azur100
06.03.2020 | Autor/in: Helena Hauser
Themen in diesem Artikel:

Oppenhoff & Partner – Top-Arbeitgeber – Platz 29

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Sehr gute Betreuung der Junganwälte“

„Tolles Ausbildungsprogramm“

„Sehr netter und offener Laden“

„Mitarbeiter im Kölner Büro werden teilweise bevorzugt behandelt“

„Die Einstellung zu Homeoffice sowie flexiblen Arbeitszeiten ist nicht mehr zeitgemäß“

„Mehr Freiräume für die Entwicklung des Business Case wären schön“

„Realistische Aufstiegschancen, auf Senior-Ebene teilweise exzentrische Partner“

„Fachlich exzellent, familiär und doch fokussiert“

„Teilweise sehr konservativ“

▪ Sechswöchiges Sommerpraktikum mit Workshops und Bearbeitung eines fiktiven Falls mit einer echten Mandantin

▪ Regelmäßige Tutorials zu Rechtsthemen, Seminare zur Examensvorbereitung, Aktenvortragstraining

▪ OLG-Richter halten Crashkurse zu Zivil-, Strafprozessrecht, Verwaltungsrecht

▪ Monatliche Vorträge zu Rechts- und Branchenthemen, wöchentlicher Legal-English-Kurs und Soft-Skills-Seminare

▪ Kursreihe „BWL für Juristen“

▪ Geschäftsentwicklungsseminare und Pitch-Training mit erfahrenen Partnern

▪ Job-Sharing-Modell

▪ Geschäftsentwicklungsseminar für Frauen

Über den Arbeitgeber

Läuft bei dir. Die rosarote Brille ist zum ständigen Accessoire geworden: Laut azur-Umfrage sind die Oppenhoff-Associates erneut sehr zufrieden, mit eigentlich fast allem. „Tolle Arbeitsatmosphäre, gute Partnerchancen, großes Ausbildungsangebot“, lobt ein Associate, „das konservative Image der Kanzlei ist überholt“, findet ein anderer. Für die Zufriedenheit der Associates tut die Kanzlei einiges: Das im Marktvergleich bereits üppige Ausbildungsprogramm hat sie noch weiter ausgebaut. Neben der Arbeit in einer Praxisgruppe ist der Nachwuchs jetzt auch in die neu aufgestellten praxisübergreifenden Sektorgruppen eingebunden und kann so spannende Branchenentwicklungen, etwa zum autonomen Fahren oder KI, hautnah miterleben. Neu sind auch sogenannte ‚Hackathons‘. In monatlichen Tutorials und Seminaren lernen Associates neben anwaltlichen Themen Gesprächsführung, Verhandlungstechniken oder Mandantenkommunikation. Unterstützung holt sich Oppenhoff dafür von der Bucerius Law School. Wem das alles nicht reicht, kann sein Fortbildungsbudget von zusätzlich 2.500 Euro nutzen und externe Veranstaltungen besuchen.

Auf Partnertrack. Partner ernennt Oppenhoff regelmäßig. Um den Nachwuchs darauf vorzubereiten, gibt es strukturiertes Feedback vom Leitpartner. In Seminaren zur Geschäftsentwicklung teilen erfahrene Partner ihr Wissen mit dem Nachwuchs. Darüber hinaus haben die Associates ein Budget, um eigene Mandanten- und Networkingveranstaltungen zu organisieren. „Die Kanzlei ist wirklich daran interessiert, dass man einen eigenen Partner Case aufbaut“, schreibt ein Associate. Die Voraussetzungen für den nächsten Karriereschritt hat Oppenhoff zuletzt genau festgelegt und transparent gemacht. Obwohl die Associates laut azur-Umfrage zufrieden mit der Gleichbehandlung von Frauen und Männern sind, ist der Frauenanteil in der Vollpartnerschaft nach wie vor verschwindend gering. Ein neues Seminar zur Geschäftsentwicklung für Anwältinnen soll das ändern.

Praktikum an der Marktspitze. Studierende bekommt mit dem strukturierten Sommerpraktikum mehr als in vielen andereren Kanzleien: 15 angehende Anwälte lernen in sechs Wochen zwei Fachbereiche kennen. Fachliches Wissen vermittelt eine Reihe von Workshops, etwa zu aktuellen Rechtsthemen, Verhandlungsmanagement und M&A. Oben drauf gibt es einen Legal-English-Kurs und eine Fallstudie – Praktikanten bearbeiten für einen echten Mandanten der Kanzlei einen Fall – inklusive Präsentation. „Hervorragendes und spannendes Praktikum“, lobt ein ehemaliger Teilnehmer.

Intensive Examensvorbereitung. Auch das Referendarprogramm kann sich sehen lassen. Neben einer intensiven fachlichen Ausbildung können Referendare aus einem breiten Angebot an Soft-Skills-Schulungen wählen. Zusätzlich gibt es ein umfangreiches Angebot für die Examensvorbereitung, Examenskoffer inklusive. Regelmäßig üben Referendare Aktenvorträge und bekommen von OLG-Richtern Crashkurse fürs Examen – neben Zivilprozessrecht und Verwaltungsrecht jetzt auch im Strafprozessrecht. Wer Auslandserfahrung sammeln will, kann auf das Netzwerk der Kanzlei setzen – Oppenhoff vermittelt, wenn möglich, Referendare an befreundete Kanzleien im Ausland, etwa nach New York und London.

Immer schön flexibel bleiben. Laut azur-Umfrage sind die Associates überdurchschnittlich zufrieden mit der Vereinbarkeit von Karriere und Familie. Oppenhoff wagt sich dafür auf zumindest in der Kanzleiwelt neues Terrain vor: In der M&A-Praxis arbeiten seit vergangenem Jahr zwei Anwältinnen auf einer Stelle – das zeitlich schwer planbare Geschäft wird so auch für berufstätige Eltern attraktiver. Sehr zufrieden sind die Associates mit ihrer Arbeitsbelastung, obwohl sie laut azur-Umfrage mit 54 Stunden knapp eine Stunde mehr arbeiten als der Marktdurchschnitt. Der Nachwuchs lobt vor allem die flexiblen Arbeitszeiten, Teilzeitmöglichkeiten und Homeoffice. Einzelne wünschen sich in der azur-Umfrage jedoch eine größere Akzeptanz und bessere IT-Ausstattung fürs Arbeiten zu Hause. Oppenhoff hat reagiert und alle Anwälte mit neuen Laptops ausgestattet. Zudem kooperiert sie mit einem Kindergarten und versucht flexibel auf individuelle Wünsche zu reagieren.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 15 bis 20

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 1 bis 2

Referendarplätze 2020: 15 bis 20            

Praktikumsplätze 2020: 13 bis 15

Am einfachsten gelingt der Einstieg bei Oppenhoff mit überdurchschnittlichen Examensergebnissen. Bringt ein Bewerber aber besondere Zusatzqualifikationen wie Auslandserfahrung und interessante Sprachkenntnisse mit, ist die Kanzlei nicht ganz so streng. Wer sich schon als Referendar bei Oppenhoff bewährt hat, hat gute Chancen, später auch als Anwalt anzufangen. Bewerber bekommen meist innerhalb von einer Woche eine Rückmeldung. Das Erstgespräch führen ein erfahrener Partner und ein jüngerer Kollege. Im Anschluss gibt es ein Mittagessen und die Möglichkeit, sich mit Associates auszutauschen.

Standorte in Deutschland: Köln, Frankfurt und Hamburg

Internationale Präsenz: Die Kanzlei hat sich bewusst gegen ein Best-Friend-Prinzip oder ein festes Netzwerk entschieden und hat kein Auslandsbüro, pflegt aber ein loses internationales Netzwerk.

Anwälte in Deutschland: 26 Vollpartner, 19 Non-Equity-Partner, 34 Associates und 3 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 30,5%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 1

Umsatz in Deutschland 2018: 27,3 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 426.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Bei der Kölner Traditionskanzlei sind zuletzt einige jüngere Anwälte in die Partnerebene aufgerückt, was für einen frischen Wind in der Chefetage sorgt. Neben dem weiterhin wichtigsten Standort in Köln hat Oppenhoff auch das auf Transaktionen fokussierte Frankfurter Büro weiter ausgebaut: Hier kam ein Rechtsanwalts- und Notarduo hinzu.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 600 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 700 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 700 bis 800 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:
1. Jahr: 100.000 Euro
2. Jahr: 107.500 Euro
3. Jahr: 115.000 Euro
4. Jahr: 120.000 Euro plus Bonus
5. Jahr: 120.000 Euro plus Bonus
6. Jahr: 120.000 Euro plus Bonus

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 100.000 Euro plus Bonus ab dem 4. Berufsjahr

Auf dem Weg zur Vollpartnerschaft baut die Kanzlei eine Zwischenstufe ein: Ab dem vierten Berufsjahr werden Associates zu Junior-Partnern, frühestens drei Jahre später steht die Partnerschaft an. Zudem gibt es noch die Position des Salary-Partners. Regelmäßig werden geeignete Kandidaten zu Vollpartnern ernannt. Die Associates beurteilen ihre Partnerchancen in der azur-Umfrage um einiges besser als der Durchschnitt: „Wer einen guten Job macht, hat die Möglichkeit, Partner/in zu werden“, schreibt ein Teilnehmer in der azur-Associate-Umfrage. Zwei Salary-Partner ernannte Oppenhoff im vergangenen Jahr aus den eigenen Reihen. Die Vergütung der Partner erfolgt nach einem modifizierten Lockstep-System. Die Lockstep-Komponente nach Dauer der Zugehörigkeit zur Kanzlei macht 65 Prozent der Vergütung aus, der restliche Teil wird leistungsbezogen ausgeschüttet. Nach diesem System erhalten auch Associates ab dem vierten Berufsjahr ihren variablen Bonus.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.