azur100
04.03.2021 | Autor/in: Melanie Müller
Themen in diesem Artikel:

Siemens – Top-Arbeitgeber – Platz 29

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Mitarbeitern

„Neue Programme zur Spezialisierung“

„Täglicher internationaler Austausch mit Kollegen und Kolleginnen weltweit“

„Spannende Mitarbeit in der Entwicklung von Legal-Tech-Tools für die Rechtsabteilung“

Kritik von den eigenen Mitarbeitern

„Es braucht konkrete Programme für die Förderung von Arbeitnehmern in Teilzeit“

„Es fehlen gezieltere Schulungen zu Legal Tech“

„Leider nur rare Aufstiegschancen“

Was externe Juristen über Siemens sagen

„Gute Kombination aus einerseits einer interessanten anspruchsvollen Tätigkeit und andererseits fairen Arbeitszeiten“

„Diversity und Gender Equality werden hier beherzigt“

„Nach der Arbeit werden häufig tolle kulturelle Veranstaltungen angeboten“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Referendarstation im Ausland möglich
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Umfangreiches Kolloquium zu fachlichen und sozialen Themen
  • Internationale Karrierepfade mit Wechseln zwischen den in- und ausländischen Büros möglich
Highlights Diversity
  • Diversity-Netzwerke wie ‚Global Leadership of Women‘
  • Gezieltes weltweites Talentmanagement nach Diversity-Kriterien

Technologiekonzern mit großer Rechtsabteilung, die viele Projekte intern stemmt

Viel Geschäft durch große Projekte. Wer in dem weltweiten Technologiekonzern arbeitet, darf sich auf große Projekte mit abwechslungsreichen und interdisziplinären Aufgaben freuen. Zuletzt füllte 2020 die Abspaltung der Energie-Sparte den Arbeitstag der Siemens-Juristen aus. Solche Projekte führen mitunter auch zu viel Arbeit für die Syndikusanwälte. Trotz dieser Auslastungsspitzen empfinden die Siemens-Juristen ihre Arbeitsbelastung offenbar nicht als übermäßig hoch, in der azur-Umfrage vergeben sie für Work-Life-Balance und Arbeitslast durchschnittlich gute Noten. Von getrübter Stimmung ist deshalb nichts zu spüren: Insgesamt sind die Anwälte sehr zufrieden und vergeben für das Betriebsklima sogar die Bestnote.

Direkt im Projekt. Vereinzelt nimmt Siemens Praktikanten auf, ein Programm gibt es für sie jedoch nicht. Stattdessen legt das Unternehmen ein besonderes Augenmerk auf die Ausbildung von Referendaren. Neben einem persönlichen Mentor gibt es am jeweiligen Standort einen Referendarbeauftragten. Wie in anderen Unternehmen auch, begleiten Referendare die Anwälte zu Gerichtsterminen. Eine Rotation zwischen einzelnen Abteilungen von Siemens ist ebenso möglich wie die Teilnahme an Seminaren für Syndikusanwälte. Ehemalige Referendare berichten in der azur-Bewerberumfrage von einer „schnellen Einbindung in große Projekte“ und davon, „fester Bestandteil des Teams“ zu sein. Sind Referendare bemerkenswert ehrgeizig und talentiert, setzt Siemens sie vereinzelt auch im Ausland ein, etwa in Dubai, Südafrika oder Hongkong.

Schmankerl für Talente. Nicht nur die Referendare, auch die Syndizi begleitet ein Mentor auf ihrem Karriereweg. Mit dem Weiterbildungsangebot zeigen sich die Umfrageteilnehmer äußerst zufrieden. Für Neuzugänge gibt es ein Kolloquium mit zwei fünftägigen Trainingsmodulen, außerdem schult Siemens seine Juristen in betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten ebenso wie in Soft Skills. Für erfahrenere Kräfte gibt es ein weiteres Kolloquium mit fachlichen wie sozialen Themen. Juristen mit Führungsambitionen bietet der Konzern ein spezielles 18-monatiges internationales Programm.

Rare Plätze in der obersten Liga. Trotz individuellen Karriereplans und Begleitung bei der beruflichen Entwicklung ist die Aussicht auf eine hohe Position innerhalb der Rechtsabteilung nach Meinung der Siemens-Syndizi, die an der azur-Umfrage teilnahmen, eher mau. Nichts Ungewöhnliches in Unternehmen, denn ein kometenhafter Aufstieg ist den wenigsten Inhouse-Juristen vergönnt. Auch für die Karriere außerhalb der Rechtsabteilung vergeben die Siemens-Anwälte schlechte Noten, obwohl interne Wechsel prinzipiell möglich sind. Mit der Gleichbehandlung von Frauen und Männern sind die Umfrageteilnehmer zwar zufrieden, andere Unternehmen bekommen hier aber bessere Noten. Vereinzelt fordern die Siemens-Syndizi in der azur-Umfrage zur Förderung von Frauen „mehr Karrieremöglichkeiten in Teilzeit“.

Angebotsvielfalt für Eltern. Grundsätzlich ist der Arbeitsalltag bei Siemens geprägt durch flexible Arbeitszeiten, zudem sind zwei bis drei Tage Homeoffice pro Woche anerkannt. Neben diversen Teilzeitmodellen setzt sich der Konzern auch ein, wenn es Betreuungs- oder Pflegeengpässe bei Angehörigen gibt. Um ihren Mitarbeitern die Vereinbarkeit von Karriere und Familie zu erleichtern, hält Siemens außerdem diverse Angebote für Anwälte mit Kindern bereit, die über Tagesmütter bis hin zur Ferien-, Krankheits- und Notfallbetreuung reichen. Laut azur-Umfrage sind die Siemens-Juristen mit diesem Angebot zufrieden.

Einstieg und Bewerbung
Das Unternehmen auf einen Blick
Vergütung
Karrierewege für Juristen
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: max. 4

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Referendarplätze 2021: 40              

Praktikumsplätze 2021: 5

Zwei vollbefriedigende Staatsexamina sind bei Siemens gerne gesehen. Zwar sind diese positionsabhängig nicht immer zwingend notwendig, in der Mehrheit der Fälle legt das Unternehmen jedoch Wert auf das Doppel-Prädikat. Auch Englischkenntnisse setzt das Unternehmen voraus und prüft diese im Vorstellungsgespräch. Zusätzlich sollten Bewerber IT-Kenntnisse vorweisen können, diese werden jedoch nicht gesondert geprüft. Das Bewerbungsgespräch führen eine Person aus der entsprechenden Rechtsabteilung und ein Personaler.

Das Unternehmen auf einen Blick

Standorte in Deutschland: München (Konzernzentrale) und Erlangen, daneben Berlin, Bonn, Duisburg, Hamburg, Nürnberg, Offenbach u.a. (insgesamt an rund 20 Standorte)

Internationale Präsenz: Siemens beschäftigt Juristen an mehr als 60 Standorten weltweit. Insgesamt sind rund 293.000 Beschäftigte für den Konzern tätig.

Volljuristen in Deutschland: ca. 150

Frauenanteil in der Rechtsabteilung: keine Angaben

Umsatz 2019: 86,8 Milliarden Euro (Gewinn: 5,6 Milliarden Euro)

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: keine Angaben

Referendare: max. 1.000 Euro/Monat

Syndikusanwälte:

1. Jahr: ab 108.000 Euro

2. Jahr: 111.000 Euro

3. Jahr: 113.000 Euro

Karrierewege für Juristen

Wer bei Siemens auf der Eingangsstufe Counsel beginnt, kann in der Regel nach drei Jahren den Sprung zum Senior Counsel schaffen. Die nächste Karrierestufe Lead Counsel beinhaltet bereits Gruppenleitungsfunktionen. Im Konzern gibt es zahlreiche Rechtsabteilungsleiter für verschiedene Standorte in Deutschland oder Geschäftssparten. Diese mittleren Managementpositionen besetzt Siemens vorzugsweise aus den eigenen Reihen. Ein Up-or-out-Prinzip gibt es nicht, auch ohne die Übernahme von Personalverantwortung ist eine Karriere als juristischer Spezialist als Principal Counsel möglich. Dennoch sehen die Siemens-Syndizi laut azur-Umfrage ihre Karrieremöglichkeiten eher kritisch – die Noten für die Karrierechancen innerhalb wie außerhalb der Rechtsabteilung liegen unter dem Marktdurchschnitt.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.