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24.10.2014 | Autor/in: Mathieu Klos
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Von Kaisern und Königen

Von Kaisern und Königen: Beitrag aus azur 2/2014

Von Kaisern und Königen: Beitrag aus azur 2/2014

Wirtschaftskanzleien wollen Top-Bewerber, am besten mit zwei Prädikatsexamen. Deshalb unterstützen immer mehr von ihnen Referendare bei der Vorbereitung auf das Staatsexamen. Doch die aufwendigen Programme sind umstritten. Von Mathieu Klos (aus azur 2/2014)

Sie haben ein eindeutiges Ziel vor Augen: das Assessorexamen bestehen, idealerweise mit dem zweiten Prädikat. Dieses Ziel ist auch der Maßstab, mit dem viele Referendare ihre ­Arbeitgeber in den Stationen ­bewerten. „Sehr interessant, aber wenig examens­relevant“, schreibt ­einer in der aktuellen azur-Bewerberumfrage über seine Stage in einer Bundesbehörde.

Über eine Mannheimer Kanzlei ist hier zu lesen: „Die Einbindung in Mandate war gut, aber die Wissensvermittlung wenig relevant für das Examen.“ Und zu einer internationalen Großkanzlei schreibt ein dritter: „Alles schön und gut, aber ein Angebot zur Teilnahme an einem Repetitorium wäre klasse.“

Hohe Investitionen

In solche hauseigenen Repetitorien oder Klausurkurse investieren Wirtschaftskanzleien derzeit massiv. Und diejenigen, die sie anbieten, ernten meist ein dickes Lob – allen voran Clifford Chance. „Sehr gute Ausbildung in Praxis und Theorie durch die Academy mit Kaiserseminare“, schreibt ein zufriedener Ex-Referendar in der azur-Umfrage. Die Kanzlei bietet, auch nach Meinung von Personalmanagern der Wettbewerber, das „umfassendste“ und „führende“ Programm. Clifford Chance arbeitet dazu bereits seit zehn Jahren mit dem bekannten Repetitor Kaiserseminare zusammen.

Der Kreis der Kanzleien, die ihren Referendaren Kurse zur Examensvorbereitung anbieten, wächst von Jahr zu Jahr. 2004 war Clifford Chance die erste ­Kanzlei, die ein solches Zusatzangebot für Referendare in ihre ­allgemeine Referendarausbildung integrierte. Zehn Jahre später arbeiten sechs Kanzleien mit Kaiser­seminare zusammen, unter ihnen seit dem vergangenen Jahr Noerr und Simmons & Simmons.

Start vor zehn Jahren

Andere kooperieren mit Jura Intensiv, darunter seit Kurzem Linklaters und Allen & Overy. Wieder andere kooperieren mit anderen Repetitoren oder gehen ­eigene Wege: Sie bieten etwa mit in der Referendarausbildung erfahrenen Anwälten Kurse zum Aktenvortrag an. Und der Trend hält an. Weil Gotshal & ­Manges denkt derzeit über ein eigenes Programm nach, ­Heuking Kühn Lüer Wojtek plant, das vorhandene auszuweiten (Auf einen Blick)

Mit einem kleinen Rumpfprogramm startete ­Clifford Chance 2004 ihr hauseigenes Repetitorium. Die Kanzlei hatte gerade als eine der ersten in Deutschland ein strukturiertes Referendarprogramm ins Leben gerufen. Torsten Kaiser, einer der beiden Brüder hinter Kaiserseminare, war damals Associate im Düsseldorfer Büro. Kaiser arbeitete bereits seit 2003 nebenher als Repetitor und schlug seinem Arbeitgeber vor, zusätzlich zur Referendar Academy einen Examensvorbereitungskurs anzubieten. Mittlerweile gilt der Repetitor aus Lübeck bei der Vorbereitung auf das Assessor­examen als Marktführer.

Zunächst beschränkte sich das Angebot auf drei Module zum materiellen Zivilrecht, zum Zivilurteil und zur zivilrechtlichen Rechtsanwaltsklausur. Im Jubiläumsjahr 2014 umfasst die Vorbereitung neun Module (LINK ANDERER TEXT Auf dem Silbertablett). Alle Kurse unterrichtet Kaiser in den Kanzleiräumen.

Im Gegensatz zu den normalen Wochenendkursen sind die Lerngruppen bei Clifford Chance klein. Zusätzlich können die ­Clifford Chance-Referendare an einem speziellen Klausurkurs von Kaiserseminare sowie einem Training zum Aktenvortrag teilnehmen.

Kanzleien ziehen nach

An Komplexität und Intensität übertrifft zwar aktuell keine andere Kanzlei dieses Angebot, aber Clifford Chance hat erhebliche Konkurrenz bekommen. Als sechste Kanzlei ging kürzlich Simmons & Simmons die Zusammenarbeit mit Kaiserseminare ein. Auch CMS Hasche Sigle, Latham & Watkins, Shearman & Sterling und Noerr haben in den letzten Jahren eine Kooperation mit den Kaiser-Brüdern geschmiedet.

Zivilrechtlicher Schwerpunkt: Die Examensvorbereitung orientiert sich an der wirtschaftsrechtlichen Arbeit von Latham & Watkins, erklärt deren Personalmanagerin Karin Schumacher.

Zivilrechtlicher Schwerpunkt: Die Examensvorbereitung orientiert sich an der wirtschaftsrechtlichen Arbeit von Latham & Watkins, erklärt deren Personalmanagerin Karin Schumacher.

Die Angebote der Kanzleien unterscheiden sich jedoch erheblich in der Intensität und Ausrichtung. Ein ähnlich umfassendes Programm wie Clifford Chance hat CMS Hasche Sigle mit Schulungen zu allen drei examensrelevanten Rechtsgebieten aufgestellt. Noerr dagegen konzen­triert sich auf die Anwaltsklausur und das materielle Zivilrecht.

Das Zivilrecht stellt auch Latham & Watkins ins ­Zentrum ihres Angebots. „Als wirtschaftsrechtlich ausgerichtete Kanzlei legen wir den Schwerpunkt unseres Ausbildungsprogramms für Referendare auf die ­zivilrechtliche und zivilprozessuale Vorbereitung für das Zweite Staatsexamen“, erklärt Karin Schumacher, die für das Referendarprogramm der Kanzlei zuständig ist.

Kurse, Skripte und Klausuren

Latham & Watkins zieht im Hamburger Büro ihre Referendare aus den anderen drei deutschen Standorten für den Vorbereitungskurs durch Kaiserseminare ­zusammen. Zu dem Paket gehören auch die ­Kaiser-Skripte und ein Klausurkurs. Zusätzlich hält ein erfahrener Richter an den vier deutschen Standorten ein Repetitorium zum Zivilrecht, einschließlich eines Klausurkurses.

Der zweite maßgebliche Anbieter bei der Vorbereitung auf das Assessorexamen ist Jura Intensiv. Mit dem Repetitor arbeiten inzwischen fünf Kanzleien mehr oder wenig eng zusammen. Allen & Overy beispielsweise startet in diesem Herbst ein eigenes Programm mit dem Repetitor (LINK ANDERER TEXT Auf dem Silbertablett). An allen vier Standorten können sich die Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter aus dem Kursangebot von Jura Intensiv ein passendes Programm zusammenstellen. Die Kosten trägt die Kanzlei.

Die Schulungen finden nicht bei Allen & Overy vor Ort, sondern beim Repetitor statt. Damit unterscheidet sich die Kanzlei grundsätzlich von den übrigen Großkanzleien, die ihre Referendare in hauseigenen Schulungen zusammenfassen. „Bei unserem Angebot setzen wir gezielt auf eine flexible Lösung“, erklärt Katrin Stapper, Personalmanagerin der Kanzlei. „Unsere Referendare können praktisch ab der Unterzeichnung des Arbeitsvertrages nach eigenem Ermessen auf unsere Kosten Kurse bei Jura Intensiv belegen.“ Ist die Verweilzeit in der Kanzlei optimal, finanziert Allen & Overy Referendaren im Prinzip das komplette Repetitorium.

Rhetoriktraining bei Linklaters

Linklaters bietet mit Jura Intensiv dagegen einen Ausschnitt des Kursprogramms. Mehrmals im Jahr halten die Repetitoren an allen Standorten einen zwei­tägigen Kurs und machen die Teilnehmer fit in Sachen Zivilprozessrecht (ZPO I und II). Hier üben die Referendare den Aufbau und die Formulierung eines Urteils ein und vertiefen anhand von Klausur-Klassikern examensrelevante Probleme. Ein Intensivtraining zum ­Aktenvortrag durch eine Rhetoriktrainerin hat Link­laters ebenfalls im Programm.

Hogan Lovells wiederum arbeitet nur am Frankfurter Standort mit Jura Intensiv zusammen. Der Lehrgang „Die Anwaltsklausur im Zweiten Staatsexamen“ behandelt die zivilrechtliche Anwaltsklausur sowie das Straf- und Revisionsrecht. Alle Teilnehmer erhalten zudem die Unterlagen des Repetitors.

„Wir richten unser Angebot an den jeweiligen Wünschen der Referendare und den regionalen Gegebenheiten der Prüfungsordnung aus“, erklärt Thorsten Ashoff, Personalmanager bei Hogan Lovells. „So ist es auch zu erklären, dass sich die Angebote an die Referendare in den Büros in ­Düsseldorf und Hamburg grundsätzlich von dem Programm in Frankfurt unterscheidet.“

Vielfalt bei Hogan Lovells

Denn in den Büros Düsseldorf und Hamburg kooperiert die Kanzlei mit Alpmann Schmidt. Der Klausurkurs findet alle zwei Monate statt und umfasst je zwei Klausuren zum Zivil-, Straf- und Öffentlichen Recht. Diese schreiben die Referendare sechs Wochen vor Kursbeginn und erhalten sie vom Repetitor korrigiert zurück. Im Kurs selbst werden die Ergebnisse besprochen.

Die Vielfalt der Vorbereitungsprogramme gerade der Großkanzleien ist inzwischen zwar beachtlich, aber längst nicht alle arbeiten mit Repetitoren zusammen. Einige Großkanzleien vertrauen auf ihre eigenen Kompetenzen und bieten durch in der Referendarausbildung erfahrene Anwälte Trainings für Referendare an (LINK ANDERER TEXT Auf dem Silbertablett).

Gleiss Lutz etwa ­organisiert einmal im Monat ein Aktenvortragstraining. Unter Examensbedingungen üben die Referendare den Kurzvortrag für die mündliche Prüfung. Dazu gibt es ein Feedback von den Anwälten und Falllösungen. Wie alle Großkanzleien ergänzt Gleiss Lutz das Angebot durch Soft-Skills-Schulungen in der allgemeinen Referendarausbildung. Einen ähnlichen Weg geht auch Freshfields Bruckhaus Deringer.

Dass sich die Kanzleien fast ausschließlich auf die Förderung von Referendaren im Assessorexamen konzentrieren, hat vielfach praktische Gründe. Gerade bei den mittelgroßen bis großen Kanzlei sind die Referendare in größerer Zahl zur gleichen Zeit in der Station. Außerdem stehen sie in der Anwaltsstation meist unmittelbar vor der schriftlichen beziehungsweise in der Wahlstation noch vor der mündlichen Prüfung. Die Förderung erreicht die jungen Juristen also im entscheidenden Augenblick ihrer Vorbereitung.

Zielgerichtet für Referendare

Wer hat´s erfunden: Clifford Chance setzte als erste Kanzlei auf ein hauseigenes Repetitorium für Referendare. Für Praktikanten hält ihr Personalchef Wolf Kahles ein solches aber nicht für praktikabel.

Wer hat´s erfunden: Clifford Chance setzte als erste Kanzlei auf ein hauseigenes Repetitorium für Referendare. Für Praktikanten hält ihr Personalchef Wolf Kahles ein solches aber nicht für praktikabel.

„Ein Angebot zur Vorbereitung auf das Staatsexamen lässt sich daher in einer Kanzlei zielgerichteter für Referendare als für Studenten organisieren“, erklärt Wolf Kahles, Director Human Resources bei Clifford Chance. „Außerdem arbeiten Referendare zeitlich länger bei uns. Dagegen ist die Gruppe der Praktikanten sehr heterogen. Sie haben einen unterschiedlichen Stand im Studienverlauf und kommen aus verschiedenen Bundesländern.“ Das mache es sehr schwierig, ein einheitliches Vorbereitungsprogramm für alle zu organisieren, so Kahles.
Eine Analyse, die auch andere Personaler in Kanzleien teilen.

Allen & Overy geht dennoch einen eigenen Weg. Die Kanzlei hat wie ihre Wettbewerber kein spezielles hauseigenes Programm für Juristen, die sich auf das Erste Staatsexamen vorbereiten. Dennoch fördert sie auch Studenten in dieser lernintensiven Phase. Die Klausurklinik der Universität Freiburg erhält finanzielle Zuwendungen von der Kanzlei.

„Wir arbeiten schon länger eng mit der Universität Freiburg in der Ausbildung zusammen. Da war es nur konsequent, dass wir ihre Klausurklinik finanziell unterstützen“, erklärt Katrin Stapper. Dadurch will Allen & Overy der Hochschule helfen, dass die Freiburger Studenten eine optimale Besprechung ihrer Probeklausuren erhalten. Partner der Kanzlei engagieren sich bei den Freiburger Juristen zudem mit Case Studys.

Kanzleigröße unerheblich

Referendare finden diese kanzleieigenen Vorbereitungskurse keineswegs nur bei den Großen der ­Branche. Auch mittelgroße oder regional aufgestellte Kanzleien fördern Referendare im Hinblick auf das ­Assessorexamen. Diese Kanzleien verfügen meist nicht über große Marketingbudgets, um auf ihre ­Angebote aufmerksam zu machen. Dennoch sind ihre Anwälte häufig in der Referendarausbildung engagiert und wissen, worauf es im Examen ankommt.

Manche Kanzleien greifen deshalb abseits vom Engagement ihrer Anwälte Referendaren zusätzlich unter die Arme – meist flexibel, ohne organisationsintensives Programm oder gar die Zusammenarbeit mit einem Repetitor. Zum Beispiel Blaum Dettmers Rabstein: Die überörtliche Kanzlei mit Hauptsitz in Bremen setzt ganz auf die Erfahrung ihrer Anwälte und die intensive Mit­arbeit der Referendare. Sie organisiert ein spezielles Training zum Aktenvortrag und Verfassen von Schriftsätzen (LINK ANDERER TEXT Auf dem Silbertablett).

Dazu geben ihre Anwälte den Referendaren eine schriftliche und mündliche Anleitung und stellen Muster zur Verfügung. Anschließend werden die Ergebnisse der Referendare korrigiert und besprochen. Daneben bereitet die Kanzlei ihre Referendare auf die mündliche Prüfung vor, indem diese ihre schriftlichen Ergebnisse mündlich vortragen müssen. Im Rahmen von internen Fortbildungen verbessern sie ihre mündliche Kompetenz zusätzlich durch Kurzvorträge zu aktuellen Rechtsthemen.

Interne Schulungen bei Loh

Die Anwälte der Berliner Kanzlei Loh bringen ihren Referendaren in acht Inhouse-Schulungen examensrelevante Themen wie Zivilprozessrecht, Zwangsvollstreckung oder Versäumnisurteil, aber auch ein Basiswissen im Gesellschafts-, Kapitalmarkt- und Öffentlichen Recht nahe. Gleichzeitig schulen sie den Nachwuchs an aktuellen Fällen und Urteilen. Hier müssen die Referendare den Fall nach einer Einführung in den Sachverhalt strukturieren und das weitere Vorgehen entscheiden.

Kanzleien wie Loh und Blaum Dettmers können bei dieser Ausbildung stets auf die rege Prozessarbeit ihrer Anwälte bauen. Für die Referendare bedeutet das zusätzlich die regelmäßige Teilnahme an Gerichtsterminen, aus der sie examensrelevante Erfahrungen ziehen können.

Der Referendar ist König

Anders als bei Kanzleien sucht man vergleichbare Programme in den Rechtsabteilungen deutscher Unternehmen vergeblich. Obwohl auch sie Referendare in größerem Stil aufnehmen, haben sie es nicht nötig, mit solchen Zusatzangeboten Marketing bei Bewerbern zu betreiben. Die großen und international ausgerichteten Kanzleien drückt der Schuh bei der Nachwuchsgewinnung immens – auch deswegen überbieten sie sich beim Thema Examensvorbereitung.

Ihre Angebote sind aber nicht nur umfangreich, sondern auch teuer und organisationsintensiv. Laut der azur-Recherche sind die Kurse stets kostenfrei für alle Teilnehmer. In der Regel unterscheiden die Kanzleien dabei nicht, ob ein Referendar gerade in der Anwalts- oder Wahlstation oder aber als wissenschaft­licher Mitarbeiter nebenher für sie arbeitet. Einige laden zu den Schulungen auch ehemalige Referendare ein, von denen sie wissen, dass ihnen die Examens­prüfung noch bevorstehen.

„Richtig viel Geld“

Die Kanzleien kommen nicht nur für die Gebühren des Repetitors auf, die aktiven Referendare erhalten sogar in den Zeiten des ­Büffelns ihre Vergütung weiter. Ziehen die Sozietäten wie Latham & Watkins in Hamburg die Referendare ­aller vier Standorte zum Kaiserseminar zusammen, entstehen zusätzliche Kosten für die An- und Abreise sowie Unterbringung, die die Kanzlei ebenfalls tragen muss.

Vergegenwärtigt man sich, dass die Großen der Branchen diese Angebot zwischen 50 und 400 Referendaren im Jahr zugutekommen lassen, ist klar, dass die Arbeitgeber hier „richtig viel Geld investieren“, wie es ein Personalmanager ausdrückt. Aber sie tragen die Kosten als „gute Investitionen ins Bewerbermarketing“ derzeit mit Fassung.

Wer in den Genuss dieser Förderung kommt, ist frei, aus ihnen zu wählen. Einen verbindlichen Lernkanon schreibt keine Kanzlei ihren Referendaren vor. Die Wünsche der potenziellen Bewerber gehen vor, sie können die Angebote nach ihrer Fasson in ihr privates Vorbereitungsprogramm integrieren. Einig sind sich die Personaler allerdings, dass keines der Programme die komplette Vorbereitung ersetzt.

Der eine oder andere Referendar wird sich bei Allen & Overy ein komplettes Repetitorium finanzieren lassen können. Auch das Programm von Clifford Chance ist geeignet, ein privat finanziertes Repetitorium zu ersetzen. Aber auch wenn das Angebot der Kanzlei als das kompletteste am Markt gilt, rät die verantwortliche Personalmanagerin, Annette Maaßen, sich nicht alleine auf dieses in der Vorbereitung auf das Assessorexamen zu verlassen. „Das Eigenstudium oder Lernen in Lerngruppen ersetzt unser Programm nicht.“

Auch würden die meisten Referendare mehr Probeklausuren schreiben, als der Klausurkurs der Kanzlei ermöglicht, so Maaßen. Im Grunde verstehen alle Sozietäten ihr Förderung als hilfreiche Zusatzförderung, den Löwenanteil der Vorbereitung auf das Assessorexamen müssen die Referendare selbst stemmen.

Engagement kommt an

Unabhängig, ob als Voll- oder Teilförderung konzipiert, kommt das Engagement beim Nachwuchs an. Die eine oder andere Kanzlei fühlt sich inzwischen sogar von der Entwicklung überrollt. „Als wir unser Programm an den ersten beiden Standorten eingeführt hatten, liefen die Referendare der anderen Büros Sturm. Sie wollten unbedingt auch teilnehmen“, berichtet ein Personalmanager. Ab dem nächsten Jahr kommen alle Referendare der Sozietät in den Genuss des Programms.

Nach der Devise „was die Referendare glücklich macht, macht uns auch glücklich“, wie es ­eine Personalmanagerin ausdrückt, gehen die Kanzleien auf die Wünsche der Referendare ein. Selbstlos fördern die Arbeitgeber den Nachwuchs allerdings nicht. Denn am Ende müssen ihre Personalabteilungen Berufseinsteiger in ausreichend hoher Zahl für sich als Arbeitgeber begeistern. Organisationsaufwand und hohe Kosten der Programme treten demgegenüber vorerst in den Hintergrund.

Kritik hinter vorgehaltener Hand

Aber die Examensvorbereitung ist bei manchen Anwälten und Personalern umstritten. Hinter vorgehaltener Hand kritisieren einige Personalverantwortliche den steigenden Druck der Bewerber. „Das Interesse ist sehr groß“, berichtet einer. Und mit einigem Unbe­hagen fügt er hinzu, dass die Referendare in aller Regel bereit seien, die Mitarbeit an einem interessanten Mandat zu opfern, um unbedingt an einem Examenskurs teilzunehmen.

Damit aber trete das eigentliche Ausbildungsziel der Anwaltsstation, einen umfassenden Einblick in die Arbeit einer Wirtschaftskanzlei und ihrer Anwälte zu geben, zeitweise in den Hintergrund. Dieses Ziel sehen nicht nur die Ausbildungsordnungen vor. Eine intensive Ausbildung im Referendariat verkürzt später die Lernphase als Berufseinsteiger. Indem die Referendare die Abläufe und Arbeitsweisen einer Sozietät früh kennenlernten, erleichtere sich ­später der schnelle Einstieg in die anwaltliche Arbeit, so der Personalmanager:  „Das Geld und die Zeit, die die Examenskurse kostet, können wir sinnvoller investieren.“

Förderung für die ohnehin schon Guten

Andere wiederum bemängeln, dass die Arbeit­geber mit ihren hauseigenen Repetitorien und Klausurkursen vor allem Referendare finanzieren, die das Examen ohnehin erfolgreich bestehen würden. Aber solange diese Programme ein Erfolgsmodell im Bewerbermarketing darstellen, werden die Wirtschaftskanzleien weiter um die Wette rennen.

Allerdings wird man dabei ein Gefühl nicht los: Sollte sich der Bewerbermarkt einmal wieder zu Gunsten der Arbeitgeber oder das wirtschaftliche Umfeld der Kanzleien ins Negative drehen, könnten diese Programme teilweise dem Sparzwang zum Opfer fallen. Aber so ganz sind kanzleifinanzierte Examenskurse nicht mehr aus der Welt wegzudenken. —

 

Auf einen Blick: Diese Kanzleien fördern die Examensvorbereitung mit speziellen Kursen.

Auf einen Blick: Diese Kanzleien fördern die Examensvorbereitung mit speziellen Kursen.