azur100
04.03.2021 | Autor/in: Anika Verfürth
Themen in diesem Artikel:

Sullivan & Cromwell – Top-Arbeitgeber – Platz 46

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Eigenverantwortliche Arbeit an hochkarätigen Transaktionen“

„Umfangreiche Einbindung von Praktikanten und Referendaren“

„Einmaliges Umfeld, abwechslungsreich“

Kritik von den eigenen Associates

„Unklare Kommunikation über interne Perspektiven“

„Zeit für Weiterbildungsangebote wird nicht freigeräumt“

„Associates gleich behandeln und nicht nur Favoriten fördern“

Was externe Juristen über Sullivan sagen

„Kanzlei mit extremster Arbeitsbelastung im deutschen Markt; verschwindend geringe Aufstiegschancen“

„Spitzenmandate und fürstliches Gehalt, keine Aufstiegschancen“

„Absolute Marktspitze, spannende M&A-Projekte“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Mentoren binden Teilnehmer im Arbeitsalltag ein
  • Einblicke in High-End-Mandate
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Mehrmonatige Aufenthalte in Auslandsbüros möglich
  • Orientierungswoche in New York
Highlights Diversity

keine herausragenden Angebote

US-Kanzlei, die höchsten Einsatz verlangt, dafür aber ein Spitzengehalt zahlt

Berufseinstieg an der Marktspitze. Wenn Rocket Internet sich von der Börse zurückzieht oder RWE und Delivery Hero frisches Kapital brauchen, sind die Anwälte von Sullivan & Cromwell zur Stelle. Schon für Berufseinsteiger ist damit Mandatsarbeit im Spitzensegment garantiert. Kein Wunder, dass die Sullivan-Associates in der azur-Umfrage mit dem Niveau ihrer Arbeitsinhalte höchst zufrieden sind. Internationale Bezüge sind selbstverständlich und führen zu einer entsprechend guten Note. Insgesamt zeigen sich die Associates in der azur-Umfrage mit ihrem Arbeitgeber zufrieden.

Spannende Erfahrung. Auch Nachwuchsjuristen bietet Sullivan erste Einblicke in Top-Mandate. Wissenschaftlichen Mitarbeitern, Praktikanten oder Referendaren steht ein Mentor als ständiger Begleiter zur Seite. Zudem können sie an internen Veranstaltungen und Videotrainings teilnehmen. Ehemalige Praktikanten oder Referendare stellen Sullivan in der azur-Bewerberumfrage ein gutes Zeugnis aus. Einer fasst zusammen: „Bei Interesse an Transaktionen und ersten gesellschaftsrechtlichen Vorkenntnissen empfehlenswert. Es gibt nur wenige andere Kanzleien, die auch Studenten einen Einblick in Milliardendeals gewähren.“

Ausbildung, wenn denn Zeit dafür ist. Für Berufseinsteiger geht es dann direkt aufs internationale Parkett. Die Orientierungswoche bringt alle Einsteiger im New Yorker Büro zusammen und führt sie in den Anwaltsberuf ein. Zurück in Frankfurt sorgt eine im Markt übliche Mischung aus internen und externen Vorträgen, häufig fachbezogen wie etwa ein M&A-Lunch, für theoretische Weiterbildung. Bei der Wahl der externen Seminare gibt es kaum Grenzen, doch findet dies vor allem eigenverantwortlich statt, zusätzlich zur täglichen Arbeit. Associates in der azur-Umfrage waren auch deswegen zuletzt deutlich unzufriedener mit dem Weiterbildungsangebot. Ihr Wunsch: „Zeitliche Freiräume schaffen, in denen man Weiterbildungsangebote überhaupt wahrnehmen kann.“ Die paneuropäische Vernetzung fördert die Kanzlei durch ein jährliches Treffen von Anwälten aus allen europäischen Büros. Zuletzt rief Sullivan Mandanten-Webinare aus, in denen insbesondere jüngere Anwälte trotz Corona-Lockdown die Akquise auch auf digitalem Wege üben sollen.

Arbeitsmentalität: Verfügbarkeit. Bewerber sollte die hohe Arbeitsbelastung nicht überraschen. Auch Ex-Referendare merken an: „Man spürt, dass die Anwälte unter sehr hohem Druck arbeiten.“ Die Noten, die die Associates  für Work-Life-Balance, Vereinbarkeit von Karriere und Familie sowie Arbeitsbelastung vergeben, sind unterdurchschnittlich. Laut vereinzelter Angaben in der azur-Umfrage arbeiten sie bis zu 60 Stunden pro Woche, das sind acht Stunden mehr als der Marktdurchschnitt, andere Associates geben aber auch deutlich weniger an. Dennoch bemängeln sie: „Trotz gegenteiliger Kommunikation fehlt es immer noch an Verständnis dafür, wenn man nicht 24/7 verfügbar ist.“

Partnerschaft = Männerzirkus. Teilzeitmodelle sind möglich und werden aktuell von zwei Associates sowie einem Counsel genutzt. Die Kanzlei finanziert außerdem einen Monat Elternzeit für den Lebenspartner. Sullivan-Associates wünschen sich, dass „die während Corona erfolgreich erprobten Homeoffice-Möglichkeiten auch zukünftig wenigstens teilweise bleiben“. Letzteres wird sich wohl noch herausstellen, grundsätzlich ist ein flächendeckendes Homeoffice jedoch nicht vorgesehen. Mit einem geringen Frauenanteil von knapp 22 Prozent ist die Kanzlei ähnlich schlecht aufgestellt wie andere Kanzleien in ihrem Segment. Dass sie als US-Kanzlei aber bislang immer noch eine rein männliche Partnerriege in Deutschland vorweist, ist bedauerlich.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 3 bis 5

Referendarplätze 2021: 10              

Praktikumsplätze 2021: 20

Bewerber sollten mindestens zweimal die Note vollbefriedigend mitbringen. Wer keine exzellenten Zeugnisse vorweist, den lädt die Kanzlei nicht zum Bewerbungsgespräch ein. Die Englischkenntnisse müssen für einen Einstieg in die US-Kanzlei sehr gut sein, und Bewerber sollten ein Verständnis für gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge haben. In Einzelgesprächen mit Partnern und Associates sowie bei einem Mittag- oder Abendessen mit Associates lernen Bewerber und Kanzlei sich umfassend kennen. Ein ehemaliger Referendar beschreibt Sullivan in der azur-Bewerberumfrage als „Kanzlei mit hohen Ansprüchen für Bewerber mit hohen Ansprüchen.“

Die Kanzlei auf einen Blick

Standort in Deutschland: Frankfurt

Internationale Präsenz: Weltweit unterhält die New Yorker Kanzlei an den wichtigsten Finanzmärkten eigene Büros, unter anderem in Washington D.C., Brüssel, Hongkong, London, Paris, Sydney und Tokio.

Anwälte in Deutschland: 6 Vollpartner, 3 Counsel, 22 Associates und 1 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 21,9 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Umsatz in Deutschland 2019: 34,1 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 1.196.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: keine Angaben

Referendare: keine Angaben

Associates:

1. Jahr: 145.000 Euro plus Bonus

2. Jahr: keine Angaben

3. Jahr: keine Angaben

4. Jahr: keine Angaben

5. Jahr: keine Angaben

6. Jahr: keine Angaben

Karriere und Partnerschaft

Partnerernennungen bei Sullivan sind äußerst selten und an hohe Anforderungen geknüpft. Die einzige Zwischenstufe vom Associate zum Partner ist der European Counsel. Nach etwa acht Jahren steht die Frage nach der Partnerschaft an, nach dem klassischen Up-or-Out-Prinzip ist eine dauerhafte Anstellung als Anwalt nicht vorgesehen. Das heißt, entweder geht es weiter oder nicht. Auf ihrem Karriereweg wünschen sich Sullivan-Associates, denen ihre schlechten Partnerchancen bewusst sind, laut azur-Umfrage „eine klarere Kommunikation über interne Perspektiven“. Auch junge Anwälte aus anderen Kanzleien betonen die „verschwindend geringen Aufstiegschancen“ und „minimalen Karriereperspektiven“ bei Sullivan.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.