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11.03.2019 | Autor/in: azur Redaktion

Pinsent Masons – azur100 Top-Arbeitgeber – Platz 42

Das sagt die azur-Redaktion

Wohin soll die Reise gehen? Pinsent Masons ist in Deutschland eine Kanzlei im Aufbau. An den Standorten München und Düsseldorf, aber auch quer durch die Praxisgruppen holte sie eine Reihe von erfahrenen Anwälten aus anderen Kanzleien auf Partner- oder Counsel-Ebene hinzu und erweiterte ihr Beratungsangebot unter anderem im Technologiesektor oder bei Finanzierungen. Aber auch dem ­Nachwuchs stehen die Türen offen. Doppelt so viele Associates wie ­ursprünglich geplant hat PM 2018 eingestellt – und so soll es weitergehen. Für die Associates ist die Dynamik Fluch und Segen zugleich, denn die Strukturen sind uneinheitlich, die Chancen zur Entfaltung dafür vielfältig. So ist auch die Stimmung in der azur-Associate-Umfrage durchwachsen, und Teilnehmer vergeben maximal durchschnittliche Noten. „Man will zu viel auf einmal, ohne die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen“, fasst ein Associate zusammen.

Großbaustelle Weiterbildung. Die Kanzlei hat viele der Baustellen erkannt. Ein Langzeitprojekt ist das Weiterbildungssystem. Nachdem die interne Akademie im Vorjahr aufgrund der Vielzahl von Terminen über das Ziel hinausgeschossen ist und der Nachwuchs sich gegängelt fühlte, steht das interne Angebot vorerst still. Ein Associate lobt aber zumindest das „Führen einer Kulturdebatte“, auch wenn bislang nur Ziele formuliert und Ergebnisse noch offen seien. Ziel von PM ist das Festhalten an der Akademie, die sich aus Soft-Skills-Trainings, externen Kursen und rechtsgebietsspezifischen Modulen zusammensetzt. Nach einer Einführungsveranstaltung wird das Programm bedarfsgerechter auf den persönlichen Werdegang zugeschnitten. So loben Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage die bestehenden externen Angebote wie die „Übernahme der Kosten für Fachanwaltsfortbildungen“ und „für sonstige Fortbildungen“. Allerdings hegen sie den berechtigten Wunsch, dafür auch freigestellt zu werden, was im Markt gang und gäbe ist. Bisher muss oft der Urlaub dafür herhalten.

Besondere Unterstützung zur Promotion. Einsatz zeigt PM in der Personalarbeit bei den Jüngsten. Während ihrer Zeit in der Kanzlei begleitet ein erfahrener Anwalt Praktikanten und Referendare als Mentor. Sofern Fortbildungsveranstaltungen stattfinden, dürfen auch sie daran teilnehmen. Ein Ehemaliger lobt das Referendariat in der azur-Bewerberum­frage: „sehr gut, direkter Mandantenkontakt“. Neu vergab die Kanzlei zuletzt drei Promotionsstipendien jeweils für Gesellschaftsrecht, Energie- und ­Arbeitsrecht. Neben finanzieller Unterstützung bedeutet das vor allem, dass sie Mentoren aus der Praxisgruppe haben.

Work-Life-Balance hängt vom Partner ab. Associates arbeiten laut azur-Umfrage bei PM durchschnittlich rund 55 Stunden in der Woche. Das liegt nur eine Stunde über dem, was Kollegen in anderen Kanzleien arbeiten. So vergeben sie in der Umfrage auch durchschnittliche Noten für die Arbeitsbelastung und melden, dass Teilzeitarbeit grundsätzlich möglich sei. Aber auch hier hapert es anscheinend noch an einer einheitlichen Umsetzung. Einige Associates wünschen sich, dass Home­office tatsächlich eingeführt wird. Auch „mehr Vertrauen in die Belegschaft und deren Eigenverantwortlichkeit“ und „keine Facetime, wie in manchen Teams üblich“ stehen auf der Wunschliste. Andere Associates vermelden das Gegenteil und betonen „flexible Arbeitszeiten, keine Facetime.“

Mehr Frauen in der Partnerschaft. Die uneinheitlichen Teilzeitbedingungen schlagen sich auch auf die Bewertung der Vereinbarkeit von Karriere und ­Familie nieder, die in der azur-Associate-Umfrage allenfalls von unten am Marktdurchschnitt kratzt. Besonders positiv bewerten Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage hingegen die Gleichberechtigung unabhängig vom persönlichen Hintergrund. Das gilt auch für gleiche Chancen von Männern und Frauen. Zwar ist die deutsche Vollpartnerschaft bislang noch eine reine Männerrunde, doch möchte die Kanzlei das auf internationale Initiative hin zumindest ändern. Ein „Programm zur Erhöhung des Frauenanteils in der Partnerschaft“ fällt den Associates in der azur-Umfrage positiv auf. Es soll gezielt Karrierehindernisse für Frauen aus dem Weg räumen.

„Wegen des Start-up-Charakters der Kanzlei ist die Atmosphäre sehr dynamisch und die Partner ­suchen nach neuen Möglichkeiten, eine ausge­wogene Arbeitsatmosphäre zu schaffen“

„Übernahme der Kosten des Fachanwaltskurses“

„Homeoffice wird teamabhängig angeboten“

„Ich sehe schlechte bis keine Aufstiegschancen“

„Wenig Vertrauen in die Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeiter“

„Gehälter sind teilweise unfair“

„Aufstrebende Kanzlei auf Wachstumskurs – manchmal scheint die Strategie nicht ganz klar“

„Gutes Betriebsklima, hohe Internationalität“

„Die ambitionierten Ziele werden beim derzeitigen Set-up nicht realisierbar sein“

▪ Promotionsstipendium für verschiedene Rechts­gebiete

▪ Interne Weiterbildungsakademie im Aufbau

▪ Diverse Netzwerkgruppen (Family-Support, LGBT oder Multi-Faith)

Die redaktionellen Arbeitgeberbewertungen geben den Stand der Druckausgabe von azur100 2019 wieder (Erscheinungstermin: 14. März 2019) und werden nicht laufend aktualisiert.
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