Traumjob im Trockendock

Einen Karrieresprung ganz besonderer Art hat Katharina Pape gemacht. Sie hat sich ihren Kindheitstraum erfüllt und wurde General Counsel einer Werft.

Katharina Pape (33)
Heinrich Rönner Gruppe
Aufgewachsen in: Seevetal (Niedersachsen)
Erste berufliche Station: Schackow & Partner

Katharina Pape trägt Helm und Sicherheitsschuhe, wenn Werftingenieure der Heinrich Rönner Gruppe ihr kaputte Schiffsantriebe und -systeme erklären. Pape will mechanisch verstehen, was defekt ist, das helfe ihr, den richtigen Paragrafen hinter das Problem zu setzen. Nicht zuletzt diese unkonventionelle Herangehensweise hat dazu geführt, dass sie mit erst 33 Jahren General Counsel einer 1.700 Mitarbeiter starken norddeutschen Werft wurde.

Dass sie Jura studieren wird, wusste Pape seit der 10. Klasse. Und als Nordlicht hatte sie ein geradezu natürliches Interesse an der maritimen Wirtschaft. Pape träumte davon, für eine Werft, am liebsten Hapag Lloyd, zu arbeiten. Doch nach ihrem Studium ging es erst einmal zu Schackow & Partner nach Bremen. Dort beriet sie zur maritimen Wirtschaft und schlüpfte unter die Fittiche von Insolvenzrechtler Dr. Gerhard Liening. Dessen klaren Wortwahl schaffte eine vertrauensvolle Bindung. „Er hat versucht mir sein gesamtes – und das ist wirklich viel – juristisches Wissen zu vermitteln. Wenn ich morgens mit meinen Fragen in seinem Büro saß, gab es nur eine Voraussetzung: Der Kaffee musste gekocht sein“, lächelt Pape.

Lienings geduldige Art, Papes Stärken zu fördern und ihre Schwächen zu verkleinern, stachelten ihren Ehrgeiz weiter an. Und weil Liening sie auch lehrte, ihre Ziel zu verfolgen, entschloss sie sich, in eigener Kanzlei weiterzumachen. Doch die Rönner-Gruppe, die sie aus der Mandatsarbeit bei Schackow schon kannte, hatte etwas dagegen. Sie wollte die ambitionierte Anwältin fest an ihrer Seite wissen. Damit ging Papes Traum in Erfüllung. Seit Juli arbeitet sie fest bei einer Werft – und von Hapag Lloyd will sie nichts mehr wissen. Die Vision der familiengeführten Rönner-Gruppe, die „nach vorne gerichtet und bodenständig agiert“, schätzt Pape sehr – wie die Jeans, die sie im Job statt feinen Zwirns tragen kann.

Als General Counsel berät sie aus Bremerhaven nun 19 Betriebs- und Produktionsstätten in allen Feldern der maritimen Wirtschaft: Schiffsbau- und Reparaturverträge, AGBs, Gewährleistungsrechte oder Garantien, aber auch arbeitsrechtliche Themen. Zudem koordiniert sie maritime Projekte aller Art. Damit sie sich in der Inhouse-Perspektive nicht verliert, führt sie ihre eigene Kanzlei weiter. Dort ist sie auch als ständige Notarvertreterin aktiv. Ihr Ziel: Irgendwann will sie es ihrem Mentor gleichtun und ebenfalls Notarin werden.

Zwei Fragen an Katharina Pape:

Was würden Sie tun, wenn Sie unendlich viel Geld hätten?
Unendlich viel Geld möchte ich gar nicht haben, es würde seine Wertigkeit verlieren. Mein Herz schlägt aber für Sport- und Sportförderung und – Achtung Klischee – Porsche, ich träume von einem 911, Baujahr 1988.

Was macht Ihnen schlechte Laune?

Verlieren war noch nie meine Stärke, egal ob beruflich oder sportlich. Meine Freunde wissen, dass sie mich nach einem verlorenen Spiel besser nicht ansprechen sollten oder wenigstens einen guten Kaffee als Friedensangebot mitbringen. Ein Garant für schlechte Laune ist nicht vorhandener Kaffee zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Im Jurastudium hat sie in der 2. Bundesliga Nord Volleyball gespielt. Jetzt greift sie als General Counsel an, spielt im Feierabend aber ‚nur‘ noch in der Oberliga.


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