Magazin-Artikel
16.12.2021 | Autor/in: Antje Neumann

Teamwork mit Technologie: Max Klasse im Porträt

Ob im Homeoffice, beim Homeschooling oder im Büro: Max Klasse, Mitgründer der Kanzlei Blomstein, weiß digitale Hilfsmittel geschickt einzusetzen.

Für Dr. Max Klasse (46) gehört Technologie zum Alltag. Vor der Corona-Pandemie hätte man damit vor allem etwas über die Arbeit des Beihilferechts-Experten ausgesagt – im Frühjahr 2021 gilt dieser Satz auch privat. Wie so viele arbeitet der Berliner Anwalt seit Monaten vorwiegend im Homeoffice. Während des Interviews über seine Arbeit kümmert er sich zwei Mal um Anfragen seiner Kinder. Routiniert und unaufgeregt bewegt er sich zwischen Grundschulinhalten und technischer Hilfe auf der einen und dem Job auf der anderen Seite.

Seit 15 Jahren arbeitet er schon als Anwalt, doch erst seit fünf Jahren in der eigenen Kanzlei. Im April 2016 wagte er zusammen mit ein paar Kollegen den Absprung aus dem renommierten Berliner Büro von Freshfields Bruckhaus Deringer. Dort hatte er schon als Referendar an zwei Tagen pro Woche gejobbt. Vor allem Recher­chearbeiten hätten damals zu seinen Aufgaben gezählt, erinnert er sich. „Als sich die Gelegenheit bot, stärker ins Beihilferecht zu gehen, habe ich sie gerne ergriffen. Aber ich weiß auch, dass das andere nicht so interessierte, weil das Beihilferecht damals im Ruf stand, da sei wenig Jura gefragt. Man muss beides mögen: die öffentlich-rechtliche Prägung und zugleich die wirtschaftliche Betrachtung von Sachverhalten. Das fand ich gerade interessant.“

Ein großer und richtiger Schritt.

Heute ist Klasse auf Kartell- und Beihilferecht spezialisiert. Beides bildet zusammen mit dem Vergabe- und Außenwirtschaftsrecht das Beratungsspektrum der Kanzlei, die sich nach langen Besprechungen für den Kunstnamen Blomstein entschied. Die Gründung wurde ein Erfolg, große Mandanten wie die Immobilienentwicklungsgesellschaft CG-Gruppe, das Energieunternehmen Amprion, der Mobilfunkanbieter Vodafone und sogar Facebook haben schon mit der Kanzlei zusammengearbeitet. Auch in die Berliner Start-up-Szene pflegt das Team viele Verbindungen.

„Es war ein großer, aber auch richtiger Schritt. Das Glück war, dass wir uns als gutes Team gefunden hatten und uns zusammen selbstständig machten.“ Alle hatten zuvor bei Freshfields mehrere Jahre in der gleichen Praxisgruppe als Angestellte gearbeitet. Die Startbedingungen waren dadurch solide. Doch jetzt, in der eigenen Kanzlei, kamen die Freiheiten und Herausforderungen der Selbstständigkeit auf sie zu. Nicht nur bei der Namenswahl, auch bei der Gestaltung des Kanzleialltags wollten die Kanzleigründer neue Wege gehen. „Wir waren anfangs zu neunt, das ist nicht riesig, aber wir haben versucht, Prozesse effizient aufzusetzen und haben für vieles auf Technologie gesetzt.“

Mandate sind strukturierte Prozesse.

Für die Abrechnung von Beratungshonoraren benutzen die Anwälte zum Beispiel eine App auf ihren Handys. Mit ihrem IT-Dienstleister haben sie ein Tool entwickelt, das etwa zentrale Fälle von den Webseiten des Bundeskartellamts oder der Europäischen Kommission in kanzleieigene Datenbanken ableitet und besser durchsuchbar macht. Bei der Arbeit an gemeinsamen Mandaten ist die kollaborative Software Slack im Einsatz. „Wir setzen damit Prozesse strukturiert auf, jeder aus dem Team kann erkennen, wo die verschiedenen anfallenden Aufgaben gerade stehen.“ Statt E-Mail-Verkehr gibt es Chats, in denen Fragen geklärt werden.

Als Besonderheit will Klasse das dennoch eigentlich gar nicht mehr gelten lassen. Seit einem Jahr werde ja überall vermehrt mit Teams, Zoom, Webex und anderen Instrumenten gearbeitet. „Die Entwicklung ist da noch mal weitergegangen. Ganz toll finde ich, wie nun auch über Office-Produkte das Arbeiten im Team an demselben Dokument möglich ist.“

Für das digitale Arbeiten in der Pandemie war Blomstein gut vorbereitet. Doch zum Anwaltsein zählt für Klasse mehr, als sich von einer Akte zur nächsten durchzuarbeiten, sich von einer Videokonferenz zur nächsten zu klicken. „Ich bin weit davon entfernt, mich zu beklagen. Andere Berufsgruppen sind viel stärker betroffen. Aber ich merke so langsam, dass mir im Alltag doch einiges fehlt. Ich genieße es, bei Terminen unterwegs zu sein. Das ist einfach anregend.“ Da geht es ihm wie vielen.