azur100
06.03.2020 | Autor/in: Anika Verfürth
Themen in diesem Artikel:

Taylor Wessing – Top-Arbeitgeber – Platz 14

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Spannende und herausfordernde Mandate“

„Lockere und dennoch professionelle Arbeitsweise“

„Flexible Arbeitszeitgestaltung zur Vereinbarkeit mit privaten Terminen“

„Das Gehalt kann die Arbeitsbelastung nicht auffangen“

„Arbeitswelt von vorgestern“

„Persönliche Förderung stark abhängig vom einzelnen Partner“

„Spannende Mandate und gute Fokussierung in Zukunftsfeldern“

„Freundliche und nette Mitarbeiter, angenehmes Betriebsklima“

„Kanzlei mit etwas Bürogemeinschaftscharakter“

▪ Kooperation mit Kaiser-Seminare und Jura Intensiv

▪ Strukturiertes Referendar- und Praktikantenprogramm; Kontaktpflege über Alumni-Netzwerk

▪ Teilnahme an internen Fortbildungen möglich

▪ Zwei Karrierewege, einerseits zum Experten, andererseits zum Unternehmer

▪ Feste Mentoren aus der Partnerschaft, deren Ausbildungsleistung sich auf ihre Vergütung auswirkt

▪ Intensive Betreuung auf dem Weg zur Partnerschaft und Entwicklung der Marktpositionierung

keine herausragenden Angebote

Über den Arbeitgeber

Finde deinen Weg als Anwalt. In den ersten Berufsjahren gilt es für Associates bei Taylor Wessing herauszufinden, welches ihr künftiges Fachgebiet sein wird und ob sie eine klassische Partner- oder eine Expertenkarriere anstreben. Dafür steht ihnen ab Tag eins ein Mentor zur Seite. So kann etwa jeder Associate Zeit in einer anderen Praxisgruppe verbringen. Ab dem vierten Jahr startet das gezielte Entwicklungsprogramm, um einen eigenen Business Case zu erarbeiten. Um auch das internationale Geschäft angehender Partner zu fördern, hat TW den Austausch der Associates mit den englischen Büros der Kanzlei gestärkt und gezielte Trainings, etwa zum Managen auch von internationalen Mandatsbeziehungen, eingeführt. Insgesamt zeigen sich TW-Associates in der azur-Umfrage sehr zufrieden, einer fasst zusammen: „Mein Einstieg bei Taylor Wessing war die richtige Entscheidung.“

Weiterbildung bekommt mehr Struktur. In der azur-Associate-Umfrage bewerten TW-Teilnehmer ihr Weiterbildungsangebot zwar insgesamt gut, im Marktvergleich allerdings knapp unter dem Durchschnitt. Ihr internes Seminarangebot zu fachlicher Weiterbildung hat die Kanzlei zuletzt um umfangreiche Soft-Skills-Trainings erweitert und so zum Angebot ihrer Wettbewerber aufgeschlossen. Das kommt gut an, zahlreiche Stimmen loben in der azur-Umfrage die „bessere Struktur der Weiterbildung“ sowie die „Ausdehnung des Angebots“. Darüber hinaus können Associates externe Weiterbildungen besuchen, was in der Umfrage zwiespältig gesehen wird. Ein Associate lobt das „feste Budget für externe Fortbildungen“. Andere Teilnehmer der azur-Umfrage fordern „eine Übersicht über Fortbildungsprogramme und eine klare Ansage, dass Weiterbildungsangebote wahrzunehmen sind und nicht nur in Absprache mit Partnern“.

Sag deine Meinung. Wer bei TW arbeitet, kann schon früh mitgestalten. Zuletzt haben die Associates einen eigenen Rat gegründet, der ihre Interessen vertritt. Auch bei Themen wie Legal Tech bilden sich lokale Initiativen, die fachbereichsübergreifend Ideen und Projekte, etwa Tests neuer Software, umsetzen. Regelmäßige Videokonferenzen über alle deutschen Standorte bieten Raum für Vorträge rund um den Einsatz von Legal Tech. Für Referendare und Praktikanten gibt es jeweils ein strukturiertes Programm, vom Einstiegs- bis zum Abschlussgespräch, mit einem persönlichen Mentor. Sie dürfen an den internen Angeboten für Associates teilnehmen. Ehemalige Referendare vergeben in der azur-Bewerberumfrage vielfach Lob. Allerdings bemängeln einige auch „hängt stark vom Engagement des jeweiligen Mentors ab“ und „leider hatte meiner aufgrund sehr starker Arbeitsbelastung nur begrenzt für mich Zeit“.

Work-Life-Balance? Deine Sache. Zwar arbeiten TW-Associates laut azur-Umfrage mit 53 Wochenstunden genau so lange wie der Marktdurchschnitt, dennoch ist die Zufriedenheit mit der Arbeitsbelastung und die Work-Life-Balance laut azur-Umfrage noch verbesserungsfähig. Einige Associates wünschen sich, dass „die Partner eine für unseren Beruf gute Work-Life-Balance vorleben und Verständnis für das Privatleben ihrer Associates zeigen“ und eine „Einschränkung der Wochenendarbeit nicht nur auf dem Papier“. Obwohl laut Kanzlei sogar 14 Vollpartner in Teilzeit arbeiten, lassen die Rückmeldungen in der azur-Umfrage erkennen, dass noch keine flächendeckende Akzeptanz vorherrscht. Ein TW-Teilnehmer fasst zusammen: „Man muss die Work-Life-Balance selbst in die Hand nehmen, auch wenn es schräg beäugt wird.“

Über Geld spricht man doch. Zwar liegt das Einstiegsgehalt von 100.000 Euro im Vergleich zu anderen Kanzleien ähnlicher Größe nicht gerade an der Spitze des Marktes – entsprechend unzufrieden zeigen sich die Associates in der azur-Umfrage auch mit ihrem Salär. Doch die Kanzlei legt besonderen Wert auf Transparenz bei der Bezahlung. Vor rund einem Jahr startete sie ein Bonussystem, das detailliert und transparent auf Stunden und Umsätzen basiert. Die Teilnehmer der azur-Umfrage freuen sich vielfach über die Transparenz und die Erhöhung des Bonus, vereinzelt wird aber kritisiert, dass dieser Bonus nicht zu erreichen sei. Laut Kanzlei führt das neue System jedoch unter normalen Umständen zu einer Bonuszahlung für jeden, auch der Maximalbonus wurde im ersten Durchlauf bereits mehrfach ausgezahlt.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 35 bis 50

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 3 bis 5

Referendarplätze 2020: 80         

Praktikumsplätze 2020: 60

Taylor Wessing verfolgt den Ansatz ‚zwei aus fünf‘, sprich: Ein Bewerber sollte im Idealfall zwei Qualifikationen aus fünf erfüllen. Neben zwei Prädikatsexamina, dem LL.M.-Titel oder einer Promotion kann das auch ‚hat sich bewährt‘ sein. Hier möchte die Kanzlei vor allem jungen Anwälten, die durch eine Ausbildungsstation bereits positiv bei TW aufgefallen sind, eine Chance geben. In der Regel sollte aber mindestens ein Prädikatsexamen dabei sein. Beim Erstgespräch lernt der Bewerber den suchenden Partner und den HR-Partner des Standorts kennen. Darauf folgt ein Zweitgespräch, bei dem der Kandidat auf das Team trifft. Beide Gespräche können wahlweise auch im Rahmen eines Mittagessens stattfinden.

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Internationale Präsenz: Taylor Wessing hat mehrere europäische Büros und ist weltweit unter anderem in Dubai, Schanghai und Singapur vertreten. Repräsentanzbüros hat sie in New York City und Palo Alto.

Anwälte in Deutschland: 120 Vollpartner, 91 Non-Equity-Partner, 163 Associates und 11 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 30,1%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 2 (2 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018: 162,9 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 446.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Zuletzt baute die Kanzlei insbesondere ihren Frankfurter Standort mit zahlreichen Quereinsteigern aus, um dem Wettbewerb am Finanzplatz gerecht zu werden. Insgesamt konzentriert sich TW auf die Bereiche Technologie und Medien, Energie, Private Wealth und Lifescience. Um auch in den USA besser Fuß zu fassen – hier hat sie bislang zwei eigene Repräsentanzbüros an der Westküste –, hat die Kanzlei im Frühjahr 2019 eine Kooperation mit der US-Kanzlei Wilson Sonsini Goodrich & Rosati geschlossen. Gemeinsam wollen die beiden im Technologiebereich das Transaktionsgeschäft im US-Markt sowie umgekehrt für die US-Kanzlei in Deutschland weiter ausbauen.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 850 bis 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 950 bis 1.100 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 850 bis 1.000 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:
1. Jahr: 100.000 Euro plus Bonus bis 52.500 Euro
2. Jahr: 100.000 Euro plus Bonus bis 52.500 Euro
3. Jahr: 110.000 Euro plus Bonus bis 52.500 Euro
4. Jahr: 120.000 Euro plus Bonus bis 52.500 Euro
5. Jahr: 125.000 Euro plus Bonus bis 52.500 Euro
6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 45.000 bis 60.000 Euro plus Bonus

Die Kanzlei setzt auf ein dreistufiges Karrieresystem, bestehend aus Vollpartnern, Salary-Partnern und Associates. Nach drei Jahren steigen Anwälte zum Senior Associate auf und nehmen an einem Partnerentwicklungsprogramm teil. Das kann zu zwei unterschiedlichen Karrierewegen führen: dem Unternehmer- und dem Expertentrack. Nur Ersterer führt in die Vollpartnerschaft, die Experten dagegen sind dauerhaft angestellt. Wann ein Kandidat die Vollpartnerschaft erreicht, hängt vom Einzelfall ab. Die Salary-Partnerschaft ist jedoch in beide Richtungen durchlässig: Experten können zu Unternehmern werden und umgekehrt. In der azur-Umfrage bewerten die Taylor Wessing-Anwälte ihre Chancen auf den Vollpartnerstatus genauso gut wie der Marktdurchschnitt, ähnlich zufrieden sind sie mit den Karrierealternativen abseits der Partnerschaft. Sie fühlen sich auf dem Weg nach oben gut gefördert, einer betont: „Es gibt keine lange Phase in der zweiten Reihe.“ Taylor Wessing ernennt regelmäßig neue Partner, 2019 waren es neun Vollpartner und acht Non-Equity-Partner.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


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