Karrieresprung: Champions League, so oder so

Wenige Kanzleien ernennen in Deutschland so selten Partner wie Cleary Gottlieb Steen & Hamilton. Kartellrechtler Julian Sanner hat den Sprung in den exklusiven Kreis geschafft.

Dr. Julian Sanner (Foto: Cleary Gottlieb Steen & Hamilton)

Dr. Julian Sanner (39)

Cleary Gottlieb Steen & Hamilton

Aufgewachsen in:
Leverkusen

Erste berufliche Station:
Cleary Gottlieb Steen & Hamilton

Eine interne Partnerernennung bei Cleary in Deutschland, das galt lange als so etwas wie heißer Schnee. Karrierewege führten nach einigen Jahren stets in Rechtsabteilungen, zu Wettbewerbern oder in die eigene Kanzlei. Als Julian Sanner aus dem Kölner Büro im Januar 2022 in den Kreis der Cleary-Partner aufgenommen wurde, staunten viele daher nicht schlecht.

Offenbar war die Zeit jetzt reif – und mit Sanner ein Nachwuchsanwalt gefunden, der nicht nur die insgesamt fünf deutschen Partner, sondern die globale Partnerschaft überzeugte. Denn bei Cleary gilt eine eiserne Regel: Neue Kandidaten werden nur im Konsens aller rund 170 Partner weltweit aufgenommen.

Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit war und ist deshalb für den Kartellrechtler selbstverständlich. Auf Deals beriet er zusammen mit Partnern aus Brüssel, Paris, Washington, Abu Dhabi, London oder New York. Sanner schätzt selbst den Anteil der internationalen Arbeit in den vergangenen zwei Jahren auf 70 Prozent. Darunter waren Transaktionen von IBM, Tronox, Adevinta und Dassault. Kehrseite der Internationalität: In der deutschen Kartellanwaltsszene ist Sanner bisher weniger bekannt. Und eine Garantie, dass es mit der Partnerschaft klappt, gab es auch nie. „Ich habe auf allen Stufen meines Werdegangs eigentlich immer wieder innegehalten und reflektiert. Bin ich hier glücklich, habe ich eine wichtige Rolle im Team, kriege ich die PS auf die Straße und kann ich ein guter Anwalt sein? Das war für mich wichtiger als ein vorgezeichneter Weg“, so der 39-Jährige.

Zum Kartellrecht kam Sanner, als er nach den ersten Semestern Volkswirtschaft auf Jura umsattelte. Nach einer Vorlesung habe der Cleary-Partner Prof. Dr. Dirk Schroeder ihn angesprochen. Am Kölner Cleary-Büro gefällt ihm das „kleine, feine Team. Die einzigartige Kombination aus überschaubarem Büro und internationaler Praxis“. Sanner verbrachte dort eine Station als Referendar, sammelte Erfahrungen aber auch in London, dem Juristischen Dienst der EU in Brüssel und bei der Generalanwältin Prof. Dr. Juliane Kokott in Luxemburg. Seine Promotion zu einem Kartellschadensersatz­thema führte ihn ans Hamburger Max-Planck-Institut.

Nun ist er zurück im Rheinland. Leverkusen, wo er aufwuchs, trennen von Köln nur wenige Kilometer. Als Mitarbeiterkind nutzte er das vielfältige Sportangebot des Bayer-Konzerns. Bester Fußball-Verein? Natürlich Champions-League-Aspirant Bayer 04.

Dass Sanner diese Fan-Liebe so einfach über die Lippen geht, unterstreicht seine Internationalität. Denn aus Sicht der heimischen FC-Anhänger befinden sich Leverkusen und Köln auf zwei verschiedenen Kontinenten.

Julian Sanner macht Karriere bei Cleary statt bei Bayer 04. Vielleicht kommt dank Training am Strand in der nächsten Generation alles anders? (Foto: privat)

Zwei Fragen an Sanner:

Was macht Ihnen an Ihrem Job am meisten Spaß?

Von Fußballvereinen über Halbleiter bis hin zu Waschmitteln – im Kartellrecht erschließen sich oft komplett neue Welten, in die ich mein juristisches Wissen einbringen kann.

Was macht Ihnen schlechte Laune?

Schlechter Kaffee – denn er ist ein wichtiges Elixier, um einen wachen Kopf zu haben und auch mal einen längeren Arbeitstag durchzuhalten.

Die Rubrik Karrieresprung erscheint monatlich im JUVE Rechtsmarkt.


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