azur100
06.03.2020 | Autor/in: Annette Kamps
Themen in diesem Artikel:

PricewaterhouseCoopers Legal – Top-Arbeitgeber – Platz 26

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Transparentes System zum beruflichen Aufstieg“

„Die Büroausstattung ist die modernste, die ich je in einer Kanzlei gesehen habe“

„Von der Masse völlig unterschätzte Arbeitgeberin“

„Leider schlechtes Gehalt und schlechte Aufstiegschancen“

„Wir müssen unser MDP-Potenzial noch besser ausschöpfen“

„Rechtsanwälte haben im Vergleich zu Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern einen schlechten Status innerhalb des Konzerns“

„Gutes Gesamtpaket, gerade im Hinblick auf Work-Life-Balance“

„Vergütung ist nicht marktgerecht“

„Wachsen in letzter Zeit erfolgreich“

▪ Repetitorium mit Alpmann Schmidt

▪ Auch Praktikanten und Referendare bekommen einen Laptop, um mobil arbeiten zu können

▪ Komplette Kostenübernahme für sechsmonatiges Auslandspraktikum für ausgewählte Praktikanten

▪ Secondments zwischen einem Monat und fünf Jahren möglich

▪ Umfangreiches Webinar-Angebot mit individuellen Lernpfaden

▪ Netzwerkveranstaltungen und Workshops speziell für Frauen

▪ Eigenes Programm, um Menschen mit Behinderung den Einstieg bei PwC Legal zu erleichtern

▪ Bias-Awareness-Workshops für alle Mitarbeiter

Über den Arbeitgeber

Alternative zur Großkanzlei. Die Rechtsberatungsarme der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften machen den klassischen Kanzleien zunehmend Konkurrenz – doch hier zu arbeiten, ist anders. Darauf sollten sich junge Juristen, die mit einem Berufseinstieg bei PwC Legal liebäugeln, einstellen. Sie ist mittlerweile eine der größten Full-Service-Kanzleien Deutschlands, doch nach Meinung einiger Associates „bemerkt man in vielen Themen (noch) den Ursprung als Wirtschaftsberatungsunternehmen.“ Andererseits sei gerade die Vernetzung mit den Steuerberatern und Wirtschaftsprüfern „sehr praktisch“. In der azur-Umfrage schwören einige PwC Legal-Associates auf den interdisziplinären Ansatz und bezeichnen ihre Arbeitgeberin als „super Alternative zur Großkanzlei“. Andere hingegen sehen eher Probleme in der engen Zusammenarbeit mit den Wirtschaftsprüfern und monieren „Interessenkonflikte wegen der Prüftätigkeit“. Insgesamt sind die Associates zwar zufrieden, vergeben jedoch in puncto Gesamtzufriedenheit und Betriebsklima nicht ganz so gute Noten wie der Marktdurchschnitt.

Europaweites Praktikum. Praktikanten und Referendare hingegen fühlen sich sehr wohl: In der azur-Bewerberumfrage loben Ehemalige etwa „die direkte Einbindung in die Mandatsarbeit“. Jurastudenten können während ihres drei- bis sechsmonatigen Praktikums auch an internen Veranstaltungen und Weiterbildungen teilnehmen. Ein Teilnehmer der azur-Umfrage bewertet sein Praktikum zwar als „gut strukturiert“, meint aber, dass die Qualität von Partner und Team abhänge. Teamunabhängig können sich insbesondere diejenigen Jura-Studenten glücklich wähnen, die für den sechsmonatigen Austausch mit einem anderen europäischen PwC-Büro ausgewählt werden – Gehalt und kostenlose Wohnung inklusive; zuletz kamen drei in den Genuss. Referendare loben vor allem die „Crashkurse zur Examensvorbereitung“, die PwC Legal seit Kurzem anbietet. Zudem steht Referendaren das gesamte Fortbildungsangebot der Akademie der Muttergesellschaft PwC offen.

Mehr juraspezifische Angebote, bitte! Dabei setzt PwC vor allem auf E-Learning. 2018 führte das Unternehmen ein Portal mit umfangreichen Fortbildungen für alle Mitarbeiter ein. Fachliche Kurse sowie Soft-Skills-Angebote ergänzen die hauseigenen Präsenzschulungen, die beispielsweise zu Risikomanagement, zur Abgabenordnung oder zu speziellen Schwerpunkten des Gesellschaftsrechts angeboten werden. Viele Kurse wenden sich auch an die angehenden Steuerberater und Wirtschaftsprüfer, sodass die Associates zwar mit Weiterbildung zufrieden sind, sich einige aber mehr „spezifische Kurse für Juristen“ wünschen, beispielsweise ein „professionelles Coaching zu Akquise, Verhandlungen oder Anwaltsfragen“. Die finanzielle Unterstützung beim LL.M-Studium oder bei Fachanwaltskursen wiederum kommt bei den Umfrageteilnehmern gut an.

Weniger Gehalt, weniger Arbeit! Beim Gehalt hingegen kommt schlechte Stimmung auf – trotz der „transparenteren Gehalts- und Boniprozesse“ und der „Erhöhung der Grundvergütung“. Die meisten vergeben hier unterdurchschnittliche Noten. Punkten kann PwC Legal hingegen bei der Work-Life-Balance und Familienfreundlichkeit. Kein Wunder: Zum einen liegt die durchschnittliche Wochenarbeitszeit mit knapp 49 Stunden laut azur-Umfrage gut vier Stunden unter dem Marktdurchschnitt, zum anderen können sich die Anwälte ihre Zeit flexibel einteilen – und dank Dienst-Laptop von überall aus arbeiten. „Freie Wochenenden und Feiertage sowie keine Erreichbarkeit im Urlaub“ – das lässt sich aus der azur-Umfrage herauslesen, sorgen ebenfalls für gute Stimmung.

Familienfreundlich und divers. Junge Eltern können durch individuelle Teilzeitangebote sowie eine Betriebs-Kita in Frankfurt und andere Betreuungsangebote in den weiteren Büros schnell wieder in den Beruf zurückkehren. Kein Wunder, dass die Associates die Vereinbarkeit von Karriere und Familie überdurchschnittlich gut bewerten. Auch sei es „kein Problem, Urlaub zu nehmen oder einige Monate Elternzeit“. Zudem bemüht sich PwC um eine heterogene Teamzusammensetzung. Neben LGBT-Netzwerken gibt es spezielle Förder- und Nachwuchsprogramme für Menschen mit Behinderung, um ihnen den Einstieg ins Unternehmen zu erleichtern.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: ca. 50

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): ca. 2

Referendarplätze 2020: 65         

Praktikumsplätze 2020: 84

Anders als in vielen Kanzleien müssen Bewerber bei PwC Legal keine zwei vollbefriedigenden Examina vorweisen – befriedigend reicht. Idealerweise haben sie noch einen Doktortitel oder LL.M.-Abschluss in der Tasche. Da sie es durch die weltweit tätige Muttergesellschaft jedoch häufig mit internationalen Mandaten zu tun haben, sind gute Englischkenntnisse unabdingbar. Auch im Jobinterview muss man damit rechnen, zwischendurch ins Englische zu wechseln. In ein bis eineinhalb Stunden prüfen zwei Anwälte des jeweiligen Fachbereichs, ob der Bewerber zur Kanzlei passt. Nicht immer findet ein Zweitgespräch statt. Falls doch, dient es dazu, fachliche Fragen zu vertiefen, die Konditionen abschließend zu klären und auch schon einmal andere Teammitglieder kennenzulernen.

Standorte in Deutschland: Berlin, Bremen, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg und Stuttgart

Internationale Präsenz: PwC Legal ist Teil des weltweiten Legal-Netzwerks von PwC, das mit mehr als 3.500 Rechtsanwälten in mehr als 100 Ländern vertreten ist.

Anwälte in Deutschland: 40 Vollpartner, 71 Non-Equity-Partner und 181 Associates

Frauenanteil Anwälte: 37,7%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Umsatz in Deutschland 2018/19: 96 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018/19: 374.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Mit einem Umsatz von zuletzt 96 Millionen
Euro ist PwC Legal nach KPMG Law derzeit die Nummer zwei unter den Rechtsberatungseinheiten der Big-Four-Gesellschaften. Zuletzt baute sie in Berlin und Frankfurt Litigation-Teams auf und arbeitet weiterhin an einem Umbau im Bereich Öffentliches Recht. Auch das M&A-Team konnte durch Quereinsteiger von Freshfields, DLA Piper und CMS sowohl sein Deal-Know-how als auch sein Mandantenspektrum erweitern.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 13 bis 15 Euro/h (vor dem 1. Examen), 18 Euro/h (nach dem 1. Examen), 20 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: max 1.700 Euro/Monat, in NRW 2.270 Euro/Monat

Associates:
1. Jahr: keine Angaben
2. Jahr: keine Angaben
3. Jahr: keine Angaben
4. Jahr: keine Angaben
5. Jahr: keine Angaben
6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Die jungen Anwälte durchlaufen auf dem Weg nach oben ein Mentorenprogramm und werden vor allem im Rahmen der Academy der Muttergesellschaft in Führungsqualitäten geschult. Bei PwC Legal gibt es kein Up-or-out-Prinzip, die Beschäftigung als dauerhaft angestellter Anwalt ist möglich. Die entsprechenden Karrierestufen, der Senior Manager und der Director, sind mit den Salary-Partnern oder Counsel in anderen Kanzleien zu vergleichen. In der Regel steigen Berufseinsteiger nach zwei bis drei Jahren zum Senior Consultant auf. Als Manager und Senior Manager, der darauffolgenden Karrierestufe, führen Anwälte bereits kleinere Teams und tragen Umsatzverantwortung.

In der azur-Umfrage schneidet PwC Legal in puncto Partnerchancen unterdurchschnittlich ab. Einige Associates wünschen sich, „transparente Kommunikation sowie Vermittlung klarer Vorgaben, die zum Erreichen des nächsten Grades erforderlich sind“.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


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