News
24.11.2020 | Autor/in: Christiane Schiffer
Themen in diesem Artikel:

Null Toleranz für Rassismus

In einer außergewöhnlich deutlichen politischen Botschaft haben sich Chefjuristen internationaler Großbanken an die Öffentlichkeit gewandt. Sie fordern, sich stärker gegen Rassismus und soziale Ungerechtigkeit zu engagieren – auch über die Karriereförderung.

Eine Gruppe aus General Counseln von 12 internationalen Großbanken rufen in einem offenen Brief dazu auf, sich stärker gegen Rassismus und soziale Ungerechtigkeit zu engagieren. Es soll aber nicht bei Worten bleiben: Die General Counsel wollen diese Prinzipien innerhalb ihrer Rechtsabteilungen und bei der Mandatierung von Kanzleien manifestieren. Zu den Unterzeichnern gehören neben Dr. Karen Kuder von der Deutschen Bank und Markus Diethelm von der UBS zehn weitere General Counsel von Goldman Sachs bis zur Citigroup.

„Jeder von uns hat das Gefühl, seine ganz persönlichen Erklärungen abgeben zu wollen, indem er offen sein Engagement für die Bekämpfung von Rassismus und die Förderung von mehr Gleichberechtigung zum Ausdruck bringt, so wie wir es auch in unserem Privat­leben tun könnten.“ Es sind eindringliche Sätze, mit denen 12 juristische Schwergewichte der Finanzbranche Rassismus und Diskriminierung anprangern.

Keine Diskriminierung im Rechtsmarkt

Die Black-Lives-Matter-Bewegung, die nach den tödlichen Schüssen von amerikanischen Polizisten auf schwarze Bürger nicht nur die USA bewegt, hat auch innerhalb der Bankenszene nachhaltigen Eindruck hinterlassen. So nachdrücklich offenbar, dass sich die Chefjustiziare gemeinsam in einem offenen Brief an die „geschätzten juristischen Kollegen“ wenden.

„In diesem Moment stehen wir vor schwierigen, aber notwendigen Fragen über das Fortbestehen von Rassismus und anderen Formen der Diskriminierung und darüber, welche weiteren Schritte wir in unseren Abteilungen und in unserem Beruf unternehmen können, um Veränderungen voranzutreiben.“

Um gemeinsam mehr Veränderungen zu erreichen, haben sich die Unterzeichner auf ein Drei-Säulen-Modell geeinigt, in dem es um Veränderungen in den Rechtsabteilungen, bei den Kanzleien und um soziales Engagement geht.

„Wir müssen uns weiterhin darum bemühen, Talente in unseren Banken mit den Interessengruppen in Kontakt zu bringen, die Einfluss auf Karrieren und Aufstiegschancen haben.“ Dies soll über Talentförderprogramme von nicht-weißen Mitarbeitern geschehen, über integrative Einstellungspraktiken, Mentoring-Programme und Diversity-Schulungen für die gesamte Rechtsabteilung. Hier fängt beispielsweise die Deutsche Bank nicht bei Null an: In der azur-Associate-Umfrage 2019 hatten Teilnehmer bereits die Einrichtung eines Diversity-­Councils positiv hervorgehoben.

Druck auf Kanzleien wächst

Ähnliche Ansprüche stellen sie auch an Kanzleien, mit denen sie künftig zusammenarbeiten wollen: Bevor ein Panel neu besetzt oder ein Mandat vergeben wird, wollen sie mit den Partnern über eine möglichst diverse Zusammenstellung der Teams sprechen. Außerdem sollen vermehrt Kanzleien und Rechtsdienstleister mandatiert werden, in denen nicht-­weiße Partner die Mehrheit haben. Die dritte Säule ihres Engagements gegen Rassismus überschreiben Kuder und Co. mit ‚Soziales Engagement. Damit zielen sie einerseits auf Pro-Bono-Arbeit ab, die Betroffene von sozialer und rassistischer Diskriminierung juristisch unterstützen soll. Außerdem sollen weniger privilegierte Anwälte über Praktika und Partnerschaften mit Kanzleien und Unternehmen unterstützt und gefördert werden.

Der Pharmakonzern Novartis hatte vor Kurzem mit ähnlichen Vorgaben für ihre Panelkanzleien Schlagzeilen gemacht. Er fordert unter Androhung einer Vertragsstrafe eine festgelegte Stundenzahl von divers-gemischten Anwaltsteams.

Ob die Banken so weit gehen werden, geht aus dem Papier nicht hervor, noch handelt es sich um Absichtserklärungen, deren Umsetzung sich auch nach den gesetzlichen, geografischen und kulturellen Begebenheiten der jeweiligen Bank richten soll.

Auch wenn noch keine Einzelheiten über die konkreten Vorgaben bekannt sind, so ist doch eines klar: Ein so offenes politisches Bekenntnis wichtiger Mandanten erhöht den Druck auf Kanzleien, sich ebenfalls klarer zu positionieren.

 

Zeichensetzer

Diese General Counsel sind die Verfasser des offenen Briefes gegen Rassismus.

Romeo Cerutti – Credit Suisse
Markus Diethelm – UBS
Georges Dirani – BNP Paribas
David Fein – Standard Chartered Bank
Stacey Friedman – JPMorgan Chase & Co.
Richard Gray – HSBC
Eric Grossman – Morgan Stanley
Dr. Karen Kuder – Deutsche Bank
David Leitch – Bank of America
Karen Seymour – Goldman Sachs
Stephen Shapiro – Barclays
Rohan Weerasinghe – Citigroup