Laura Karasek

Karasek_LauraAm Anfang war der Wackelzahn: Laura Karasek führt als Prozessspezialistin bei Clifford Chance ein kreatives Doppelleben. Wie schon bei so vielen berühmten Juristen schlägt auch ihr Herz für die Literatur. Eine Familienleidenschaft.

Dissertation oder Roman? Laura Karasek sitzt an einem sonnigen Apriltag auf ihrem Balkon in Berlin-Mitte, frische Erdbeeren auf dem Tisch und den Laptop auf den Knien. Sie überlegt, welches Dokument sie jetzt öffnen soll. Sie öffnet die Roman-Datei und schreibt drauf los. Nach drei Wochen sind es 100 Seiten, nach vier Monaten vollendet sie ihr Debüt.

Verspielte Jahre

Als „Verspielte Jahre“ im Herbst vergangenen Jahres 400 Seiten stark in den Buchhandel kommt, radelte ein Anwaltskollege sofort zur nächsten Buchhandlung und holte die Sammelbestellung ab: Acht Ausgaben verteilt er im Prozessteam von Clifford Chance. Laura Karasek hat inzwischen ihren ersten Job als Anwältin in der internationalen Großkanzlei angetreten und ist von Berlin nach Frankfurt umgezogen.

Über mangelnde Unterstützung kann die frisch gebackene Autorin nicht klagen. Kolleginnen begleiten sie zum TV-Interview, begeisterte Partner schicken ihr -Rosen oder reichen ungefragt Rezensionen ein. Ihr Buch, ein Porträt ihrer Generation, ewig suchend und sich auf nichts festlegend, interessiert weit mehr Anwaltskollegen, als die Autorin erwartet hat.

Liebe zur deutschen Sprache

Ihr Doppelleben hat sie dabei nie verschwiegen. Bereits im Vorstellungsgespräch erzählt Karasek ihrem künftigen Chef Uwe Hornung von der bevorstehenden Veröffentlichung. Im Team Prozessführung und Konfliktlösung ist sie dort gelandet, wo sie hin wollte. Als Prozessanwältin kann sie ihrer Liebe zur deutschen Sprache nachkommen, denn die ist vonnöten, wenn Anwälte Schriftsätze oder Plädoyers verfassen.

Laura Karasek schreibt weiter, das zweite Buch ist bereits in Arbeit. Sie sammelt Szenen und hält interessante Sätze auf Post-its oder in ihrem Handy fest. Ab Herbst will sie ihre Arbeitszeit auf 80 Prozent reduzieren. Der Anwaltsberuf aber soll weiter ihre Haupttätigkeit bleiben. Er gibt Laura Karasek Struktur. Wäre sie nur Schriftstellerin, würde sie wohl im Chaos versinken, befürchtet sie. Denn wenn Laura Karasek schreibt, folgt sie einem inneren Zwang. Schon mit sechs Jahren wollte sie Schriftstellerin werden – damals verfasste sie ihr erstes Büchlein. Der Titel: „Mein Wackelzahn“. (Désirée Schliwa)