azur100
04.03.2021 | Autor/in: Eva Flick
Themen in diesem Artikel:

Osborne Clarke – Top-Arbeitgeber – Platz 34

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Sehr gutes Arbeitsklima“

„Nirgends erhält man als junger Anwalt so früh Verantwortung“

„Das Management ist großartig “

Kritik von den eigenen Associates

„Manchmal ist die Arbeitsbelastung sehr hoch“

„Mehr fachspezifische Weiterbildung wäre gut“

Was externe Juristen über OC sagen

„Einfach sympathisch, gute Arbeitsatmosphäre“

„Erste Adresse im IT-Recht“

„Verkauft sich etwas unter Wert“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Enge Anbindung ans Team und an den Mentor
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Weiterbildungsprogramm mit regelmäßigen monatlichen Veranstaltungen
  • Early-Bird-Schulungen zu einem festen Themenkreis
  • Einzelcoaching bei anstehender Beförderungsrunde
Highlights Diversity
  • Diversity-Vorbilder in der gesamten Kanzlei

Britische Kanzlei mit Techie-Herz

Hier scheint oft die Sonne. Die Associates bei Osborne Clarke (OC) überschütten ihren Arbeitgeber in der aktuellen azur-Umfrage geradezu mit Lob. Nahezu alle Noten sind überdurchschnittlich. „Das Management nimmt sich der Probleme in der Kanzlei an“, lobt ein Teilnehmer. Viel Gutes ist auch über den Teamgeist zu lesen: „jung, modern, flexibel und sehr innovativ, ohne Ausleben von Hierarchien oder Positionen“, „tolle Atmosphäre, spannende Aufgaben und sehr nette Kollegen“. Einer fasst zusammen: „Macht einfach Spaß hier.“

Praktikanten und Referendare lernen im Team. Die Kanzlei bildet ihren Nachwuchs nach wie vor nach dem Motto ‚Training on the Job‘ aus, ausgeklügelte Programme gibt es hier – anders als bei vielen Wettbewerbern dieser Größenordnung – nicht. Trotzdem sind die Teilnehmer der Bewerberumfrage zum großen Teil zufrieden mit ihrer Stage. Ein ehemaliger Praktikant lobt „abwechslungsreiche Aufgaben und offene Türen“, ein Referendar bewertete die Zeit als „gut“, merkte aber an, er habe manchmal wenig zu tun gehabt. Ein anderer Referendar sieht Licht und Schatten: Die Inhalte seien vielleicht nicht immer „top of the pops“ gewesen, aber alle hätten sich „extrem viel Zeit genommen und viel erklärt“. Neuerdings finanziert die Kanzlei ihren Referendaren 15 Klausuren bei Kaiserseminare, womit sie bezüglich der Examensvorbereitung zumindest zum Marktstandard aufschließt.

Ausbildung mit Fokus auf Digitalisierung. Nur wenige Kanzleien stellen die Digitalisierung so in den Mittelpunkt wie OC. Das schlägt sich auch in der Ausbildung nieder. Die Associates wissen das in der Umfrage zu schätzen. Es gäbe „tolle Events rund um Digitalisierung und eine App mit News“ sowie ein großes Onlineangebot an Seminaren und ein neues Format: eine Veranstaltungsreihe zur Digitalisierung der Rechtsbranche im Zweiwochentakt. Neben ihrer internen Fortbildungsreihe, die OC gemeinsam mit Bucerius Education abhält und die fachliche Seminare sowie solche zu Soft Skills umfasst, können die Associates auch an externen Schulungen teilnehmen. Diese – so schreibt es ein Umfrageteilnehmer – bewilligt die Kanzlei „großzügig“. Insgesamt bleibt die Note für Weiterbildung trotz dieses Angebots leicht unter dem Durchschnitt.

Karriere und Familie klappt weitgehend. Anders als in vielen Großkanzleien sind die Associates laut azur-Umfrage mit der Vereinbarkeit von Karriere und Familie zufrieden. Sie loben die „großzügige Homeoffice-Regelung, auch bevor es durch Corona erforderlich wurde“. In Köln trägt offenbar auch das neue Bistro dazu bei, in das die Familie zum gemeinsamen Mittagessen kommen kann. Teilzeit ist jedoch nicht überall in der Partnerschaft willkommen. Zwar arbeiten drei Equity-Partnerinnen mit reduzierter Stundenzahl und dienen so als Vorbild, ein Umfrageteilnehmer stellt aber fest, Teilzeit sei „bei den Anwälten teilweise verpönt“. Der Frauenanteil unter Partnern ist tatsächlich ausbaufähig: Nur sieben der 53 Vollpartner sind weiblich.

Rücksicht aufs Privatleben. Auch bei der Work-Life-Balance kommt die Kanzlei im Marktvergleich gut weg. „Fußballtraining abends kein Problem“, hält einer fest. Das hängt auch mit der Wochenarbeitszeit zusammen, die laut azur-Umfrage mit fast 50 Stunden mehr als zwei Stunden unter dem Durchschnitt liegt. Die OC-Associates wissen zu schätzen, dass Urlaub auch wirklich Urlaub ist, diesbezüglich gäbe es eine „klare Ansage“, und der Chef „schickt einen bei zu langer Tätigkeit ausdrücklich nach Hause“. Nur einer stellt fest: „Der Fokus ist klar auf Umsatz gerichtet“ – auch bei OC kann die Sonne nicht immer scheinen.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 15 bis 30

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angabe

Referendarplätze 2021: 30              

Praktikumsplätze 2021: 20

Osborne Clarke wünscht sich wie viele Wettbewerber insgesamt 18 Punkte in beiden Staatsexamina von ihren Bewerbern. Aber Noten entscheiden hier nicht alles, vielmehr legt sie Wert auf das Gesamtprofil. Lebensläufe mit besonderen Stationen, die vom Standard abweichen, bringen Pluspunkte, ebenso passende Schwerpunkte – etwa im Technologiebereich –, eine Promotion, Auslandserfahrung und praktische Erfahrungen in bestimmten Branchen. Für Vorstellungsgespräche existiert keine feste Struktur, sie variieren je nach Praxisgruppe. Das erste Gespräch führen ein oder zwei Partner, aber auch andere Teammitglieder können dabei sein. Im zweiten Gespräch steht dann das Kennenlernen des gesamten Teams im Vordergrund. In der azur-Bewerberumfrage loben die Teilnehmer den Bewerbungsprozess. Das Gespräch habe in „ungezwungener Atmosphäre“ stattgefunden, war „angenehm und unkompliziert“, „extrem schnell und nett“.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Berlin, Köln, Hamburg und München

Internationale Präsenz: Die Kanzlei unterhält 24 Standorte in 13 Ländern, dazu zählen Büros im Silicon Valley und in New York. Sie arbeitet international integriert als Schweizer Verein mit Großbritannien, Spanien, Italien, den Niederlanden, Frankreich und Brüssel.

Anwälte in Deutschland: 53 Vollpartner, 21 Counsel, 99 Associates und 1 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 33,3 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 5

davon Frauen: 3

Umsatz in Deutschland 2019: 47 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 347.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 450 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 750 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 900 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 750 Euro/Wochenarbeitstag; max. 3.750 Euro/Monat

Associates:

1. Jahr: 90.000 Euro

2. Jahr: 90.000 Euro

3. Jahr: 100.000 Euro plus Bonus bis 5.000 Euro

4. Jahr: 100.000 Euro plus Bonus bis 5.000 Euro

5. Jahr: 110.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro

6. Jahr: 110.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 45.000 bis 55.000 Euro

Karriere und Partnerschaft

Vier Jahre lang bleiben Berufseinsteiger auf der Stufe des Associates, bis sie im fünften Jahr zum Senior Associate aufsteigen können. Ab dem siebten Berufsjahr steht der Counsel-Status an, der hier nicht – wie teilweise bei Wettbewerbern üblich – als Zwischenstation verstanden wird, sondern durchaus von Dauer sein kann. Dieses System besteht nun schon seit fünf Jahren und stößt bei den Associates auf positive Resonanz – zumal sie neuerdings bei anstehender Beförderung in den Genuss von Einzelcoachings kommen. In der azur-Umfrage äußern sie sich überdurchschnittlich zufrieden mit ihren Chancen auf die Vollpartnerschaft und ihren alternativen Karrieremöglichkeiten. Sie loben die „transparenten Anforderungen in Beförderungsprozessen“ und „sehr viel Freiraum für Business Development und somit die Möglichkeit, auch Wahrnehmung im Markt zu gewinnen“.2021 ernannte die Kanzlei drei Partner und zwei Counsel.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


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