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04.01.2021 | Autor/in: Ludger Steckelbach

Partnerernennungen: In diesen Kanzleien kommen Frauen am besten voran

400 neue Partner und Counsel haben die wichtigsten deutschen Wirtschaftskanzleien im Jahr 2020 ernannt. Die große Mehrheit davon bleibt männlich. Doch die Frauenanteile haben sich unterschiedlich entwickelt, wie eine exklusive Auswertung aller Beförderungen ergibt: Im Rechtsgebiet Konfliktlösung stieg ihr Anteil auf über ein Drittel. Von allen Kanzleien erreichen die britischen Sozietäten und die Konzernberater besonders hohe Quoten.

Der Frauenanteil unter den JUVE-Top-50-Kanzleien lag bei den Ernennungen wie im Vorjahr bei insgesamt 29 Prozent. Je nach Kanzleigruppe variiert dieser Anteil. Die vier Kanzleigruppen sind die Mittelstandsberater, die Konzernberater, die Transaktionsberater und die Spezialisten. 

Die Mittelstandsberater mit ihrem Schwerpunkt mittelständische Mandanten und öffentliche Hand liegen mit 28,5 Prozent nahe am Mittelwert. Überdurchschnittlich viele Frauen ernannten die Konzernberater, die einen Beratungsschwerpunkt bei den Industriemandanten haben. Inzwischen geben Konzerne bei einer Mandatsvergabe häufiger vor, dass Kanzleien Diversity liefern. Mit der niedrigsten Quote bilden Transaktionsberater mit Mandanten aus dem Bank- und Finanzwesen als Schwerpunkt das Schlusslicht. 

Zur Kategorie der Spezialisten mit eindeutigem Schwerpunkt auf einzelnen Rechtsgebieten, etwa Öffentlichem Recht oder Steuerrecht, gehören mit Redeker Sellner Dahs und Flick Gocke Schaumburg nur zwei Top-50-Kanzleien. Daher können wir für diese Gruppe keinen aussagekräftigen Mittelwert darstellen.

Häufig unterscheidet sich die Kanzleipolitik nach den Herkunftsgebieten der Kanzleien. Britische Kanzleien haben in diesem Jahr daran gearbeitet, ihre Diversity zu verbessern. Sie steigerten ihren Frauenanteil mit einem überdurchschnittlichen Anteil von 30,6 Prozent der Ernennungen. Mehr Geduld brauchen weibliche Associates bei den globalen Sozietäten. Hierunter versteht JUVE Sozietäten, die keinen deutlichen Schwerpunkt in einem der drei Hauptländer Deutschland, Großbritannien oder USA haben, wie etwa Dentons oder Hogan Lovells. Diese Gruppe kommt nur auf 24,8 Prozent.

Arbeitsrecht am weiblichsten

Die Beförderung von Frauen variiert je nach Rechtsgebieten erheblich, dies war auch im Vorjahr so. Mit jeweils 14 Neuernennungen kommen das Arbeitsrecht und die Konfliktlösung auf Quoten von 40 sowie 38 Prozent und damit auf die höchsten Frauenanteile. 

In anderen großen Rechtsgebieten wie dem Steuerrecht oder dem Bau- und Immobilienrecht gehen mehr als drei Viertel der Beförderungen an Männer.

Deutliche Unterschiede fallen selbst zwischen den benachbarten Disziplinen der Gruppe Corporate/M&A/Private Equity/Venture Capital auf: Im Gesellschaftsrecht sind 42 Prozent der Neuen weiblich, im Private Equity nur 14 Prozent. (Ludger Steckelbach, Marc Chmielewski)

 

Die ausführliche Analyse der Partner- und Counsel-Ernennungen 2020 findet sich in der aktuellen Ausgabe 1/2021 des JUVE Rechtsmarkt.