azur100
06.03.2020 | Autor/in: Eva Flick
Themen in diesem Artikel:

Osborne Clarke – Top-Arbeitgeber – Platz 47

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Sehr gutes Arbeitsklima“

„Flache Hierarchien werden gelebt“

„Die Türen stehen immer offen“

„Zu wenige Frauen in der Partnerschaft“

„Manchmal etwas chaotisch“

„Weiterbildung könnte stärker im Fokus stehen“

„Gehalt zu niedrig für die Arbeitsbelastung“

„Zunehmend starke Mandate“

„Fokussiert auf IT“

▪ Enge Anbindung an den Mentor

▪ Weiterbildungsprogramm mit regelmäßigen monatlichen Veranstaltungen

▪ Early-Bird-Schulungen zu einem festen Themenkreis

▪ Frühstücksreihe zu Technologiethemen

▪ Diversity-Vorbilder in der gesamten Kanzlei

Über den Arbeitgeber

Wieder auf Kurs. Nach eher kritischen Stimmen im Vorjahr hat sich die Zufriedenheit der Associates bei der Kanzlei mit Technologiefokus wieder verbessert – die Note ist überdurchschnittlich gut. Das gilt auch fürs Betriebsklima: „Die Partnerschaft hat sich das Feedback der Associates echt zu Herzen genommen. Weiter so!“, stellt ein Teilnehmer der azur-Umfrage fest. Andere loben die flachen Hierarchien und die aktive Beteiligung der Associates an der Ausrichtung der Kanzlei. Es finden sich sogar einige geradezu überschwängliche Kommentare: „OC ist mega“ ist genauso zu lesen wie „tolle Kanzlei“.

Der Nachwuchs lernt im Team. Ein strukturiertes Gruppenpraktikum, das viele Wettbewerber dieser Größenordnung anbieten, sucht man bei Osborne Clarke vergebens, stattdessen setzt die Kanzlei auf Teamarbeit und die intensive Einbindung ins Mandat. Entsprechend durchwachsen fällt die Rückmeldung in der azur-Bewerberumfrage aus. Ein Ehemaliger lobt: „Ich wurde sehr viel eingebunden und habe sehr gutes Feedback bekommen.“ Ein anderer beklagt: „Die Partner nehmen sich sehr wenig Zeit, ich saß drei Monate nur rum.“ Zwar können Praktikanten und Referendare am regulären Weiterbildungsprogramm teilnehmen, spezielle Kurse gab es bislang aber nicht. Das ändert sich zumindest teilweise: Ab 2020 dürfen Referendare an einem Klausurenkurs mit 15 Klausuren teilnehmen. Damit nähert sich OC dem Marktstandard ein wenig an.

Virtuelle Realität zum Frühstück. Für ihre Associates hat die Kanzlei vor einigen Jahren ein Aus- und Weiterbildungscurriculum gemeinsam mit Bucerius Education entwickelt. Dazu gehören Seminare zu Fachthemen genauso wie zu Soft Skills wie Verhandlungsführung oder Netzwerken. In Kleingruppen finden außerdem IT-Schulungen und Englischunterricht statt. Neu sind wöchentliche sogenannte „Early-Bird-Schulungen“: Via Skype werden morgens um halb zehn innerhalb von 30 bis 90 Minuten knapp 40 wiederkehrende Themen behandelt, sodass jeder die Möglichkeit hat, alle Schulungen zu besuchen. Legal-Tech-Themen stehen bei einer Frühstücksreihe mit in- und externen Sprechern auf der Tagesordnung. Insgesamt kann die Kanzlei Wettbewerbern in Sachen Weiterbildung durchaus das Wasser reichen. In der azur-Associate-Umfrage loben die Teilnehmer das Engagement der Partner und die Flexibilität und „großzügige Handhabe im Umgang mit Wünschen“. Die Note, die sie ihrer Kanzlei geben, bleibt allerdings, wie schon in den Vorjahren, unterdurchschnittlich. Die Associates fordern unter anderem „regelmäßigere Veranstaltungen an allen Standorten“.

Arbeiten am Wochenende? Nur im Notfall. Associates arbeiten bei Osborne Clarke laut azur-Umfrage knapp 51 Wochenarbeitsstunden. Damit geht in den OC-Büros etwas früher als bei den Kollegen in anderen Kanzleien das Licht aus: Der Marktdurchschnitt liegt bei rund 53 Wochenstunden. Ihre Work-Life-Balance bewerten die Junganwälte entsprechend positiv. Das ist ein Fortschritt im Vergleich zum Vorjahr, als die Note noch deutlich schlechter ausfiel. Trotzdem sind die Umfrageteilnehmer mit ihrer Arbeitsbelastung nicht zufrieden und geben eine unterdurchschnittliche Note. Allerdings hatte die Kanzlei früher immer damit zu kämpfen, dass das Gehalt im Vergleich zur Arbeitsbelastung von den Associates als zu niedrig empfunden wurde. Das ist nun anders: Nach einer Gehaltserhöhung sind die Anwälte zufriedener als in den Vorjahren.

Vereinbarkeit von Karriere und Familie. Neben der Work-Life-Balance heimst Osborne Clarke auch für die Vereinbarkeit von Karriere und Familie überdurchschnittliche Noten ein. Ein Umfrageteilnehmer lobt das „absolute Grundverständnis“ für die Herausforderungen, die das Thema mit sich bringt. Dass Teilzeit auf allen Ebenen möglich ist und auch gelebt wird, ist dafür ein Indiz. Eine Baustelle bleiben allerdings die Aufstiegschancen für Frauen. In den vergangenen Jahren ist keine Anwältin in die Partnerriege aufgenommen worden, von 51 Partnern sind lediglich sechs Frauen. „Dabei gibt sich die Kanzlei als weltoffen und tolerant, was in vielen Punkten auch stimmt“, schreibt ein Teilnehmer. Die Note für die Gleichbehandlung von Frauen und Männern ist schlechter als der Durchschnitt. Dagegen sind die Anwälte mit der Gleichbehandlung unabhängig von Herkunft und sexueller Orientierung sehr zufrieden.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 20 bis 25

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): max. 5

Referendarplätze 2020: 60         

Praktikumsplätze 2020: 40

Insgesamt 18 Punkte in beiden Staatsexamen wünscht sich Osborne Clarke von ihren Bewerbern. Gleichzeitig betont die Kanzlei, dass Noten nicht alles entscheiden. Vielmehr legt sie Wert auf das Gesamtprofil des Bewerbers. Lebensläufe mit besonderen Stationen, die vom Standard abweichen, bringen Pluspunkte, ebenso passende Schwerpunkte, eine Promotion, Auslandserfahrung und praktische Erfahrungen in bestimmten Branchen. Für Vorstellungsgespräche existiert keine feste Struktur, sie variieren je nach Praxisgruppe. Das erste Gespräch führen ein oder zwei Partner, aber auch andere Teammitglieder können dabei sein. Im zweiten Gespräch steht dann das Kennenlernen des gesamten Teams im Vordergrund. In der azur-Bewerberumfrage loben die Teilnehmer den Bewerbungsprozess: Die Gespräche seien „angenehm“, „unkompliziert“ und „locker“ gewesen.

Standorte in Deutschland: Berlin, Köln, Hamburg und München

Internationale Präsenz: Die Kanzlei unterhält 25 Büros in 13 Ländern, unter anderem im Silicon Valley und in New York. Zuletzt eröffnete sie ein Büro in Stockholm.

Anwälte in Deutschland: 51 Partner, 22 Counsel und 80 Associates

Frauenanteil Anwälte: 31,4%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 4 (davon eine Frau)

Umsatz in Deutschland 2018: 44,4 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 325.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Dank ihrer Fokussierung auf technologienahe Branchen verbuchte Osborne Clarke ein sehr erfolgreiches Jahr – nicht zuletzt wegen ihrer im Marktvergleich großen TMT-Praxis, die sich die Themen Datenschutz und Digitalisierung früher auf die Fahnen geschrieben hat als viele Wettbewerber. Wichtiges Standbein bleibt ebenso die renommierte Venture-Capital-Praxis. Für Aufsehen sorgte etwa die regelmäßige Mandatierung durch die Berliner Smartphone-Bank N26.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 450 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 600 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 750 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 600 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:
1. Jahr: 90.000 Euro
2. Jahr: 90.000 Euro
3. Jahr: 100.000 Euro plus Bonus bis 5.000 Euro
4. Jahr: 100.000 Euro plus Bonus bis 5.000 Euro
5. Jahr: 110.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro
6. Jahr: 110.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Vier Jahre lang bleiben Berufseinsteiger auf der Stufe des Associates, bis sie im fünften Jahr zum Senior Associate aufsteigen können. Ab dem siebten Berufsjahr steht der Counsel-Status an, der hier nicht – wie teilweise bei Wettbewerbern üblich – als Zwischenstation verstanden wird, sondern durchaus von Dauer sein kann. Dieses System besteht nun schon seit vier Jahren und stößt bei den Associates auf positive Resonanz. In der azur-Associate-Umfrage äußern sie sich überdurchschnittlich zufrieden mit ihren Chancen auf die Vollpartnerschaft und ihren alternativen Karrieremöglichkeiten. Sie loben eine „individuelle Förderung“, „regelmäßige Feedbackgespräche“ und ein „hohes Maß an Verantwortlichkeit“.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.