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18.05.2020 | Autor/in: Anika Verfürth

Partnerschaft: Willkommen im Club

Für viele Juristen ist der Titel ‚Partner‘ die Krönung ihrer Associate-Laufbahn. Doch eine Garantie für diesen Karriereschritt kann ihnen keiner geben. Neben Strategie und Durchhaltevermögen spielt auch eine Portion Glück eine Rolle.

Partner – das sind Verbündete, Begleiter, Kollegen und wirtschaftlich vor allem Teilhaber einer Kanzlei. Bis zum Tag der Aufnahme in den Gesellschafterkreis gehört man nicht dazu, arbeitet für einen Partner oder an der Seite eines Partners in einem Team. Aber intern und extern vor Mandanten ist erst der Titel ‚Partner‘ die Krönung, der am Ende einer immer länger werdenden Associate-Laufbahn liegt.

Als „große Erleichterung“ und „schlichte Dankbarkeit“ beschreiben junge Neupartner gegenüber der azur-Redaktion das Gefühl, das sie bei der Zusage über die Aufnahme in die Partnerschaft überkam. Dabei ist die Ernennung zum Partner keine Belohnung für das Vergangene. Es ist eine Wette auf die positive Zukunft, das Vertrauen durch die anderen Teilhaber der Kanzlei, dass der Kandidat auch die nächsten Jahre und Jahrzehnte profitables eigenes Geschäft generieren wird.

Um Partner mit einem solchen Geschäft großzuziehen, scheuen Kanzleien weder Kosten noch Mühen und investieren umfassend in Ausbildung, Weiterbildung und Förderung von jungen Anwälten. Sie stellen jährlich Hunderte von Associates ein, die sie mit hohen Gehältern und einem Rundum-sorglos-Paket für die ersten Berufsjahre locken. Dass diese Berufseinsteiger alle Partner werden, ist weder realistisch noch gewollt, denn das sichere Versprechen auf eine Partnerschaft kann keine Kanzlei ernsthaft geben. Zu viele Faktoren spielen in den Partnerwerdungsprozess hinein, die nur bedingt beeinflussbar sind – darunter auch Zufall und eine Portion Glück. Ein bisschen Strategie und vor allem den Willen braucht‘s aber schon.

Schon im Studium geht’s los

Wer für sich entschieden hat, dass die Vollpartnerschaft das richtige berufliche Ziel ist, der kann und wird das Ganze strategisch planen, durchdenken und einfädeln, denn die Aufnahme in die Partnerschaft passiert nicht zufällig. Wer ganz nach oben möchte, der sollte jeden Schritt gut überlegt gehen. Das beginnt schon vor dem Berufseinstieg: zum Beispiel bei der Frage, an welcher Universität sich ein LL.M.-Abschluss lohnt, denn ein LL.M.-Jahrgang kann ein eingeschworener Kreis an künftigen Juristen in Top-Positionen sein, sei es in Kanzleien, Unternehmen oder in der Politik – und das weltweit.

Je zentraler ein internationales Netzwerk für das spätere Fachgebiet ist, desto wichtiger wird so ein Abschluss für die Karriere. Auch Praktika, wissenschaftliche Mitarbeit, ein Dissertationsthema und vor allem die Stationen im Referendariat sind wichtige Bausteine, die wertvolle Erfahrungen und Kontakte in die spätere Arbeitswelt mit sich bringen können.

Gute Chancen bei den Mittelständlern

Laut der aktuellen azur-Associate-Umfrage haben immerhin rund die Hälfte der Teilnehmer das Ziel, Partner zu werden: Besonders gut beurteilen jene Anwälte ihre Chancen, die in kleineren, teils mittelständisch orientierten Einheiten wie Aulinger, Alpmann Fröhlich oder BMH Bräutigam & Partner arbeiten. Eher schwarz sehen die Teilnehmer aus US-Kanzleien wie Cleary Gottlieb Steen & Hamilton, Weil Gotshal & Manges oder WilmerHale ihre Partnerchancen. Aber auch in den britischen Kanzleien mit großen Büros in Deutschland wie Clifford Chance oder Freshfields Bruckhaus Deringer beurteilen die Associates laut azur-Umfrage ihre Partnerchancen unterdurchschnittlich.

Insgesamt sind die Teilnehmer der aktuellen azur-Umfrage nicht besonders zufrieden, was ihre Aussichten auf die Partnerschaft betrifft. Bei der Frage, was sich die Anwälte von ihrem Arbeitgeber auf dem Weg nach oben wünschen, ist die überwiegende Forderung unter den Umfrageteilnehmern: mehr Transparenz und Kommunikation. Sie kritisieren immer wieder, dass Vorgaben für die nächste Karrierestufe auf dem Weg zur Partnerschaft klarer kommuniziert werden müssen, und wünschen sich, frühzeitig in die Mandantenakquise eingebunden zu werden. „Wie soll man es denn lernen, wenn man es nie mitbekommt?“, fragt ein Teilnehmer. Dabei werden genug Partner ernannt: Allein 2019 ernannten die von JUVE als Top 50 bewerteten Wirtschaftskanzleien in Deutschland 396 Partner und Counsel. Das klingt viel, aber die Zahl beinhaltet auch Titel wie Salary-Partner, Counsel, Senior Counsel oder Associated Partner.

Nasenfaktor zählt

Doch wie geht es denen, die den Schritt in die Partnerschaft gewagt und geschafft haben? In einer Kurzumfrage haben einige der im Jahr 2019 neu ernannten Partner anonymisiert ihre wichtigsten Schritte auf dem Weg zur Partnerschaft mitgeteilt. Dabei sind sich alle einig: Das Wichtigste ist, inner- und außerhalb der Kanzlei sichtbar zu sein. „Ohne einen Befürworter wird niemand Partner, das ist klar“, sagt eine junge Partnerin in Bezug auf ihren Mentor in der Kanzlei. Ein anderer nennt es „Nasenfaktor“: Schließlich wird in der Partnerrunde persönlich darüber abgestimmt, wer ein Aufnahmekandidat ist. Ist dieser den anderen Partnern unbekannt oder kaum aufgefallen, dann heben sie im Zweifel auch nicht die Hand für ihn.

Sich hervorzuheben und bekannt zu machen wird naturgemäß schwieriger, je größer die Kanzlei ist. Wenn dann auch noch eine internationale Partnerriege über die eigene Karriere entscheidet, scheint es vielen jungen Anwälten unerreichbar, hier jemals Fuß zu fassen. Wie die jungen Partner in der Kurzumfrage zurückmelden, kann gerade für Anwälte in international aufgestellten Großkanzleien ein Secondment, also eine Zeit in einem ausländischen Büro oder gar bei einem Mandanten, sowie sonstiges Kanzlei-Engagement förderlich sein. „Man muss Sonderaufgaben übernehmen, die der Kanzlei oder der Steigerung der eigenen Bekanntheit dienen“, rät ein gerade neu ernannter Partner. Dazu zählen auch die Referendarbetreuung, die Koordination von Pitches oder Wissensmanagement. Auch wer publiziert oder Vorträge auf internen oder externen Veranstaltungen hält, macht auf sich aufmerksam.

Oft bleibt bei einem durchschnittlichen Wochenarbeitspensum von laut azur-Umfrage rund 53 Stunden wenig Zeit für ein solches Engagement. Deshalb kritisieren auch viele Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage, dass ihr Partner ihnen keine Zeit und kein Budget für eigenes Netzwerken oder zum Veröffentlichen lasse. Trotz voller Arbeitstage noch eine zusätzliche Portion Ehrgeiz zu zeigen, ist dennoch entscheidend: „Man darf das Ziel nicht aus den Augen verlieren, gerade weil der Partnertrack sehr viel Engagement und persönliches Investment bedeutet“, blickt ein junger Partner auf seine vergangenen Jahre zurück, erkennt aber: „Gleichzeitig sind Ausdauer und Fokus Eigenschaften, die später als Partner ebenso von Vorteil sind.“

Wo ein Wille ist, ist auch (k)ein Weg

Parallel zur Auslastung und der Netzwerkpflege müssen sich Associates einen Business Case ­aufbauen. Akquise und Kontaktpflege, so meint ein frisch ernannter Partner, seien der entscheidende Schlüssel für den Business Case. Das Ziel: sich zu einem Experten zu entwickeln, dessen Fachwissen in genau dieser Besetzung in der Partnerschaft noch nicht vorhanden ist und mit dem sich nachhaltig Umsätze generieren lassen. Hierfür ist die Rolle des Mentors zentral. Er muss dem jungen Anwalt Freiräume schaffen, in denen er kreativ sein Profil entwickeln und etwa darüber nach­denken kann, woher die Mandate kommen sollen.

Gleichzeitig sollte er als erfahrener Anwalt dabei helfen, die Geschäfts- und Entwicklungsfelder zu analysieren und den künftigen Bedarf einzuschätzen. Zudem muss ein junger Partner zu einer Partnerpersönlichkeit heranwachsen, dazu zählt der Einsatz für den Mandanten und die damit verbundene Dienstleistungsmentalität. Auch hier ist die harte Schule der Associate-Zeit nicht unwesentlich: „Im Laufe der Jahre als Associate müssen die Fähigkeiten zum Umgang mit Mandanten entwickelt und geschult werden“, meint ein junger Partner. Dazu zählen das Auftreten, die Überzeugungskraft, aber auch das Gespür für Situationen und Emotionen, das Erwartungsmanagement und der Geschäftssinn.

Doch selbst wenn ein junger Anwalt sich zu Beginn seiner Karriere noch so sehr vornimmt, Partner zu werden: Ein Rezept oder eine Garantie dafür gibt es nicht. „Selbst wenn man alle Anforderungen erfüllt, besteht schlicht und ergreifend kein Anspruch darauf, in die Partnerschaft aufgenommen zu werden“, sagt ein kürzlich ernannter Partner einer Großkanzlei. „Am Ende darf man wirklich dankbar dafür sein, wenn einem die Partnerschaft das Vertrauen schenkt.“