azur100
06.03.2020 | Autor/in: Konstanze Richter
Themen in diesem Artikel:

Simmons & Simmons – Top-Arbeitgeber – Platz 43

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Gutes Arbeitsklima mit flachen Hierarchien in jungem Team“

„Fairer Umgang mit Mitarbeitern“

„Viele Entwicklungsmöglichkeiten und nachvollziehbare Perspektiven“

„Trainings müssen oft wegen Mandatsarbeit abgesagt werden“

„Homeoffice-Möglichkeiten sind ausbaufähig“

„Mehr Gleichgewicht in der Arbeitsbelastung nötig“

„Wenig Vernetzung und Austausch innerhalb der Kanzlei“

„Starke Fluktuation“

„Flache Hierarchien, angenehmer Umgangston“

▪ Individuelle Betreuung durch Mentoren

▪ Kostenübernahme für fünf Kaiserseminar-Klausuren

▪ Workshop zu Verhandlungstechnik

▪ Umfangreiches Angebot zu Soft Skills und Legal Tech

▪ Unterstützung eines berufsbegleitenden MBA

▪ Secondments im In- und Ausland

▪ Kanzleieigene Netzwerke

▪ Regelmäßige Diversity-Veranstaltungen

Über den Arbeitgeber

London calling. Internationalität wird bei Simmons & Simmons (S&S) großgeschrieben. Die drei deutschen Büros sind eng an das Londoner Mutterhaus angebunden und wie die Gesamtkanzlei auf die Beratung der Branchen Finanzdienstleistung, Technologie und Medien sowie Gesundheitswesen spezialisiert. „Der starke Sektorfokus schränkt die Kanzlei manchmal etwas ein“, kommentiert ein Associate in der azur-Umfrage, doch insgesamt sind die jungen Anwälte überdurchschnittlich zufrieden mit ihrem Arbeitgeber. Sie loben die „tolle Atmosphäre“, den „fairen Umgang mit Mitarbeitern“, „flache Hierarchien“ sowie die „großen Entwicklungsmöglichkeiten“.

Maßgeschneiderte Ausbildung. Eine Säule der Associate-Ausbildung ist das internationale Karriereprogramm mit jährlich stattfindenden Schulungen in London, das durch ein deutsches Trainingsprogramm ergänzt wird. Die einzelnen Module sind an die jeweilige Karrierestufe des Associates angepasst und vermitteln Fähigkeiten wie Präsentation, Akquise und Entwicklung des eigenen Geschäfts. Hinzu kommen regelmäßige interne und externe Seminare zu rechtlichen Fragen. Zudem fördert die Kanzlei Lehrgänge für den Fachanwalt oder Notar sowie ein berufsbegleitendes Studium wie den MBA. Auch Secondments bei Mandanten oder in S&S-Büros im Ausland gehören zur Ausbildung. Besonders aktiv treibt die Kanzlei zudem die Weiterbildung zu Legal-Tech-Themen voran, etwa durch ein neues Innovationsteam, in dem sich Anwälte mit IT-Affinität engagieren können. Associates sind ausgesprochen zufrieden mit dem vielfältigen Angebot und loben insbesondere die „gezielte Förderung“, die frühe Übertragung von Verantwortung und die Unterstützung der Partner beim Aufbau des eigenen Geschäfts.

Früh am Mandat. Schon Praktikanten und Referendare werden früh in die Mandatsarbeit eingebunden. Zudem dürfen sie an den internen Trainings für Associates sowie interaktiven Workshops aus mehreren Praxisbereichen teilnehmen. Referendaren spendiert S&S fünf Klausuren ihrer Wahl aus dem Angebot der Kaiserseminare. Im Einzelfall unterstützt die Kanzlei sie dabei, weitere Stationen bei Mandanten zu finden oder in internationalen Simmons-Büros Auslandserfahrung zu sammeln. Teilnehmer der azur-Bewerberumfrage loben die „vielfältigen und anspruchsvollen Aufgaben“, die „super Betreuung“ und eine „gute Einbindung ins Team.“

Bunte Truppe. Traditionell legt S&S großen Wert auf eine diverse Mannschaft. Mit einer anonymen Umfrage erhob die Kanzlei 2019 erstmals statistische Daten, etwa zu Nationalität, Religionszugehörigkeit oder auch körperlicher Behinderung. Damit will S&S künftig die Entwicklung der Diversität im Team verfolgen. Die Bemühungen kommen bei den Associates gut an, sie bewerten die Gleichbehandlung unabhängig von Herkunft, sexueller Orientierung und Geschlecht sehr gut. Die Kanzlei organisiert regelmäßige Diversity-Veranstaltungen, seit 2006 existiert ein internes LGBT-Netzwerk. 2019 kam ein deutschlandweites Netzwerk für Frauen dazu. Mit einem Frauenanteil von mehr als 35 Prozent steht die Kanzlei zwar im Vergleich gar nicht so schlecht da, die Partnerriege allerdings bietet wie bei vielen Wettbewerbern ein eher ernüchterndes Bild. Nur zwei von 24 Partnern sind Frauen.

Hilfe bei Konflikten. Die Arbeitsbelastung bewerten die jungen Anwälte eher durchwachsen. Die laut azur-Umfrage durchschnittliche Wochenarbeitszeit von knapp über 55 Stunden liegt gut zwei Stunden über dem Durchschnitt anderer Kanzleien. Allerdings hängt die Arbeitszeit stark von dem Rechtsgebiet ab. Während einige Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage von „humanen Arbeitszeiten“, „moderaten Billable-Vorgaben“ und „fair verteilter Arbeit“ schwärmen, meinen andere: „Es wäre gut, bei der Arbeitsbelastung mehr Gleichgewicht zwischen den Associates zu schaffen.” Einen Ausgleich soll ein individueller Bonus schaffen. Teilzeitarbeit wird laut Associate-Umfrage „gelebt und ernst genommen“. Für eine bessere Vereinbarkeit von Karriere und Familie sorgt seit Herbst 2018 zudem ein Mitarbeiterprogramm. Die Kanzlei vermittelt beispielsweise Kinderbetreuungsplätze oder unterstützt bei Konflikten am Arbeitsplatz.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 6 bis 8

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 1 bis 2

Referendarplätze 2020: 12 bis 16            

Praktikumsplätze 2020: 15 bis 20

Ein Doppel-VB verlangt Simmons & Simmons nicht von Bewerbern, aber überdurchschnittlich sollten die Noten in den Staatsexamina schon sein. „Nicht nur die Note zählt, sondern, dass man in das Team passt“, sagt auch ein Bewerber in der azur-Umfrage. Dafür sind – für eine internationale Kanzlei wenig verwunderlich – sehr gute Englischkenntnisse ein Muss. Zudem sollten Bewerber eine gewisse IT-Affinität und ein Verständnis für wirtschaftliche Zusammenhänge mitbringen. Im ersten Gespräch geht es einerseits ums Kennenlernen. Andererseits wird das juristische Wissen des Bewerbers geprüft. Dazu stellen die beteiligten Partner kurze Fallstudien vor, zu denen die jungen Juristen eigene Herangehensweisen entwickeln sollen. Ein Teil des Gesprächs wird in Englisch geführt. Bei einem zweiten Treffen mit weiteren S&S-Anwälten werden Fragen zur Spezialisierung des Bewerbers abgefragt, und er lernt sein zukünftiges Team bei einem gemeinsamen Mittagessen kennen.

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt und München

Internationale Präsenz: In Europa, Asien und Nahost ist die Kanzlei mit insgesamt 22 eigenen Standorten vertreten.

Anwälte in Deutschland: 24 Vollpartner, 15 Counsel, 39 Associates und 2 of Counsel)

Frauenanteil Anwälte: 37,5%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 2 (davon eine Frau)

Umsatz in Deutschland 2018/19: 27 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018/19: 458.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Mit 27 Millionen Euro Umsatz hat Simmons & Simmons im Jahr 2018/19 das dritte Jahr in Folge zugelegt. Dabei fiel das Wachstum dieses Mal mit 10,2 Prozent besonders kräftig aus. Zudem verstärkte die Kanzlei am Standort Frankfurt mit einigen Zugängen die Bank- und Finanzierungspraxis und holte sich einen neuen Praxisgruppenleiter für Arbeitsrecht. Im Düsseldorfer Büro gelang es zuletzt, die Corporate-Praxis nach einigen Weggängen im Vorjahr wieder besser am Markt zu positionieren. Davon profitieren erfahrene Associates und aufstrebende junge Partner, die mit ihrer Arbeit mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 450 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 780 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 975 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 780 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:
1. Jahr: 105.000 bis 110.000 Euro plus Bonus
2. Jahr: keine Angaben
3. Jahr: keine Angaben
4. Jahr: keine Angaben
5. Jahr: keine Angaben
6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 50.000 bis 60.000 Euro

Die Chancen auf die Partnerschaft schätzen die Associates in der azur-Umfrage überdurchschnittlich ein. Sie loben „nachvollziehbare Perspektiven“, „regelmäßiges Feedback“ und den „Handlungsspielraum, sich eigenes Geschäft aufzubauen“. Mit einer neuen Veranstaltungsreihe will S&S nun einen näheren Einblick in den Partnerstatus bieten. Dabei erzählen Partner der Kanzlei über ihre eigenen Erfahrungen vor, während und nach ihrem Aufstieg in die Partnerriege, geben Ratschläge und Informationen darüber, was ein Anwalt für diesen Karriereweg beachten muss. Wer das nicht will, dem steht die Möglichkeit offen, dauerhaft als Counsel zu arbeiten. Auch für diese Wahl bietet S&S begleitendes Coaching.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.