azur100
04.03.2021 | Autor/in: Ludger Steckelbach
Themen in diesem Artikel:

White & Case – Top-Arbeitgeber – Platz 12

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Hervorragende Mandate mit enger Einbindung ins Tagesgeschäft“

„Große Neugier bezüglich Legal-Tech-Lösungen“

„Dank Corona und US-Vorgaben besser bei Homeoffice und freier Zeiteinteilung“

Kritik von den eigenen Associates

„Oft werden deutlich mehr als die 1.800 offiziellen abrechenbaren Stunden gefordert, verbunden mit dauernder Verfügbarkeit“

„Es gibt eine Diskrepanz zwischen dem Bild nach außen und dem intern gelebten Arbeitsalltag“

„Karrierewege und Vollpartnerschaft sind nicht transparent genug“

Was externe Juristen über W&C sagen

„Sehr international; harte und lange Arbeitszeiten, aber interessanter Aufgabenbereich“

„Englischsprachige Mandanten, hohes Gehalt, junges Team“

„Großes Haus mit interessanten Entwicklungsmöglichkeiten und sehr kompetitivem Klima“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Wahlstation virtuell im Auslandsbüro
  • Frühe Mitarbeit in attraktiven Mandaten
  • Oft guter Kontakt in die Praxisgruppen
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Seminare zu Wirtschaftsthemen und Soft Skills ergänzen jene zu juristischen Schlüsselqualifikationen
  • Praxisnahe Aus- und Weiterbildung in Legal Tech
Highlights Diversity
  • Etablierte Förderung von Frauen
  • Überdurchschnittliche ethnische und kulturelle Vielfalt der Mitarbeiter
  • Jahrelanges Engagement in globalem LGBTI-Netzwerk

US-Kanzlei, die Wert auf unternehmerische Eigenverantwortung legt

Rekorde sorgen für gemischte Stimmung. White & Case (W&C) ist keine typische US-Kanzlei. Einerseits wächst sie international immer enger zusammen, was zu einer einheitlichen, eher amerikanisch geprägten Firmenkultur führt. Andererseits verzichtet die Kanzlei auf ein zentrales Management ihrer vier deutschen Standorte und lässt den Anwälten bewusst Entwicklungsspielraum. Letzteres führt zu einem heterogenen Bild, das die Associates in der azur-Umfrage zeichnen. Während einige die „außergewöhnlich gute Stimmung“ und das „vertrauensvolle Verhältnis über alle Hierarchieebenen“ loben, finden andere die Stimmung „durchweg mies“.

Viel Arbeit für viel Geld. W&C hat ihre Modernisierungsstrategie 2020 endgültig umgesetzt. Internationale Vernetzung, höherwertige Mandate und stärkere inhaltliche Fokussierung waren die Meilensteine, die den Weg zu wirtschaftlichem Erfolg ebneten. Der macht sich bemerkbar in einer überdurchschnittlichen Bezahlung und einer hohen Auslastung. Associates loben in der azur-Umfrage eine „sehr starke Entwicklung in den letzten Jahren, die man 1:1 mitbekommt“. Gleichzeitig beklagen sie aber die sehr hohe Arbeitsbelastung. Tatsächlich liegen sie mit durchschnittlich gut 56 Wochenstunden laut azur-Umfrage vier über dem Pensum, das Kollegen in anderen Kanzleien arbeiten. Entsprechend fallen die Noten aus. Zufrieden sind sie mit Gehalt und Arbeitsniveau, Arbeitsbelastung und Work-Life-Balance kommen nicht gut weg.

American Way of Work. Deutschen Juristen wird auch in den hiesigen Büros vieles amerikanisch vorkommen: unternehmerische Eigenverantwortung, Learning by Doing und Political Correctness. Die Kanzlei bietet auch jungen Juristen viele Gestaltungsmöglichkeiten. Um die zu nutzen, sollte man von Beginn an Initiative zeigen und Wünsche kommunizieren. Die Weiterbildung entspricht nach Art und Umfang dem Marktstandard. Während einige Umfrageteilnehmer sowohl das Programm an sich als auch einzelne Angebote etwa zu Bilanzen loben, kritisieren andere, dass die Weiterbildung nur auf dem Papier existiere, de facto aufgrund der Arbeitsbelastung aber keine Zeit für Fortbildungen bleibe. Die hohe Arbeitsbelastung macht auch die Vereinbarkeit von Kanzlei- und Familienleben nicht einfacher. Der Großteil der wechselwilligen Associates gibt in der azur-Umfrage als Grund den Wunsch an, Karriere und Familie besser unter einen Hut zu bekommen. Entsprechend fällt die Note aus. Was die Associates vor allem wollen, ist mehr Flexibilität, wann und wo sie arbeiten. Vor allem den Hang zur ‚Facetime‘ bemängeln viele.

Viel Theorie, viel Praxis. Praktikanten und Referendare werden in die Mandatsarbeit eingebunden. Die stärkere inhaltliche Fokussierung auf bestimmte Rechtsgebiete, die W&C in den Vorjahren vorangetrieben hat, kommt nicht bei allen an, weil sie die Gefahr birgt, „häufig ähnliche Mandate zu bearbeiten“, meint ein Umfrageteilnehmer. Der Großteil ist in der azur-Bewerberumfrage aber angetan von der Stage bei W&C. Die Teilnehmer loben das „sehr gute Angebot und die tolle Einbindung in die richtige Arbeit“, vor allem aber die Angebote zur Examensvorbereitung von Kaiser und Alpmann Schmidt.

Frauenanteil: Durchwachsen. In Deutschland ernannte W&C für 2021 fünf neue Partner, darunter eine Frau. Mit einem Frauenanteil von 15 Prozent in der Partnerschaft schneidet die Kanzlei im Vergleich mit anderen US-Einheiten ganz gut ab. Im gesamten Marktvergleich ist der Partnerinnenanteil aber eher traurig – und das trotz mehrerer Programme zur Frauenförderung, die auch die Associates hervorheben.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 35 bis 45

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): ca. 10

Referendarplätze 2021: 60 bis 70  

Praktikumsplätze 2021: 50 bis 70

Von Berufseinsteigern erwartet die Kanzlei zwei vollbefriedigende Examina. Zusatzqualifikationen wie eine Promotion oder ein im Ausland erworbener LL.M. sind gern gesehen, aber keine Voraussetzung. Sie bringen wie Prädikatsnoten Pluspunkte, die mit besonderen Fähigkeiten teilweise kompensiert werden können. W&C setzt wegen der Internationalität ihrer Mandate sehr gute Englischkenntnisse voraus. Für Berufseinsteiger sind in der Regel zwei Gesprächsrunden geplant. Hier hat der Bewerber die Gelegenheit, Partner und Associates aus verschiedenen Rechtsbereichen kennenzulernen, um sich einen möglichst umfangreichen Eindruck von den Teams verschaffen zu können. Ein Teil des Gesprächs kann auf Englisch geführt werden. Bewerber beschreiben das Verfahren durchweg als „unkompliziert und schnell“.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt und Hamburg

Internationale Präsenz: White & Case unterhält weltweit 44 Büros, aufgeteilt in die Regionen Amerika, EMEA und Asien/Pazifik.

Anwälte in Deutschland: 62 Partner, 35 Local-Partner, 23 Counsel, 115 Associates und 3 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 29,8 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 23

davon Frauen: 16

Umsatz in Deutschland 2019: 163,0 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 778.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 120 Euro/Tag (vor dem 1. Examen), 200 Euro/Tag (nach dem 1. Examen), ab 220 Euro/Tag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 200 Euro/Arbeitstag; max. 4.330 Euro/Monat

Associates:

1. Jahr: 120.000 Euro plus Bonus bis 36.000 Euro

2. Jahr: 125.000 Euro plus Bonus bis 37.500 Euro

3. Jahr: 130.000 Euro plus Bonus bis 39.000 Euro

4. Jahr: max. 140.000 Euro plus Bonus bis 42.000 Euro

5. Jahr: max. 150.000 Euro plus Bonus bis 45.000 Euro

6. Jahr: max. 160.000 Euro plus Bonus bis 48.000 Euro

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Karriere und Partnerschaft

Associates können frühestens nach sechs, in der Regel nach sieben Jahren zum Local-Partner aufsteigen. Das entspricht dem Counsel-Status in anderen Kanzleien. Der Weg in die globale Partnerschaft wird mit einem Coaching unterstützt und erfolgt frühestens nach dem achten Jahr. Das ist später als bei den meisten Wettbewerbern, aber bei US-Kanzleien nicht unüblich. Neben Quereinsteigern hat die Kanzlei in den vergangenen Jahren auch zahlreiche Eigengewächse befördert. Neben der Partnerschaft gibt es auch bei W&C den Status eines Counsel. Die Türen für die Partnerschaft sind damit aber nicht verschlossen, die Ernennung zum Vollpartner bleibt möglich. Die Associates vergeben in der azur-Umfrage für ihre Karrierechancen insgesamt Noten knapp unter dem Marktdurchschnitt. 2021 hat W&C fünf Voll- und sechs Salary-Partner ernannt.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


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