azur100
04.03.2021 | Autor/in: Norbert Parzinger
Themen in diesem Artikel:

Poellath – Top-Arbeitgeber – Platz 15

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Viele Freiheiten für die eigene Entwicklung, eigenständige Akquiseziele und die Möglichkeit, sich auszuprobieren“

„Überragende Arbeitsbedingungen und immer ein offenes Ohr“

„Aktive Förderung von Homeoffice durch Ausgabe von High-End-IT-Hardware“

Kritik von den eigenen Associates

„Individualistische Struktur erschwert eine kanzleiweite Vernetzung“

„Partner müssen Arbeit besser koordinieren“

„Mehr Unterstützung bei der Kinderbetreuung wäre hilfreich“

Was externe Juristen über Poellath sagen

„Spannende Projekte, attraktive Vergütungsstruktur“

„Tolle Ausbildung, aber zu wenig Entwicklungsmöglichkeiten“

„Teils recht unentspannte Atmosphäre“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Umfangreiches, strukturiertes Programm mit internen Fachvorträgen
  • Wohnungen in München für Praktikanten und Referendare
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Intensives Weiterbildungsprogramm mit 600 Stunden in den ersten drei Berufsjahren
  • Begleitung der Senior Associates durch Mentoren, um Partnerperspektive zu fördern
  • Enge Kontakte zum LL.M.-Programm der Universität Münster sowie zur EBS Law School
Highlights Diversity
  • Kooperation mit Familienservice und Notfallkinderbetreuung

Die Deal-Spezialistin unter den mittelgroßen deutschen Kanzleien

Nur zum Mitnehmen. Ein bekannter Pluspunkt von Poellath sah in den vergangenen Monaten anders aus als gewohnt: Die beliebte Kanzleikantine in München wurde zum Takeaway-Imbiss, immerhin mit noch einmal „verbesserter, ausgewogener, moderner Küche“, wie ein Associate in der azur-Umfrage lobt. Ansonsten mangelte es den Poellath-Anwälten auch im Homeoffice an nichts, wie die Umfrageteilnehmer betonen. Am Krisenmanagement der Kanzlei loben sie so ziemlich alles, von der „sehr positiven Kommunikation“ über die zeitliche Flexibilität und die „stetige Aufrüstung beim IT-Angebot“. In der Tat gibt es nicht in jeder Kanzlei zu Dienst-Laptop und -Smartphone auch noch ein iPad. Auch die Yogastunde, die bei Poellath zu den Sportangeboten als Ausgleich zur Schreibtischarbeit zählt, fand einfach online weiter statt.

Hilf dir selbst, dann … Die Rundumversorgung, für die Poellath bekannt ist, bedeutet allerdings nicht, dass sich der Einzelne nicht anstrengen soll – ganz im Gegenteil: Mit 54 Wochenstunden laut azur-Umfrage arbeiten die Associates rund zwei Stunden mehr als der Marktdurchschnitt. Und wie nur wenige andere Kanzleien setzt Poellath darauf, dass die Anwälte schnell ihr eigenes Netzwerk knüpfen, ein Beraterprofil aufbauen und selbst Geschäft generieren. Am deutlichsten zeigt sich das beim Gehalt: Ab dem vierten Jahr ist ein Teil der Vergütung umsatzabhängig. Von einzelnen kritischen Stimmen abgesehen, sind die Associates damit sehr glücklich – beim Thema Geld bekommt Poellath in der azur-Umfrage Noten weit über dem Marktdurchschnitt. Nicht ganz so eindeutig fällt das Urteil bei der Karriereförderung aus: Zwar sind die Noten auch hier überdurchschnittlich, doch einige Associates wünschen sich „ehrlicheres Feedback“ oder „mehr individuelle Förderung“.

Wieder was gelernt. Das Ausbildungsprogramm zählt dabei schon zu den umfangreichsten im Markt. Insgesamt 600 Stunden verbringen die Poellath-Associates in ihren ersten drei Berufsjahren mit fachlicher Ausbildung, Soft-Skills-Seminaren und Trainings. Die inhaltliche Palette wird im Dialog mit den Associates kontinuierlich ergänzt, so zuletzt etwa um das Thema Honorargestaltung. Trotz Umstellung auf Onlineformate wurden die Weiterbildungen nicht eingeschränkt, sondern noch um Zusatzfunktionen wie etwa Follow-ups per App erweitert. In der azur-Umfrage honorieren das die Poellath-Anwälte mit sehr guten Noten.

Referendarkollegen als Mitbewohner. Viele von ihnen haben die Kanzlei sowieso schon im Praktikum oder im Referendariat kennengelernt. In der azur-Bewerberumfrage loben Praktikanten die „interessanten Inhalte“ und die „sehr gute Einbindung und Betreuung“. Auch Referendare durchlaufen ein strukturiertes Programm, zu dem unter anderem Angebote der Repetitoren Kaiser und Hemmer gehören. In welcher Atmosphäre sich die Stage abspielt, ist allerdings teamabhängig – die Rückmeldung in der azur-Umfrage reicht von „freundlich und familiär“ bis „hektisch, respektloser Ton, keinerlei Feedback“. Durchweg begeistert sind die Referendare dagegen von der kanzleieigenen WG in München.

Notfall-Mamas stehen bereit. Dass Teilzeitphasen – etwa aus familiären Gründen – keine Verzögerung beim Aufstieg auf eine Counsel- oder Partnerposition bedeuten, ist neu und in anderen Kanzleien nicht selbstverständlich. Schon lange unterstützt Poellath junge Eltern per Kooperation mit Kitas und Notfallbetreuung; für die Corona-Zeit wurde dieses Angebot nochmals erweitert. Damit sind in der azur-Umfrage zwar noch nicht alle restlos zufrieden, doch für die Vereinbarkeit von Karriere und Familie bekommt Poellath deutlich überdurchschnittliche Noten.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: ca. 20

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): nach Bedarf

Referendarplätze 2021: 25 bis 30  

Praktikumsplätze 2021: 40 bis 45

Poellath legt großen Wert auf vollbefriedigende Examina und betrachtet Promotion und/oder LL.M.-Abschluss als Vorteil. Allerdings können diese zusätzlichen Qualifikationen auch berufsbegleitend erworben werden, mit Unterstützung durch die Kanzlei. Verhandlungssicheres Englisch ist dagegen fast schon Pflicht. Sowohl das erste als auch das zweite Bewerbungsgespräch folgen – außerhalb der Lockdown-Perioden – demselben Muster: Der Kandidat lernt jeweils zwei bis drei Partner aus dem jeweiligen Fachbereich sowie den personalverantwortlichen Partner kennen. In der Mittagspause besteht zudem die Möglichkeit, Associates zu treffen.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Berlin, Frankfurt und München

Internationale Präsenz: Die Kanzlei hat keine Auslandsbüros, ist aber über einzelne Partner gut vernetzt mit international führenden Spezialkanzleien.

Anwälte in Deutschland: 34 Vollpartner, 6 Non-Equity-Partner, 15 Counsel, 79 Associates und 5 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 25,2 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 3

davon Frauen: 3

Umsatz in Deutschland 2019: 80,5 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 645.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 15,00 Euro/h (vor dem 1. Examen), 750 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 35,00 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 750 Euro/Wochenarbeitstag; max. 3.750 Euro/Monat

Associates:

1. Jahr: 105.000 bis 125.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro

2. Jahr: 110.000 bis 130.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro

3. Jahr: 115.000 bis 135.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro

4. Jahr: ab 115.000 Euro plus Umsatzbeteiligung

5. Jahr: ab 115.000 Euro plus Umsatzbeteiligung

6. Jahr: ab 130.000 Euro plus Umsatzbeteiligung

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 45.000 bis 65.000 Euro plus Bonus

 

Karriere und Partnerschaft

Im vierten Jahr werden die Anwälte zu Senior Associates befördert. Ab dem fünften Jahr beginnt ein intensives Mentoring-Programm, das alle Anwälte auf dem Weg zur Partnerschaft begleiten soll. Der Counsel-Status, der frühestens nach fünf Jahren ansteht, ist eine zwingende Durchgangsstation auf diesem Weg. Wer nicht zum Counsel ernannt wird, bekommt ein deutliches Signal, dass seine Karriere bei Poellath nicht weitergehen wird. Counsel können dauerhaft angestellt bleiben oder frühestens zwei Jahre später zum Vollpartner aufsteigen. Außerdem gibt es den Status des Associated Partner, auf den Counsel ab dem zehnten Berufsjahr wechseln können – mit mehr Verantwortung und Akquisemöglichkeiten sowie einer deutlich höheren Umsatzbeteiligung. Der Aufstieg zum Vollpartner bleibt weiterhin möglich. In den vergangenen Jahren ernannte die Kanzlei regelmäßig mehrere Neupartner, Anfang 2021 waren es zwei.

Associates ab dem vierten Jahr und Counsel bekommen ab einem bestimmten Schwellenwert 20 bzw. 35 Prozent am selbst erzielten Umsatz ausgeschüttet – jedes Quartal. Senior Associates kommen so nach Angaben der Kanzlei auf durchschnittlich 150.000 Euro Gesamtvergütung pro Jahr, Counsel im Schnitt sogar auf 235.000 Euro. Die Partnervergütung erfolgt merit-based und bemisst sich vor allem am Umsatz, den ein Partner erzielt. Der Gewinn, den die Teams unterhalb der Partnerebene erzielen, wird ebenfalls leistungsabhängig verteilt. Zudem wird die Weitergabe von Mandatskontakten an andere Praxen belohnt.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.