Karrieresprung: Heimisch im Ausland

Dr. Dominic Köstner (41)
GvW Graf von Westphalen 

Dominik Köster, Graf von Westphalen

Aufgewachsen in: 
Kronach, Oberfranken

Erste berufliche Station:
Milbank

Im Ausland zu arbeiten, und zwar nicht nur für ein paar Wochen oder Monate, sondern für länger – das konnte sich Dominic Köstner schon früh vorstellen. „Ich habe immer wieder prägende Phasen meines Lebens außerhalb Deutschlands verbracht – als deutscher Jurist im Ausland arbeiten zu dürfen, ist daher ein großes Privileg“, sagt Köstner, der im Schanghaier Büro von GvW Graf von Westphalen arbeitet und dort nun zum Equity-Partner ernannt wird. Schon im Referendariat war er im Auswärtigen Amt in New York, danach in Brüssel bei Hengeler Mueller. Seinen LL.M. machte Köstner dann in London. Doch die Auslandsaufenthalte waren alle zeitlich befristet – genauso wie die Secondments, die Köstner bei Milbank in München hätte machen können. Bei der US-Kanzlei hatte er 2012 seine Laufbahn begonnen. Alles keine wirkliche Alternative für den Auslandsfan. So wechselte er nach fünf Jahren bei Milbank nicht nur die Kanzlei, sondern auch das Land – und zwar auf Dauer. GvW hat bereits seit 2008 ein Büro in Schanghai und dort startete Köstner 2017. Mit dem Partner Patrick Heid beriet er seither große Unternehmen wie Sartorius bei Zukäufen oder auch Erwin Hymer bei ihrer Expansion nach China.

Köstners Steckenpferd sind grenzüberschreitende M&A-Transaktionen mit China-Bezug aber auch chinesisches Gesellschafts- und Arbeitsrecht. Deutschland und deutsche Unternehmen benötigen seiner Ansicht nach mehr China-Expertise, da der Kontinent die Welt des 21. Jahrhunderts maßgeblich mitgestalte. „Für mich ist die Arbeit in China facettenreicher – es geht nicht nur um die rechtlichen und kommerziellen Aspekte einer Unternehmenstransaktion, sondern auch darum, dem Mandanten dabei zu helfen, die zwischen den Zeilen mitschwingenden kulturellen Besonderheiten besser einordnen zu können“, sagt Köstner. Aufgrund der verschiedenen Kulturen entstünden leicht Missverständnisse. Die Unternehmen der chinesischen Privatwirtschaft seien im Verhältnis zu deutschen Unternehmen oft noch sehr jung und stark auf den Gründer ausgerichtet – dessen Bedeutung für den Fortbestand des Geschäfts unterschätzen Mandanten oft, weiß Köstner. Auch in der Art der Unternehmensführung und der Implementierung von Compliance-Standards würden sich oft große Unterschiede auftun.

Wegen der Corona-Pandemie war Köstner zuletzt 2019 in Deutschland. Doch ein wenig Heimat hat Köstner auch in China gefunden. Als Lehrbeauftragter an der Shandong Agricultural University in Tai’an stellte er fest: Die chinesischen Studenten sprechen Deutsch – und die Vorlesung findet ebenfalls auf Deutsch statt.

Venezianisches Feeling im Reich der Mitte: Kurz nachdem Dominic Köstner 2017 nach China ging, erkundete er per Gondel eine Wasserstadt in der Nähe von Schanghai.

Zwei Fragen an Köstner:

Was macht Ihnen schlechte Laune?  
Wenn die Luftwerte in Schanghai einmal wieder als „ungesund“ auf dem Air-Quality-Index eingestuft werden.

Welches deutsche Essen/Lebensmittel vermissen Sie am meisten?
In China wird deutsches Essen ja in erster Linie auf Bratwürste und Sauerkraut reduziert. Gerade während der coronabedingt zweiten Weihnachtszeit in China ohne Heimreisemöglichkeit würde ich mich aber über eine Weihnachtsgans mit Rotkohl besonders freuen.

Die Rubrik Karrieresprung erscheint monatlich im JUVE Rechtsmarkt.


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