azur100
04.03.2021 | Autor/in: Eva Flick
Themen in diesem Artikel:

Willkie Farr & Gallagher – Top-Arbeitgeber – Platz 21

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Sehr gute Arbeitsatmosphäre, auch bei Stress“

„Die Kanzlei ist sehr bemüht, Frauen zu fördern“

„Hier kann man sein Potenzial voll einbringen“

Kritik von den eigenen Associates

„Es müsste mehr in puncto Arbeit und Familie getan werden“

„Aufstiegskriterien sind vollkommen intransparent“

„Das Weiterbildungsangebot sollte erweitert werden“

Was externe Juristen über Willkie sagen

„Willkie lässt Associates auch bei größeren Transaktionen viel Verantwortung übernehmen“

„Fachlich top, aber das Betriebsklima ist ausbaufähig“

„Brutaler Machtkampf zwischen den Partnern“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Vermittlung von Referendarstation ins Ausland (z.B. Londoner Büro oder bei Investmentbank)
  • Enge Einbindung in die Teams und in den Kanzleialltag
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Kooperation mit Insead für einen MBA und mit USC Berkeley für einen LL.M.-Abschluss
  • Secondments bei Mandanten oder in einem der US-Büros möglich
Highlights Diversity

keine herausragenden Angebote

US-Transaktionsboutique, die im Private Equity-Geschäft auf vollen Touren läuft

Deals, Deals, Deals. Wer bei Transaktionen, vor allem bei Private-Equity-Deals, Vollgas geben will, bekommt bei Willkie einen Eindruck, wie sich das anfühlt. Die US-Kanzlei spielt trotz überschaubarer Größe immer wieder ganz oben mit und lässt Praktikanten und Referendare daran teilhaben. Bei der Ausbildung setzt sie auf Individualität. Der Nachwuchs ist Teil des Teams und bildet sich mit den Associates intern fort. Referendare können einen Teil ihrer Zeit in London oder den USA verbringen. Neu ist, dass die Kanzlei ihnen Gutscheine über 100 Euro pro Monat für ein Repetitorium spendiert. Ehemalige loben in der azur-Bewerberumfrage vor allem „das freundschaftliche Verhältnis“. Dass trotz Lockdown im Frühjahr 2020 Praktikanten und Referendare kommen durften und für zu Hause mit der nötigen IT-Infrastruktur ausgestattet wurden, ist nicht selbstverständlich.

Abstecher nach Berkeley. Willkie setzt in Sachen Associate-Ausbildung auf das Mentoring durch Partner. Etabliert hat sich das gemeinsame Mittagessen im Zweiwochentakt, bei dem Themen wie Transaktionsmanagement auf der Tagesordnung stehen. Soweit, so normal. Eher ungewöhnlich ist die Kooperation, die Willkie bereits seit einigen Jahren mit der angesehenen USC Berkeley für einen LL.M.-Abschluss sowie mit der ebenso angesehenen privaten Wirtschaftshochschule Insead für einen MBA-Titel pflegt. Den LL.M. haben schon mehrere Associates absolviert, Insead hingegen bisher nicht wahrgenommen. Insgesamt sind sie laut azur-Umfrage mit ihrer Weiterbildung etwas unzufriedener als der Marktdurchschnitt: „Es gilt weiter Learning by Doing“, schreibt einer.

Voller Einsatz ist gefragt. Willkie ist keine Arbeitgeberin für Anwälte, die eine gute Work-Life-Balance schätzen. Die Note in der azur-Umfrage ist nach wie vor unterdurchschnittlich – ein Schicksal, das sie mit Transaktionsboutiquen wie Sullivan oder Milbank teilt. Einsteigern sollte deshalb klar sein, dass das überaus hohe Einstiegsgehalt kein Geschenk ist. Die hohe Profitabiliät kommt nicht von ungefähr, sondern von harter Arbeit. Obwohl die Kanzlei – anders als andere US-Einheiten – keine Mindestzahl an abrechenbaren Stunden fordert, gilt: Wenn ein Deal ansteht, fordert Willkie vollen Einsatz.

Erst Karriere und dann Familie. Es erstaunt nicht, dass bei diesem Geschäftsmodell die Vereinbarkeit von Karriere und Familie schwierig bleibt. Die Associates äußern sich in der azur-Umfrage entsprechend unzufrieden. Einer meint: „Es gibt viele Arten, Familie zu fördern. Willkie steht da leider noch am Anfang.“ Zwar hat die Kanzlei schon vor Jahren ein Kinderzimmer in der Kanzlei eingerichtet, allerdings scheint das wenig Erleichterung zu bringen. Wichtiger ist den Anwälten Flexibilität, vor allem durch Homeoffice, das vom Management zumindest während der Corona-Hochphase akzeptiert wurde. Ein Associate bleibt aber skeptisch, dass das auf Dauer trägt. „Homeoffice gab es vor Corona nur auf dem Papier – man wird sehen, wie sich das entwickelt.“

Locker, aber stressig. Für ihre Arbeitsatmosphäre wurde die Kanzlei schon früher gelobt. In der aktuellen azur-Umfrage betont einer die „sehr familiäre und freundschaftliche Stimmung“. Ein anderer schreibt, es ginge „locker zu“ – allein der mitunter „sehr raue Umgangston in Stresszeiten“ müsse nicht sein. Für das Betriebsklima vergeben die Teilnehmer gute Noten, und doch speist sich der Teamgeist auch aus einer Spontanität, die physische Anwesenheit voraussetzt. Wer also planbare Arbeits- und Homeoffice-Zeiten wünscht, ist hier fehl am Platze. Gerade Ersteres führt immer wieder dazu, dass Associates die Segel streichen und in Kanzleien mit ruhigerem Fahrwasser wechseln.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 5 bis 12

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 1 bis 5

Referendarplätze 2021: 10              

Praktikumsplätze 2021: 10

Für eine erfolgreiche Bewerbung ist fließendes Englisch ein Muss. Hinzu kommen mindestens vollbefriedigende Noten in beiden Staatsexamen. Fällt das zweite Examen überraschend schlechter aus, drückt die Kanzlei auch schon mal ein Auge zu. Konsequent ist sie beim Ablauf der Bewerbungsgespräche, denn die sollen möglichst umfangreich ausfallen: Mindestens fünf Anwälte – Partner und Associates – lernen den Kandidaten im ersten Gespräch kennen. Im zweiten Gespräch kommen dann alle hinzu, die beim ersten Mal nicht dabei waren. Bewerber loben in der azur-Bewerberumfrage das „schnelle und unkomplizierte“ Vorgehen, „die Vielzahl der Gesprächsteilnehmer“ und die „angenehme Atmosphäre“.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standort in Deutschland: Frankfurt

Internationale Präsenz: Die US-Kanzlei hat eigene Büros in New York, Washington und Houston sowie in Brüssel, London, Mailand, Rom und Paris.

Anwälte in Deutschland: 10 Vollpartner, 2 Non-Equity-Partner, 9 Counsel und 22 Associates

Frauenanteil Anwälte: 23,3 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 1

davon Frauen: 1

Umsatz in Deutschland 2019: 33,7 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 1.096.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 500 bis 750 Euro/Monat (vor dem 1. Examen), 1.000 Euro/Monat (nach dem 1. Examen)

Referendare: 1.000 Euro/Wochenarbeitstag; max. 5.000 Euro/Monat

Associates:

1. Jahr: 140.000 Euro*

2. Jahr: 135.000 Euro plus Bonus

3. Jahr: 145.000 Euro plus Bonus

4. Jahr: 155.000 Euro plus Bonus

5. Jahr: 165.000 Euro plus Bonus

6. Jahr: 175.000 Euro plus Bonus

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

*Willkie zahlt im ersten Jahr 125.000 Euro Gehalt, hinzu kommt zum Berufseinstieg eine Einmalzahlung in Höhe von 15.000 Euro.

Karriere und Partnerschaft

In Europa können Associates seit dem Jahreswechsel 2019/2020 direkt zum Partner aufsteigen. Die Zwischenstufe des National Partners, die es in den USA nie gab, ist entfallen. Wer das nicht will oder schafft, kann – auch dauerhaft – auf dem Status eines Counsel bleiben. Mit ihren Aufstiegschancen sind die Willkie-Associates allerdings noch unzufriedener als im Vorjahr, sowohl was die Chancen auf die Partnerschaft als auch die Karrieremöglichkeiten jenseits der Partnerschaft betrifft. Ein Grund dürften auch die neu hinzugekommenen Partner sein, die die Kanzlei 2020 gewann und die die ohnehin nur überschaubaren Aufstiegschancen des eigenen Nachwuchses mutmaßlich weiter vermindern. In der azur-Associate-Umfrage beklagt sich einer über die „vollkommen intransparenten Aufstiegskriterien“. Das sei beim Management bekannt, „Besserung wurde mehrfach gelobt, allein passiert ist leider nichts“.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


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