Emin Capraz

Capraz_EminReisender zwischen den Welten: Gastarbeiterkind, gelernter Industrieelektroniker, Wirtschaftsanwalt bei Moore Stephens in Istanbul. Emin Capraz hat einen Aufstieg hinter sich, wie ihn nur wenige geschafft haben.

Den Handwerker sieht man Emin Capraz nicht an. Als er in der Kölner Industrie- und Handelskammer zum Investitionsumfeld in der Türkei referiert, verkörpert er den Prototyp des jungen Wirtschaftsanwalts: dunkler Anzug, dezente Krawatte, freundlicher Ton und strukturierte Argumente.

Joint Venture oder Tochtergesellschaft

Emin Capraz ist Rechtsanwalt. Er leitet seit 2012 die Istanbuler Rechtsberatung des Kanzleinetzwerks Moore Stephens und schreibt parallel seine Doktorarbeit. Er ist einer, der weiß, ob am Bosporus ein Joint Venture sinnvoller ist als die Gründung einer Tochtergesellschaft. Er ist aber gleichzeitig einer, der weiß, wie man Fertigungsroboter programmiert. Denn er hat auch Industrieelektroniker gelernt, bei Mercedes-Benz in Düsseldorf.

Wie kam das andere zum einen? „Solange, wie es ständig Neues zu lernen gab, hat mir die Arbeit Spaß gemacht. Aber ein paar Wochen nach der Gesellen-prüfung ging die Langeweile los.“ Also büffelte er nach der Arbeit für das Abitur. Sein Jurastudium startete er erst nach gründlichen Recherchen. „Ich hatte mir überlegt, Medizin zu studieren. Doch die Rechtswissenschaften erschienen mir vielseitiger. Natürlich interessierte mich die konkrete Anwendung. Aber Jura bietet mehr: das Handwerkszeug, um neue Sachverhalte strukturiert und analytisch anzugehen.“

Eingewöhnung in Istanbul

Sein Vater war damit gar nicht glücklich. Er hatte sich als Gastarbeiter in Deutschland eine Existenz als Elektriker aufgebaut, erzählt Emin Capraz. Dass sein Sohn auf die Uni wollte, fand Capraz senior abenteuerlich. Das Studium absolvierte Emin Capraz ohne Probleme. Schwieriger war die Eingewöhnung in Istanbul. „Meine Frau kommt aus Honduras, sie fühlte sich sofort wohl. Ich war dafür viel zu deutsch – Istanbul war mir zunächst einfach zu wuselig und chaotisch.“ Etwa die Hälfte seiner 60-Stunden-Woche verbringt er in der Kanzlei, den Rest der Zeit ist er landesweit bei Mandanten im Einsatz. Jura ist dabei nur ein Teil seines Werkzeugkastens. Genauso wichtig ist die Fähigkeit, zwischen türkischen Unternehmern und ausländischen Investoren zu vermitteln. Und sein Vater? Emin Capraz lächelt. „Ich glaube, inzwischen ist er schon sehr stolz.“ (Norbert Parzinger)