Jakob Hien alias J-Cop

Hien_Jakob_HansMal Jakob, mal J-Cop: Der Berliner Anwalt führt ein kreatives Doppelleben. Im Netz lebt er als J-Cop seine Leidenschaft als Rapper aus, beruflich ist er bei Görg im Energiewirtschaftsrecht unterwegs.

Jakob Hien ist ein Ausnahmetalent mit einem Abiturdurchschnitt von 1,7 und zwei Prädikatsexamina. Die Kanzlei Görg dürfte folglich mit seiner Einstellung nicht lange gezögert haben. Aber der 29-jährige Berliner ist nicht nur Energiewirtschaftsrechtler, sondern auch Rapper. Unter dem Namen J-Cop macht er Hip-Hop-Musik, die frei über das Internet verfügbar ist. J-Cop will keinem mit kommerzieller Musik gefallen müssen und seinen Anwaltsberuf will er erst recht nicht aufgeben. Zu hart hat Jakob darauf hingearbeitet.

Wirres Haar unter grauer Kapuze

Das Leben zwischen den zwei Welten ist für Jakob Hien kein Kontrastprogramm, sondern ein Ausgleich. „Alle Menschen haben verschiedene Seiten an sich“, sagt er. „Wenn ich im Büro bin, bleibt die Musik außen vor. Umkehrt schalte ich in meiner Freizeit vom Job komplett ab.“ Auf der Görg-Website lächelt er daher freundlich als adretter junger Mann in weißem Hemd, mit Krawatte und Mittelscheitel. In seinen Youtube-Videos steht der Hip-Hopper J-Cop unter einer Brücke, das Haar guckt wirr unter der grauen Kapuze hervor, die Hände in cooler Rapperpose. Er besingt sein hartes Studium, seinen Liebeskummer und dramatisiert sich auch mal zum gefährlichen Berliner Gangster.

In seiner Familie gab es immer schon beides: Sie hat erfolgreiche Juristen einerseits und eine ausgeprägte Kreativität andererseits hervorgebracht. Seine älteren Brüder gehen in der Musik und Schauspielerei auf, sein Onkel ist Maler und inspirierte Jakob nachhaltig. „Auch mein Vater hätte zu anderen Zeiten sicher Schriftsteller werden können“, erzählt Jakob Hien. Geworden ist er aber Richter, und kein unbekannter. Eckardt Hien war bis 2007 Präsident des Bundesverwaltungsgerichts.

Doppelbegabungen

Gerade bei Bundesverwaltungsrichtern scheinen juristische und musikalische Begabungen in der Familie zu liegen. Die Enkel des ersten Präsidenten des obersten deutschen Verwaltungsgerichts, Ludwig Frege, verkörpern diese Gegensätze prominent: Michael Frege, der als Insolvenzrechtspartner bei CMS Hasche Sigle derzeit die deutsche Tochter der Pleitebank Lehman abwickelt, und sein Bruder Andreas, der besser bekannt ist als Campino von den Toten Hosen. (Parissa Kerkhoff)