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22.05.2014 | Autor/in: Désirée Balthasar
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Viel Politik, wenig Jura

AZ01/14

Viel Politik, wenig Jura: Ein Beitrag aus azur 1/2014.

Internationale Organisationen sind reizvolle Arbeitgeber und ihre Einsteiger­programme hart umkämpft. Wer bei Vereinten Nationen, Weltbank und OECD den Fuß in die Tür stellen will, braucht Glück, Exzellenz und vor allem Ausdauer. Von Désirée Balthasar (aus azur 1/2014)

Vereinigte Staaten von Amerika, New York ­City, Manhattan, Turtle Bay: Am Ufer des East ­River steht das schmale, gläserne Hochhaus des Hauptquartiers der Vereinten Nationen (UN). Geschmückt mit den 193 Fahnen ihrer Mitgliedsstaaten, gegründet für die Völkerverstän­digung. „Mir war ziemlich schnell klar, nicht den ­klassischen Juristenweg einschlagen zu wollen“, sagt Daniela Karrenstein (35), die seit drei Jahren im UN-Hauptquartier arbeitet.

Sie interessierte sich früh für Sprachen, während ihres Jura­studiums in Trier kamen internationale Politik und Entwicklung dazu. Heute steht auf ihrer Visitenkarte „Political Affairs Officer, Security Council Subsidiary Organs Branch, Security Council Affairs Division, ­Department of Political ­Affairs“. Zu Deutsch: Referentin für politische Angelegenheiten, UN-Sicherheitsrat, Abteilung Sanktionen. Spezialgebiet Libyen.

Waffenembargos, Reiseverbote und eingefrorenes Geld

Karrenstein_Daniela

Traumjob Vereinte Nationen: Daniela Karrenstein arbeitet als Referentin für politische Angelegenheiten bei der UN und will hier dauerhaft bleiben.

Das Sekretariat unterstützt gemeinsam mit einer Handvoll Experten den Sanktionsausschuss bei seiner Arbeit. Dieser besteht aus 15 Mitgliedsstaaten des ­Sicherheitsrates und kontrolliert die UN-Sanktionen gegen das ehemalige Gaddafi-Regime. „Die Experten sind die Augen und Ohren des Ausschusses und gehen Verstößen nach. Konkret geht es um Waffenembargos, Reiseverbote und das Einfrieren von Geldern“, beschreibt Karrenstein ihren Job. Manchmal hilft auch die deutsche Juristenausbildung: „Wenn die Experten zum Beispiel Fälle aufbereiten, können wir bei Fragen der ­Beweisdichte oder Namensnennungen helfen. Oder auch bei der Auslegung der Resolutionen des ­Sicherheitsrats.“

Der Job in einer internationalen Organisation ist immer hochpolitisch. Neben den vielen UN-Sonder­organisationen – wie dem Kinderhilfswerk UNICEF, der internationalen Arbeitsorganisation (ILO) oder der Weltgesundheitsorganisation (WHO) – agieren zahl­reiche weitere Institutionen, um die Interessen ihrer Mitgliedsstaaten auf globaler Ebene durchzusetzen. Seien es der freie Handel, wie bei der Welthandels­organisation (WTO), oder die wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bei der OECD.

Viele Wege für den Einstieg

Über 7.000 Deutsche arbeiten weltweit in inter­natio­nalen Organisationen. Juristen, die hier eine ­Karriere anstreben, können sich ihrem potenziellen ­Arbeitgeber auf verschiedenen Wegen nähern: thematisch, geographisch oder institutionell. Beispielsweise empfiehlt sich das World Food Programme mit Sitz in Rom für diejenigen, die sich für Ernährungssicherheit interessieren (Welche Organisation passt zu mir?). Wenn aber eine bestimmte Institution das Ziel ist, dann bieten Praktika, Kurzzeitverträge oder Traineeprogramme eine Chance für den Einstieg.

Karrenstein erreichte New York über ein solches Einsteigerprogramm. Sie begann als Junior Professional Officer (JPO), zu Deutsch Beigeordnete Sachverständige, bei der UN. Das JPO-Programm sieht einen zweijährigen Einsatz in einer internationalen Organisation vor, gefördert von der Bundesregierung ­(Interview „Die Anforderungen sind extrem“). Diese verfolgt so das Ziel, den Einfluss Deutschlands inter­national zu vergrößern. Und schafft damit die Chance für Absolventen, einen Fuß bei einer internationalen Organisation in die Tür zu bekommen. Viele spätere Führungskräfte starteten mithilfe des JPO-Programms die Karriere. Darauf hofft auch die 35-Jährige: „Ich möchte unbedingt bei den Vereinten Nationen bleiben.“

Die deutsche Juristin bereitete sich früh auf ihr Ziel vor. Sie spezialisierte sich auf das Europa- und Völkerrecht, neben einer Zusatzausbildung im französischen Recht. Während ihres Referendariats verbrachte ­Karrenstein ihre Wahlstation bei der Ständigen Vertretung der UN in Genf. Später promovierte sie zum ­Thema Menschen- und Völkerrecht und arbeitete sechs Monate im Völkerrechtsreferat des Auswärtigen Amtes. Währenddessen bewarb sie sich immer wieder auf Stellen der UN, lange Zeit erfolglos, bis sie auf das JPO-Programm stieß. Sie bekam ihre Chance.

 Unbezahlte Praktika zum Anfang

Schon vor dem Ende der Studienzeit können Interessierte mit einem Praktikum bei einer internationalen Organisation reinschnuppern. Weltweit bieten staat­liche und Nichtregierungsorganisationen (NGOs) Praktika an, meist unbezahlt. NGOs eignen sich aber hervorragend für den Blick in die Praxis und können später im Job von Vorteil sein. Denn Berufserfahrung zählt, vor allem solche im Ausland. Ohne fällt der Einstieg schwer. Absolventen können alternativ an anderen Traineeprogrammen teilnehmen, wie dem Young Professional Programme der UN. Oder sie gehen als Stipendiaten einer Stiftung ins Ausland, etwa mit dem Mercator-Kolleg für internationale Aufgaben.

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Von Inhalten getrieben: Anna Caroline Müller fand über die Spezialisierung im Gewerblichen Rechtschutz zur WTO in Genf.

Aber es geht auch anders: Einige schaffen den Einstieg durch Direktbewerbungen und Kurzzeitverträge. So auch Anna Caroline Müller (33). Ihr Objekt der Begierde war die Welthandelsorganisation (WTO): „Ich wäre auch zur World Intellectual Property Organisations – kurz WIPO – gegangen, meine Präferenz war aber eindeutig die WTO.“ Der Arbeitsplatz von Anna Caroline Müller ist die Abteilung für Gewerblichen Rechtsschutz der WTO.

Villa am Genfer See

Schweiz, Genf, Rue de Lausanne, Centre William Rappard: An der Südwestspitze des Genfer Sees gelegen, ist eine prachtvolle Villa seit Mitte der 1990er das Hauptquartier der WTO. „Die Schnittstelle zwischen internationalen Beziehungen und IP interessierte mich besonders. Und die WTO habe ich als tollen Arbeit­geber kennengelernt, als ich hier Praktikantin war.“

Müller ging es bei ihrer Jobsuche nicht um eine Anstellung in einer internationalen Organisation an sich, sondern um die Inhalte. „Schon in der Schule fand ich das Thema Biotechnologie sehr spannend. Im Studium war es dann das Patentrecht“, erzählt Müller. „In meinem Job wollte ich Wissenschaft und Technik mit der rechtlichen Seite kombinieren.“ Also absolvierte sie ein Masterstudium zum Gewerblichen Rechtsschutz und nahm an einer Summer School der WIPO teil.

Netzwerk mit guten Kontakten

Und sie nutzte ihre Kontakte: „Ich suchte mir die Professoren aus, die gute Verbindungen hatten“, so Müller. „Veranstaltungsreihen eignen sich sehr gut dafür, sein Netzwerk zu erweitern. Ich habe gezielt Vortragende angesprochen, zu deren Themen meine Qualifikation passte, und sie gefragt, ob sie von einem freien Praktikumsplatz wüssten.“

Netzwerken erweist sich so bei der Jobsuche in der Szene als sehr nützlich. Auch im Job gibt es dazu reichlich Möglichkeiten, ­beispielsweise in einem Mentoring-Programm des ­Verbands Deutscher Bediensteter bei Internationalen Organisationen (VDBIO). Der VDBIO ist ein nützliches Netzwerk, vor allem für Berufsanfänger.

Aus dem Nichts in eine internationale Organisation einzusteigen, ist dagegen schwierig. „Ich würde jedem raten, interessante Nebenfächer zu belegen, um sich ein ‚Profil‘ zu erarbeiten. Außerdem sollte man ins ­Ausland gehen, um Sprachen zu lernen“, rät Müller. Sie habe beides vereint und beispielsweise ihren BGB-Schein in Genf gemacht. So lernte sie den Standort kennen und knüpfte erste Kontakte.

Den Kontakt bei der WTO verschaffte ihr schließlich ein Professor der Universität in Genf, als sie 2007 dort ein Masterstudium der Internationalen Beziehungen absolvierte. Zuvor hatte sie ihren Master im Gewerb­lichen Rechtsschutz an der Universität Düsseldorf gemacht. Als Praktikantin kam sie erstmals in die Abteilung, in der sie jetzt als Referentin arbeitet. Es folgte ein Kurzzeitvertrag, den internationale Organisationen gerne einsetzen, um Engpässe auszugleichen.

Ausdauer und starke Nerven 

Solche Kurzzeitvakanzen entstehen, wenn sich der Bewerbungsprozess für eine freie Stelle über lange Zeit hinzieht. Nicht selten vergehen etliche Monate, bis der passende Mitarbeiter gefunden ist. In der Zwischenzeit werden Kurzzeitverträge vergeben – eine ideale Chance für Berufseinsteiger und ehemalige Praktikanten, Erfahrung zu sammeln und sich zu empfehlen. Nur selten folgt danach jedoch die Festanstellung.

Für das Einstellungsprozedere in einer internationalen Organisation brauchen Bewerber starke Nerven. Müllers Auswahlverfahren zog sich über ein Jahr hin. Denn auf eine Stelle bei der WTO kommen drei- bis fünfhundert Bewerbungen. Die Verfahren aller Organisationen haben einiges gemeinsam: Sie sind lang­wierig, aufwendig und die Konkurrenz ist groß.

Ausführliche Unterlagen für die Bewerbung

Für die erste Bewerbungsrunde reichen die Kandidaten stapelweise Papier ein: Lebensläufe, Motivationsschreiben, Zeugnisse, Referenzen, Arbeitsproben, oft in mehrere Sprachen übersetzt. Darauf folgen persönliche Auswahlgespräche, in denen fachliches Wissen abgefragt wird. Sie finden häufig gleichzeitig auf Englisch, Französisch und Deutsch statt. Dort treffen Bewerber zuweilen auf ihre Konkurrenten und müssen sich in Gruppendiskussionen behaupten.

„Am Tag des Vorstellungsgesprächs war die Anspannung besonders hoch“, erinnert sich Leonard Hess­ling (30). Der Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) durchlief für ein Praktikum ein intensives Bewerbungsverfahren. „Die Atmosphäre war äußerst kompetitiv, und keiner wusste an dem Tag, wo er steht.“ Hessling setzte sich in der Gruppendiskussion gegen seine Konkurrentin durch. Der Lohn für Anspannung und strapazierte Nerven war der eigene Schreibtisch in Kairo.

Ägypten, Kairo, Bulaq, World Trade Center: Das Landesbüro der Weltbank befindet sich in einem hellbraunen Hochhaus am östlichen Nilufer. Das Land war von Anfang an Hesslings Ziel. „Ägypten ist vor allem wegen seiner geostrategischen Lage so spannend“, erklärt er. „Kulturell, politisch und wirtschaftlich ist es ein wichtiger Knotenpunkt zwischen Europa, Afrika und dem Nahen Osten.“

Schon während seines Jurastudiums in München und Paris spezialisierte sich Hessling auf Menschenrechte und Entwicklungspolitik. Es folgten Praktika bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und bei einer NGO in Berlin zum Thema Wasser. Schließlich schrieb Hessling die Abschlussarbeit seines Masterstudiums über das Thema Menschenrecht auf Wasser in Ägypten.

Carlo-Schmid-Programm für Auslandspraktika

Heute nimmt er am Carlo-Schmid-Programm (CSP) teil, mit dem der DAAD Praktikanten für einige Monate ins Ausland schickt. Auch damit will die Bundesrepublik ihre ­Präsenz in internationalen Organisationen stärken. Studenten und Graduierte bewerben sich entweder direkt auf Stellen, die über den DAAD ausgeschrieben werden, oder für eine finanzielle Förderung, wenn sie sich eigenständig einen Praktikumsplatz suchen. Die CSP-Teilnehmer bekommen ein monat­liches Stipendium, je nach Qualifikation ab 650 oder 1.000 Euro, und besuchen Veranstaltungen des Alumni-Vereins.

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Wunschziel Ägypten: Schon früh spezialisierte sich Leonard Hessling auf das Land am Nil und das ­Menschenrecht auf Wasser. Heute arbeitet er für die Weltbank in Kairo.

„Mir war schon früh klar, dass ich kein klassischer Anwalt werden wollte. Deshalb habe ich auch kein zweites Staatsexamen gemacht“, so Hessling. In einer sogenannten Country Management Unit bereitet er mit seinen Kollegen von der Weltbank ein Strategiepapier vor, welches die Förderprogramme und Entwicklungsziele der Region für die nächsten vier Jahre formuliert. „Dafür befragen wir Ministerien, Think Tanks, Professoren und Vertreter der Zivilgesellschaft im ganzen Land“, erzählt Hessling.

Treffen mit dem Vizepremier

So traf sein Team bereits den Vizepremierminister bei einem solchen Verhandlungstreffen. Dessen Büro präsentierte sich ihnen holzgetäfelt, ausgelegt mit arabischen Teppichen, möbliert mit einer Ledercouchgarnitur und einem ­riesigen Schreibtisch. „Wir saßen dort und tranken Tee“, erzählt Hessling. Er musste vor dem Treffen die nötigen Informationen zusammenstellen, während des Gesprächs Notizen machen und anschließend für die weiteren Prozesse aufbereiten.

Aufregend gestaltet sich auch das tägliche Leben in der Hauptstadt. „Kairo ist ein Riesenmonster. Wunderschön, aber auch sehr hart“, beschreibt Hessling sein jetziges Leben. Die 20 Millionen Einwohner der Stadt kämpfen sich seit drei Jahren durch eine politische Umwälzung nach der anderen Der Arabische Frühling wirkt sich auch direkt auf die Mitarbeiter ausländischer Organisationen aus, von denen es reichlich in Kairo gibt. „Oft durfte ich wegen der Demonstrationen überhaupt nicht ins Büro fahren. Dann war Homeoffice angesagt“, erzählt Hessling. „Und bei einigen Anschlägen hörte ich die Explosionen bis in meine Wohnung.“

Die ganze Welt an einem Ort

Die Frage, wie man sich perfekt auf einen Auslands­aufenthalt vorbereitet, ist schwer zu beantworten. ­Üblicherweise muss man nicht mit Maschinengewehren oder Bomben rechnen. Und doch birgt der Alltag in fremden Ländern unterschiedliche Herausforde­rungen.

Die typischen Standorte internationaler Organisationen wie New York, Washington, Brüssel, Genf und Paris zeichnen sich vor allem durch ihre Internationalität aus. In Genf etwa ist die Gemeinschaft der ausländischen Mitarbeiter – der Expats – außerordentlich groß. Denn neben den Organisationen sind dort viele multinationale Unternehmen ansässig. Das ist einerseits spannend und aufregend. Die Kehrseite zeigt sich andererseits, wenn die Mitarbeiter nach dem Ablauf ihrer Zeit­verträge wieder fortziehen. Das soziale Umfeld ­ändert sich ständig. Und wer sich ausschließlich in Expat-Kreisen bewegt, wird nur schwer heimisch. 

Welche Organisation passt zu mir?

Ein Überblick der wichtigsten internationalen ­Organisationen für Juristen – nach Rechtsgebiet sortiert.

Arbeitsrecht: ILO (Internationale Arbeitsorganisation)

Bank- und Finanzrecht: Internationale Finanzinstitute wie Weltbank, IWF (Internationaler Währungsfonds), EIB (Europäische Investitionsbank), EBWE (Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung), regionale Entwicklungsbanken (Asian Development Bank, African Development Bank, Inter-American Development Bank)

Europa- und Völkerrecht: IGH (International Court of Justice), EuGH (Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften), UNHCHR (UN-Hochkommissar für Menschenrechte); Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte

Geistiges Eigentum: EPA (Europäisches Patentamt), WIPO (Weltorganisation für geistiges Eigentum)

Internationales Strafrecht: UN-ICTY (Internationaler Strafgerichtshof für Ex-Jugoslawien), UN-ICTR (Internationaler Strafgerichtshof für Ruanda)

Wirtschafts- und Handelsrecht: OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), UNIDO (UN-Organisation für industrielle Entwicklung), WTO (Welt­handelsorganisation), ITC (International Trade Centre), UNCITRAL (UN-Kommission für internationales Handelsrecht), UNCTAD (UN-Welthandelskonferenz)

Quelle: Auswärtiges Amt

 

„Die Anforderungen sind extrem“

Ditmar Königsfeld vom Büro Führungskräfte zu Internationalen Organisationen (BFIO) in Bonn berät seit mehr als zehn Jahren Jobsuchende. Mit dem JPO-Programm fördert das BFIO jährlich rund 50 deutsche Berufseinsteiger. Das Programm richtet sich an Absolventen mit erster Berufserfahrung unter 32 Jahren und ist auf zwei Jahre angelegt. Es wird von der Bundesregierung gefördert.

 

azur: Juristen in internationalen Organisationen – ist das denn üblich?

Ditmar Königsfeld: Aufgrund ihrer umfassenden Ausbildung haben Juristen den Vorteil, in jeder Organisation abteilungsübergreifend arbeiten zu können, zum Beispiel in der Verwaltung und im Personalwesen. Oder sie setzten ihr spezifisch juristisches Wissen ein, etwa bei den Themen Menschenrechte, Völker- oder Umweltrecht.

Wie hilft das BFIO den Absolventen, die passende Stelle zu finden?

Im Auftrag der Bundesregierung wählt das BFIO jedes Jahr geeignete Kandidaten für das JPO-Programm aus. Und hier finden sich erstaunlich viele Juristen wieder. Die Interessenten bewerben sich dann bei uns, wir laden einige Kandidaten zu einem ersten Bewerbungsgespräch ein. Daraus treffen wir eine Vorauswahl von drei bis vier Bewerbern und leiten deren Unterlagen an die Organisation weiter. Diese wählt ihre Favoriten selbst, führt ein zweites Gespräch mit den Kandidaten, und entscheidet über Zu- oder Absage.

Wie sieht die generelle Bewerbersituation im internationalen Arbeitsumfeld – jenseits des JPO-Programms – aus?

Der Bereich ist sehr umkämpft und die Anforderungen extrem hoch. Denn die Konkurrenz kommt nicht nur aus dem eigenen Land, sondern aus der Bildungselite weltweit. Allein die UN besteht aus 193 Mitgliedsländern. Die Stellenausschreibungen werden weltweit veröffentlicht.

Was muss man mitbringen, um seine Chancen zu verbessern?

Die Konditionen werden von der Organisation selbst festgelegt und sind speziell auf die Stelle ausgerichtet. Allgemeine Voraussetzung ist eine abgeschlossene akademische Ausbildung mit internationaler Ausrichtung. Zudem sollte man fließend Englisch und eine weitere UN-Sprache beherrschen. Quantitative Vorgaben, etwa vier Jahre Berufserfahrung, sind nicht verhandelbar. Wer also nicht genau auf die Beschreibung passt, bei dem ist eine Bewerbung quasi aussichtslos. Aber im Gegensatz zum öffentlichen Dienst in Deutschland sind das erste Staatsexamen oder ein Diplom völlig ausreichend.

Heißt das, dass Referendare die Wahl­station in einer der Organisationen absolvieren können?

Grundsätzlich ja, allerdings nicht im Rahmen des JPO-Programms, sie bewerben sich direkt bei der Organisation. Die Referendare können ihre Wahlstation frei wählen, sollten aber vorher unbedingt mit dem zuständigen ­Landesjustizprüfungsamt klären, ob die Station anerkannt wird. Und dann können sie das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden: die juristische Ausbildung vollenden und internationale Berufserfahrung sammeln.

Das Gespräch führte Désirée Balthasar.