azur100
06.03.2020 | Autor/in: Eva Lienemann
Themen in diesem Artikel:

Norton Rose Fulbright – Top-Arbeitgeber – Platz 35

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Tolle Flexibilität und eine für Großkanzleien annehmbare Arbeitsbelastung“

„Tolle Stimmung im Hamburger Team, super Umgang unter den Kollegen“

„Eine hervorragende Arbeitsatmosphäre und ein Stück weit gelebte anwaltliche Unabhängigkeit“

„Das Gehalt ist im Vergleich zu anderen Kanzleien eher niedrig, insbesondere, da es mit steigender Seniorität kaum erhöht wird“

„Die deutsche Praxis wird dem internationalen Anspruch der Kanzlei nicht gerecht“

„Behäbiges Management – da ist viel Luft nach oben“

„Gutes Arbeitsklima, flexible Arbeitszeiten, offenes Team“

„Praktisch kein institutionalisiertes Fortbildungsprogramm in den ersten drei Jahren in Deutschland“

„Interessante Mandate, viele gut aufgestellte Teams; Gehalt leider etwas unterdurchschnittlich“

▪ Wahlstation in einem der ausländischen Büros möglich

▪ Regelmäßiges Referendars-/Praktikantenfrühstück

▪ Internationale Fortbildungsworkshops in London

▪ Ab Senior-Associate-Status monatliches Business-Development-Training

▪ 14-tägiger fachlicher Austausch mit allen deutschen Standorten

▪ Teilzeit auf allen Hierarchiestufen möglich

▪ Weltweites Karriere-Coaching-Programm für Frauen

Über den Arbeitgeber

International und ausbalanciert. Bessere Abstimmung zwischen den Teams, strafferes Management – bei Norton Rose Fulbright (NRF) hat sich in den vergangenen Jahren einiges bewegt. Was Associates besonders gefällt, bleibt aber seit Jahren unverändert: NRF steht für einen Arbeitgeber, der internationale Mandate bietet, seine Mannschaft aber nicht durch unmenschliche Arbeitszeiten verheizt. Das beweisen die überdurchschnittlich guten Noten für Internationalität und Work-Life-Balance in der azur-Associate-Umfrage. Doch es herrscht nicht nur eitel Sonnenschein: Mit der stärkeren Kontrolle der Auslastung hadern einige Anwälte und berichten vom „Druck, die abrechenbaren Stunden zu erhöhen“.

Schlau werden in London. Was die Weiterbildung angeht, bleibt NRF hinter ihren Möglichkeiten als Großkanzlei zurück. Die Kanzlei feilt zwar an einem eigenen Ausbildungsprogramm für ihre deutschen Associates, das in diesem Jahr an den Start gehen soll, bis dahin findet Aus- und Weiterbildung aber weiterhin vorwiegend im Londoner Büro statt – dem Sitz der hauseigenen Akademie. Jeder Associate durchläuft mindestens vier Schulungen mit Planspielen, Pitch- und Soft-Skills-Trainings. In Deutschland fördert NRF externe Fortbildungen und unterstützt Fachanwaltslehrgänge finanziell und durch Freistellung, was vielen Teilnehmern in der azur-Associate-Umfrage gut gefällt. Ansonsten setzt die Kanzlei darauf, dass Anwälte durch ihre tägliche Arbeit lernen. Das kommt bei den Associates nicht immer gut an. Ein Teilnehmer der azur-Umfrage bemängelt, es gebe „keine koordinierten Maßnahmen, insbesondere nicht im Bereich der Weiterbildung“, andere wünschen sich „mehr Trainings“ oder „besser zugeschnittene Angebote“.

Wahlstation in Tokio. Praktikanten und Referendare erwartet ein Training on the Job, zusätzlich dürfen sie an den internen fachlichen Treffen wie einem Mittagessen teilnehmen, bei dem 14-tägig erfahrene Kollegen Einblicke in aktuelle Rechtsfragen geben. Zudem gibt es ein regelmäßiges Praktikanten-/Referendarsfrühstück zum Austausch. Jeder Praktikant hat einen Mentor als Ansprechpartner. Ehemalige loben in der azur-Bewerberumfrage die Möglichkeit, viele Abteilungen kennenzulernen, allerdings gebe es „kaum Feedback“, meint einer. Auch für Referendare zählt das gemeinsame Essen mit Fachvortrag zum Fixpunkt der Ausbildung, die ansonsten ebenfalls on the Job stattfindet. Wer sich während der Stage besonders bewährt, darf zur Wahlstation nach London, Brüssel, Tokio oder Sydney – ein Schmankerl, den nicht viele Kanzleien bieten (können).

Frühe Führung. Wer den Status Senior Associate erreicht hat, bekommt ein Business-Development-Training und lernt bei monatlichen Treffen, wie man einen Business Case entwickelt und präsentiert. Zur Seite steht jedem ein Mentor, der ihn intensiv begleitet – eine Vorbereitung, die bei vielen Teilnehmern in der azur-Umfrage gut ankommt. Einer lobt die „frühe Förderung von Mandantenkontakten und Übernahme von Führungsrollen in Mandatsbeziehungen“. Andere hingegen vermissen eine „klarere Kommunikation“ und „mehr Transparenz bei den Voraussetzungen für die nächste Karrierestufe“. Mäßig euphorisch sind die NRF-Associates, wenn es um die Kommunikation durch den Arbeitgeber und die eigenen Partnerchancen geht: Sie sind damit laut Umfrage etwas weniger zufrieden als Anwälte in anderen Kanzleien.

Viel Arbeit, die wenig belastet. NRF schaut stärker als früher auf die Auslastung der Anwälte, laut azur-Umfrage verbringen NRF-Associates bis zu 54 Stunden pro Woche im Büro. Das ist verglichen mit dem ohnehin hohen Marktdurchschnitt von 53 Stunden nicht wenig. Dennoch vergeben die Associates für die Arbeitsbelastung überdurchschnittliche Noten. Das mag vor allem an der in der azur-Umfrage oft gelobten Flexibilität und den grundsätzlich freien Wochenenden liegen. Auch Teilzeit ist auf allen Ebenen möglich und wird vorgelebt. Richtig glücklich sind die jungen Anwälte dennoch nicht: Die Vereinbarkeit von Karriere und Familie bewerten sie schlechter als Anwälte aus anderen Kanzleien. Unter anderem bemängeln einige Umfrageteilnehmer fehlende „offen kommunizierte und kanzleiweite Homeoffice-Angebote“

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 20 bis 25

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): ca. 2

Referendarplätze 2020: mind. 36             

Praktikumsplätze 2020: mind. 36

Norton Rose Fulbright setzt auf Bewerber mit hervorragenden juristischen Qualifikationen, stellt aber keine formalen Anforderungen, was bestimmte Noten oder eine Promotion angeht. Vielmehr sind gute Englischkenntnisse und Auslandserfahrung von Vorteil. Zudem dürfen Ex-Referendare gern als Associates zurückkommen – sie werden bei einer Bewerbung bevorzugt eingestellt. Der Bewerbungsprozess umfasst zwei Gespräche: Im Erstgespräch, das auch teilweise auf Englisch geführt werden kann, nehmen bis zu zwei Partner und Teamkollegen teil. Wer zu einem Zweitgespräch eingeladen wird, lernt weitere Kollegen kennen – meist in einem informellen Rahmen wie einem gemeinsamen Mittagessen.

Standorte in Deutschland: Frankfurt, Hamburg und München

Internationale Präsenz: Norton Rose Fulbright hat rund 50 ausländische Büros in Europa, den USA, Südafrika, Ostasien und Australien.

Anwälte in Deutschland: 39 Vollpartner, 21 Non-Equity-Partner, 59 Associates und 3 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 27,9%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 6 (davon 3 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018: 52,5 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 477.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Die drei deutschen Standorte von Norton Rose Fulbright sind in den vergangenen Jahren immer enger zusammengewachsen – so steuert die Kanzlei immer größere Mandate oft im gemeinsamen Verbund. Frischen Wind brachten zudem einige Quereinsteiger aus US-Kanzleien, die in den vergangenen Jahren dazukamen. Die Kanzlei ist vor allem in M&A und Immobilienrecht stärker und auch internationaler geworden. Ein erfahrener Gesellschaftsrechtpartner aus Hamburg verließ die Kanzlei zum Jahresbeginn und machte sich mit einem Team selbstständig.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 12 bis 15 Euro/h (vor dem 1. Examen), 625 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 975 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 625 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:
1. Jahr: 95.000 bis 110.000 Euro plus Bonus
2. Jahr: 100.000 bis 110.000 Euro plus Bonus
3. Jahr: 105.000 bis 115.000 Euro plus Bonus
4. Jahr: keine Angaben
5. Jahr: keine Angaben
6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Ab dem dritten Berufsjahr werden Junior Associates zu Middle Associates befördert, ab dem fünften Jahr steht die Ernennung zum Senior Associate an. Weitere zwei Jahre später können die Anwälte dann zum Salary-Partner (diese Position heißt hier Counsel) oder Vollpartner aufsteigen. Ihre Partnerchancen beurteilen die Associates in der aktuellen Umfrage als nicht besonders gut – das ist aber in vielen anderen Großkanzleien nicht anders. Immerhin hat NRF im vergangenen Jahr zwei angestellte Anwälte zu Vollpartnern gemacht. Etwas zufriedener sind die Associates laut azur-Umfrage mit ihren alternativen Karrieremöglichkeiten. NRF kennt kein Up-or-out-Prinzip, Anwälte können auch dauerhaft als Senior Associates oder of Counsel (bei NRF Consultant genannt) in der Kanzlei arbeiten. Ihre Partner vergütet die Kanzlei nach einem modifizierten Lockstep-System, das zwar die Dauer der Kanzleizugehörigkeit berücksichtigt, die Zahl der Lockstep-Punkte wächst allerdings nicht automatisch mit jedem Jahr, stattdessen entscheidet ein Gremium anhand verschiedener Kriterien wie der eigenen Leistung, aber auch der Weitergabe von Mandaten, ob ein Partner die nächste Stufe erreicht.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.