Prof. Dr. Stefan Thomas

Universität Tübingen / Kartellrecht

Den berühmten Lehrstuhl von Prof. Dr. Wernhard Möschel nach über 30 Jahren zu übernehmen, das war die Aufgabe, die Prof. Dr. Stefan Thomas 2009 bekam.

Etwas Glück war durchaus im Spiel: „Wäre meine ­Habilitation zwei Monate später fertig geworden, wäre der Lehrstuhl vielleicht für die nächsten 20 Jahre wieder besetzt gewesen“, meint er.

Als Spezialist für die Unternehmensverantwortlichkeit bei Kartellverstößen und Freistellungen für Organmitglieder beschäftigt er sich mit höchst aktuellen Fragen. Zu dem brisanten Thema der Kartellzivilklagen arbeitet er zusammen mit dem Frankfurter Ökonomie-Professor Dr. Roman Inderst an einer wissenschaftlichen Studie zur Berechnung von Kartellschäden.

Ein Vermittler zwischen den Welten

Für zwei Jahre hatte Thomas Anwaltsluft geschnuppert, bei Freshfields Bruckhaus Deringer. Doch er stieg aus, um seine Habilitation voranzutreiben. „Ich hatte mal die Praxis kennenlernen wollen. Doch am Ende fiel mir der Abschied nicht leicht – als Freshfields-Associate jede Woche woanders hinfliegen – das hat was“, erinnert er sich. Die Kontakte sind geblieben. Zusammen mit seinem früheren Chef Dr. Martin Klusmann erstritt er 2011 für ThyssenKrupp einen Nachlass beim Millionen-Bußgeld für die Beteiligung im Aufzugs-Kartell.

„Ich weiß aus meiner anwaltlichen Zeit, wie wichtig es ist, wissenschaftliche Lösungen immer auf ihren Anwendungsbezug hin zu prüfen“, sagt er zu dieser Erfahrung. Gerade im Wirtschaftsrecht dürfe sich Wissenschaft nicht von der Praxis abkoppeln.

Künftig will er mehr wissenschaftliche Beiträge auf Englisch schreiben, damit die deutsche Stimme im Kartellrecht international stärker gehört wird. „Das betrifft nicht nur die Sprache, sondern auch die juristische Denkweise und Dogmatik. Sonst koppelt sich das EU-Kartellrecht vom deutschen Wirtschaftsrecht irgendwann ab. Beiträge in deutscher Sprache erreichen nun mal nicht alle Leser – auch viele EuGH-Richter nicht.“ (Antje Neumann)

Homepage des Lehrstuhls für Bürgerliches Recht, Handels- und Wirtschaftsrecht, Wettbewerbs- und Versicherungsrecht

Aus: JUVE Rechtsmarkt 09/2012