azur100
06.03.2020 | Autor/in: Anika Verfürth
Themen in diesem Artikel:

Sullivan & Cromwell – Top-Arbeitgeber – Platz 22

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Hervorragende Ausbildung an echten Mandaten“

„Gute Stimmung unter den Associates“

„Die Ausbildung ist sehr breit und generalistisch angelegt, unmittelbar an Spitzenmandaten“

„Partnerschaft ist überaltert“

„Karrierechancen nur in anderen Kanzleien“

„Partner halten die Associates mit Andeutungen und Versprechen möglichst lange bei der Stange“

„Exzellente US-Einheit, bei der man für die Arbeit leben muss“

„Tolles Team, völlig gestörte Arbeitszeiten“

„Die Projekte im Kapitalmarktrecht sind spitze“

▪ Mentoren kümmern sich um Einbindung in den Arbeitsalltag

▪ Mehrmonatige Aufenthalte in Auslandsbüros möglich

▪ Unbezahlte Auszeit für Promotionsvorhaben

keine herausragenden Angebote

Über den Arbeitgeber

Die besten für die Marktspitze. „Ich lerne von den besten Vertretern der Zunft.“ So fasst ein Sullivan-Associate zusammen, was ihm bei seinem Arbeitgeber geboten wird. Fachlich gehört die US-Kanzlei zur absoluten Marktspitze, wenn es um Börseneinführungen und Kapitalerhöhungen geht. Neben der Beratung von hochkarätigen Stammmandanten wie Bayer spielt das Frankfurter Team regelmäßig auch bei den wichtigsten Transaktionen im deutschen Markt eine zentrale Rolle. Wer hier mitarbeiten will, der entscheidet sich für eine Karriere im Top-Segment. Da sind nicht nur fachliche Höchstleistungen gefordert, sondern auch voller Arbeitseinsatz.

Geld gegen Leben. Da ist es keine Überraschung, dass einige Associates dort laut azur-Umfrage weit über 60 Stunden pro Woche arbeiten – der Marktdurchschnitt in Kanzleien liegt laut azur-Umfrage bei rund 53 Stunden. Das drückt die Zufriedenheit mit der Arbeitsbelastung und der Work-Life-Balance: Nur in einer Handvoll Kanzleien sind die Umfrageteilnehmer damit noch unzufriedener als bei Sullivan. Was die Associates aber inzwischen deutlich besser bewerten, ist die Vereinbarkeit von Karriere und Familie. Die bezahlte Elternzeit für Lebenspartner der Anwälte kommt gut an. Auch darüber hinaus hat die Kanzlei im Rahmen ihrer Möglichkeiten Dinge verbessert. So soll von den Partnern – wenn möglich – keine Deadline mehr auf Montagmorgen gelegt werden. Laut Kanzlei hat das zu einer Halbierung der Wochenendarbeit geführt. Diese ersten Versuche heben die Teilnehmer der azur-Umfrage hervor: „Die Partner beginnen, ihre Ansprüche an den Arbeitseinsatz zurückzufahren.“ Ein anderer Associate lobt die „verbesserte Kommunikation zur Bedeutung der arbeitsfreien Zeit“.

Internationales Flair. Einmal im Jahr treffen sich alle europäischen Anwälte in London zur mehrtägigen fachlichen Weiterbildung. In Frankfurt halten bei monatlichen Treffen Partner oder Associates Vorträge zu aktuellen Rechtsfragen. Bei der Wahl externer Seminare – etwa zum Accounting oder Banking – sind den Associates keine Grenzen gesetzt. So bewerten die Sullivan-Anwälte ihr Weiterbildungsangebot mit sehr guten Noten. Das beste Training bleibt die Arbeit am Mandat: Im Fall Sullivan betrifft das somit die gesamte Palette an Kapitalmarkt- und Gesellschaftsrecht. Das gilt nicht nur für die Associates, sondern bereits für Referendare oder Praktikanten, die gemeinsam mit einem Mentor ihre Station planen. Ehemalige betonen die „extrem enge Einbindung“ und das erhaltene Feedback zu ihrer Arbeit. Allerdings fällt auch ihnen auf: „Die Kultur der Kanzlei führt automatisch zu längeren Arbeitseinsätzen.“ Wie bei vielen internationalen Kanzleien üblich, steht einer Zeit im Ausland kaum etwas im Weg. So verbrachte zuletzt ein Referendar seine Wahlstation in Australien und ein Associate besuchte das New Yorker Büro.

Frisches Blut für die Partnerschaft. Acht Jahre lang hat Sullivan keinen deutschen Partner aus den eigenen Reihen ernannt. Kein Wunder, dass einige Sullivan-Associates das in der azur-Umfrage kritisieren: „Eine Blutauffrischung täte der Partnerschaft gut.“ Ein anderer schreibt nur halb ironisch: „Es ist schön zu sehen, dass Sullivan-Associates in großer Regelmäßigkeit in anderen Kanzleien Partner werden.“ Das hat sich nun geändert: Zum Jahreswechsel hat die Kanzlei erstmals wieder einen Partner ernannt, was nicht nur die Stimmung aufhellen könnte, sondern vor allem auch ein Bekenntnis der deutschen Partnerschaft ist, Nachwuchs bis nach ganz oben begleiten zu wollen.

Männer unter sich. Den jungen Anwälten, die mit 145.000 Euro das derzeit höchste Einstiegsgehalt in Deutschland erhalten, wird das gefallen. Insgesamt sind sie in der azur-Umfrage sehr zufrieden mit ihrem Arbeitgeber und bewerten auch die Themen, die für viele andere Kanzleien eine Herausforderung sind – wie die Förderung von Diversity – besonders positiv. Für junge Anwältinnen bietet die US-Kanzlei zwar viele Trainings zu Führung oder auch Gesprächsangebote mit weiblichen Vorbildern aus der Partnerschaft – diese sitzen allerdings nur in den USA. Die Zusammenstellung der deutschen Praxis fällt dagegen nicht besonders divers aus: Hier ist die Partnerschaft noch eine reine Männerrunde.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 4 bis 8

Referendarplätze 2020: 10         

Praktikumsplätze 2020: 20

Sullivan sucht exzellente Juristen und lädt deswegen ausschließlich Absolventen mit doppeltem Vollbefriedigend zu Vorstellungsgesprächen ein. Anders als viele Wettbewerber macht die Kanzlei hier keine Abstriche. Der Bewerbungsprozess besteht aus einem eintägigen Vorstellungsmarathon, bei dem die Kandidaten mehr oder weniger das gesamte Frankfurter Büro kennenlernen: Es gibt diverse Einzelgespräche sowie ein Mittag- oder Abendessen mit Associates, das einen informellen Austausch ermöglicht. Neben der hohen juristischen Qualifikation sind sehr gute Englischkenntnisse wichtig, allerdings werden Letztere nicht unbedingt in den Bewerbungsgesprächen getestet. Die Sprache ist vorwiegend Deutsch.

Standort in Deutschland: Frankfurt

Internationale Präsenz: Die New Yorker Kanzlei unterhält weltweit Standorte an den wichtigsten Finanzmärkten. Dazu zählen unter anderem Hongkong, London, Paris und Tokio.

Anwälte in Deutschland: 6 Vollpartner, 2 Counsel, 22 Associates und 1 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 16,1%

Umsatz in Deutschland 2018: 34,1 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 1.240.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Ende 2018 ist der langjährige Managing-Partner Dr. Wolfgang Feuring nach 15 Jahren in dieser Rolle altersbedingt in den Of-Counsel-Status gewechselt. Der bekannte Dr. Carsten Berrar übernahm die Position des Managing-Partners des Frankfurter Büros der US-Kanzlei.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: keine Angaben

Referendare: keine Angaben

Associates:
1. Jahr: 145.000 Euro plus Bonus
Jahr: keine Angaben
Jahr: keine Angaben
Jahr: keine Angaben
Jahr: keine Angaben
Jahr: keine Angaben

Die Kanzlei hält an dem klassischen Up-or-out-Prinzip fest, demzufolge eine Daueranstellung als Anwalt nicht vorgesehen ist – wer nicht Partner wird, verlässt die Kanzlei. Die einzige Zwischenstufe stellt der European-Counsel-Status dar, auf dem zuletzt 3 von 31 Anwälten tätig waren. Da nach acht Jahren die mit dem Up-or-out-Prinzip verbundene Frage nach der Partnerschaft ansteht, kann dieser eine Chance sein, um weiter den Business Case und die persönliche Entwicklung voranzutreiben. Der neue Partner in der deutschen Partnerschaft – seit 2011 die erste Ernennung – war zuvor European Counsel. Schon seit Jahren bewerten die Sullivan-Associates in der azur-Umfrage ihre Chancen auf den Vollpartnerstatus unterdurchschnittlich und sehen ihre „Karrierechancen vor allem bei Wettbewerbern“. Diese jüngste Beförderung aus dem Kreise des eigenen Nachwuchses war in dem Zusammenhang ein wichtiges Signal.

Ein internationales Gremium der Kanzlei entscheidet zentral über die Vergütung der Partner. Es gibt dabei keine festgelegten Bemessungen einzelner Kriterien, aber die Verteilung orientiert sich stark an den Honorarumsätzen der einzelnen Partner.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.