azur100
04.03.2021 | Autor/in: Anika Verfürth
Themen in diesem Artikel:

Taylor Wessing – Top-Arbeitgeber – Platz 48

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Vielfältiges Angebot von Seminaren“

„Entspannte Arbeitsatmosphäre, junge Anwaltschaft“

„Sehr viele Freiräume, sich als Anwalt zu entfalten“

Kritik von den eigenen Associates

„Die Entlassung aller wissenschaftlichen Mitarbeiter war eine Katastrophe, insbesondere für alle Kollegen, die sich für Nachwuchsgewinnung einsetzen“

„Profitgier hat Arbeitsklima in Mitleidenschaft gezogen“

„Teils chaotische Verhältnisse, Kommunikation stark verbesserungswürdig“

Was externe Juristen über TW sagen

„Großer Zusammenhalt unter den Associates, sehr kreative Arbeit“

„Reputationsverlust durch sehr unglücklichen Umgang mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern in der Corona-Krise“

„Personalpolitik in Corona-Krise war ein absolutes No-Go“

Highlights Praktikum und Referendariat

▪ Kooperation mit Kaiserseminare und Jura Intensiv

▪ Strukturiertes Referendar- und Praktikantenprogramm

▪ Digitales Onboarding-Programm

Highlights Ausbildung und Karriere

▪ Zwei Karrierewege: Experte und Unternehmer

▪ Intensive Betreuung auf dem Weg zur Partnerschaft

Highlights Diversity

keine herausragenden Angebote

Internationale Kanzlei mit Tech-Fokus

Rundes Gesamtpaket für die Ausbildung. Junge Juristen erwartet bei Taylor Wessing ein strukturiertes Weiterbildungsprogramm mit internen fachlichen Seminaren sowie Soft-Skills-Trainings, regelmäßigem Feedback und der Möglichkeit, die Praxisgruppe auch mal zu wechseln. Ein Partner begleitet sie als Mentor während ihrer gesamten Laufbahn. Die Teilnehmer in der azur-Associate-Umfrage nehmen die „vielfältige Auswahl“ sowie die „zunehmende Strukturierung der Ausbildungsangebote“ wahr. Wer einen Fachanwaltstitel erwerben möchte, der wird grundsätzlich unterstützt, zahlreiche Associates loben dies und die „unkomplizierte Freigabe externer Weiterbildungen“ in der azur-Umfrage. Doch insgesamt zeigen sich TW-Anwälte weniger zufrieden mit ihrem Weiterbildungsangebot als in den Vorjahren, vereinzelt wünschen sie sich „mehr praktischen Nutzen der Angebote“.

Gute Stage abhängig vom Team. Die Stage für Referendare ist klar strukturiert, ein Mentor steht ihnen zur Seite. Neben dem Training on the Job üben sie Aktenvorträge und arbeiten an Mandaten mit. Angebote von Kaiser und Jura Intensiv sind Teil des Ausbildungspakets, was mittlerweile zum Marktstandard gehört. Praktikanten erwartet ein ähnliches Programm, auch ihnen stehen die internen Weiterbildungsangebote zur Verfügung. In der azur-Bewerberumfrage ist das Stimmungsbild gemischt. Die Arbeitsatmosphäre ist „sehr teamabhängig“ und Bewerber beobachten „viel Druck und Stress gerade gegenüber den Associates“.

Kommunikation ist das A und O. In vielen Aspekten, etwa hinsichtlich der Gesamtzufriedenheit, aber ganz besonders der Personalführung und Kommunikation zeigen sich die TW-Juristen in den azur-Umfragen besonders enttäuscht von ihrem Arbeitgeber. Im ersten Corona-Lockdown 2020 hat die Kanzlei im Krisenmodus überstürzt reagiert und mit dem Ziel, feste Arbeitsplätze zu sichern, nahezu alle wissenschaftlichen Mitarbeiter entlassen. Das hat intern wie extern viel Unverständnis hervorgerufen. Ein TW-Associate bringt es auf den Punkt: „Der Umgang mit der Corona-Krise war eine Katastrophe.“ Ein Teilnehmer der azur-Bewerberumfrage bemängelt: „Wertschätzung gleich null. Kommunikation dabei sehr, sehr schlecht!“ Das weiß inzwischen auch die Kanzlei. Das Management bemüht sich, nach diesem Debakel das Vertrauen durch umso offenere Kommunikation wiederherzustellen.

Großkanzleianwälte arbeiten viel. Die TW-Associates arbeiten laut azur-Umfrage durchschnittlich 54 Wochenstunden. Das sind rund zwei mehr als der Marktdurchschnitt, doch insgesamt sind die Anwälte mit dem Paket von Gehalt und Arbeitsbelastung einigermaßen zufrieden. „Viel Arbeit, aber trotzdem im Rahmen. Keine Wochenendarbeit“, schreibt ein Umfrageteilnehmer. Damit Hochleistung entsprechend anerkannt wird, setzt die Kanzlei auf ein zweiteiliges Bonussystem. Das kommt gut an: „Es sorgt dafür, dass leistungsfähige Associates weit über Marktdurchschnitt verdienen“, meint ein Anwalt.

Mehr Frauen in die Partnerschaft. Teilzeit ist auf allen Hierarchieebenen möglich. Mit zwölf Vollpartnern in Teilzeit gibt es Vorbilder. Es hapert allerdings an einem ansehnlichen Frauenanteil. Mit knapp 10 Prozent in der Vollpartnerschaft ist dieser ähnlich niedrig wie bei Hengeler Mueller oder Luther. Als Gewinn der Corona-Krise beobachten Umfrageteilnehmer die „breitere Akzeptanz von Homeoffice, auch anlasslos“. Nichtsdestotrotz sind sie mit der Vereinbarkeit von Karriere und Familie nicht sonderlich zufrieden, auch hier wünschen sie sich „eine einheitliche Kommunikation zu Teilzeitarbeit“.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 20 bis 35

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 2 bis 4

Referendarplätze 2021: 30              

Praktikumsplätze 2021: 60

Ein Bewerber sollte im Idealfall zwei Qualifikationen aus vier erfüllen. Neben zwei Prädikatsexamina, dem LL.M.-Titel oder einer Promotion kann das aber auch ‚hat sich bewährt‘ sein. Hier möchte die Kanzlei vor allem jungen Anwälten, die durch eine Ausbildungsstation bereits positiv bei TW aufgefallen sind, eine Chance geben. In der Regel sollte aber mindestens ein Prädikatsexamen dabei sein. Nach einem ersten Kennenlerngespräch, bei dem der bisherige Werdegang des Kandidaten sowie das Karrieresystem der Kanzlei besprochen werden, folgt ein zweites. Dabei trifft der Bewerber das Team sowie die Geschäftsführung eines Standortes. Beide Gespräche können wahlweise auch im Rahmen eines Mittagessens stattfinden. Bewerber beurteilen das Verfahren als „unkompliziert“, „freundlich“ und „schnell“.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Internationale Präsenz: Taylor Wessing hat mehrere europäische Büros und ist weltweit unter anderem in Dubai, Schanghai und Singapur vertreten. Repräsentanzbüros hat sie in New York City und Palo Alto.

Anwälte in Deutschland: 119 Vollpartner, 95 Non-Equity-Partner, 171 Associates und 12 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 32,2 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 7

davon Frauen: 4

Umsatz in Deutschland 2019: 189 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 463.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 850 bis 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 950 bis 1.100 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 850 bis max. 1.100 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:

1. Jahr: 100.000 Euro plus Bonus bis 52.500 Euro

2. Jahr: 100.000 Euro plus Bonus bis 52.500 Euro

3. Jahr: 110.000 Euro plus Bonus bis 52.500 Euro

4. Jahr: 120.000 Euro plus Bonus bis 52.500 Euro

5. Jahr: 125.000 Euro plus Bonus bis 52.500 Euro

6. Jahr: keine Angabe

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 45.000 bis 60.000 Euro plus Bonus

Karriere und Partnerschaft

Mit drei Jahren Berufserfahrung steht der Aufstieg zum Senior Associate an, zeitgleich beginnt das Partnerentwicklungsprogramm. Das kann zu zwei unterschiedlichen Karrierewegen führen: dem Unternehmer- und dem Expertentrack. Nur Ersterer führt in die Vollpartnerschaft, die Experten dagegen sind dauerhaft angestellt. Die Karrierewege sind auch zu einem späteren Zeitpunkt noch in beide Richtungen offen.

Trotz dieser variablen Möglichkeiten zeigen sich TW-Associates in der azur-Umfrage nur mittelmäßig zufrieden mit ihren Karrieremöglichkeiten abseits der Partnerschaft. Gleiches gilt für die Partnerchancen. Sie heben „die gemeinsame Entwicklung eines langfristigen Karriereplans“ sowie die „persönliche Förderung hervor“, fordern aber auch „mehr Transparenz hinsichtlich Anforderungen und Verfahren auf dem Weg zum Salary- und Vollpartner“ und „eine bessere Feedbackkultur“. Zweimal jährlich ernennt die Kanzlei Partner, zuletzt waren es fünf Vollpartner, worunter allerdings keine einzige Frau war. Häufiger steigen Salary-Partner auf, unter den sieben zum Januar 2021 ernannten waren immerhin zwei weiblich.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


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