährlich. Dabei ist die Spanne zwischen dem höchsten und niedrigsten Wert gewaltig: Die Bestverdienenden erhalten pro Jahr 135.000 Euro mehr als Associates am unteren Ende der Skala.

Aufgestockt wird das Fixgehalt in vielen Fällen durch Boni. Wenn ein Bonus vorgesehen ist, hängt dessen Höhe von Faktoren wie dem Kanzleiumsatz oder der individuellen Leistung ab. Durchschnittlich können Associates im ersten Berufsjahr mit etwa 20.000 Euro on top rechnen.  

Bewerber könnten ihre Ansprüche hochschrauben

Während die Kanzleien weiter im Wettstreit liegen, erwartet ein Großteil der Bewerber diese Gehaltssummen beim Berufseinstieg nicht. Die Gehaltswünsche der Teilnehmenden an der Bewerberumfrage liegen mit durchschnittlich 88.000 Euro etwa 11.000 Euro unter dem, was die durchschnittliche Kanzlei im ersten Jahr zahlt. Auch beim Wunschgehalt offenbaren sich große Unterschiede zwischen der niedrigsten (30.000 Euro) und der höchsten Angabe (150.000 Euro).

Hochqualifizierte Associates sind somit in einer guten Verhandlungsposition. Sie könnten durchaus mehr Geld verlangen, als sie vor dem Berufseinstieg erwarten. Dabei sollten sie jedoch nicht vergessen, dass Geld nicht alles ist. Faktoren wie Karriereförderung, Aufstiegschancen oder Benefits für Mitarbeitende sollten sie in die Wahl ihres künftigen Arbeitgebers ebenfalls einfließen lassen.


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