azur100
04.03.2021 | Autor/in: Eva Lienemann
Themen in diesem Artikel:

Norton Rose Fulbright – Top-Arbeitgeber – Platz 18

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Tolles Team, kollegialer Umgang“

„Gute Work-Life-Balance in internationalem Umfeld“

„Fairer Arbeitgeber“

Kritik von den eigenen Associates

„Etwas intransparentes Management“

„Der Karriereweg ist leider immer noch sehr unstrukturiert“

„Die Kommunikation ist ausbaufähig“

Was externe Juristen über NRF sagen

„Gute Kanzlei mit angemessener Work-Life-Balance“

„Gutes Team, interessante Fälle, spannende Möglichkeiten“

„Keine einheitlichen Karrierechancen, Gehaltsstruktur undurchsichtig und nicht einheitlich“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Wahlstation in einem ausländischen Büro möglich
  • Regelmäßiges Referendars-/Praktikantenfrühstück
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Internationale Fortbildungsworkshops in London
  • Ab Senior-Associate-Status monatliches Business-Development-Training
  • 14-täglicher fachlicher Austausch mit allen deutschen Standorten
Highlights Diversity
  • Teilzeit auf allen Hierarchiestufen möglich
  • Weltweites Karriere-Coaching-Programm für Frauen

Globale Kanzlei, die einen direkten Einstieg in internationale Mandate bietet

Großkanzlei light. Internationales Großkanzlei-Flair und annehmbare Work-Life-Balance: So lässt sich der Ruf von Norton Rose Fulbright (NRF) zusammenfassen. Seit Jahren erntet die Kanzlei gute Noten, was den Anspruch der Arbeit, die Internationalität, aber auch Arbeitsbelastung und Vereinbarkeit von Karriere und Familie angeht. Schwachpunkt bleibt eindeutig die Weiterbildung, für die die Associates in der aktuellen azur-Umfrage einmal mehr unterdurchschnittliche Noten vergeben. Dabei hat NRF an einigen Stellen nachgebessert. Genügend Gelegenheiten zur Ausbildung gibt es immerhin: Die Kanzlei bietet in diesem Jahr vor allem deutlich mehr Praktikumsplätze.

Lernen durch Austausch. Studenten oder Referendare erwartet bei NRF ein Training on the Job mit regelmäßigem Austausch. Dazu zählen gemeinsame Frühstücke – unter Corona-Bedingungen auch digital, bei denen ein erfahrener NRF-Anwalt Einblicke in aktuelle Mandate gibt. In eine ähnliche Richtung gehen die 14-tägigen Mittagessen, die sich an Associates richten, an denen aber auch Praktikanten und Referendare teilnehmen können. Beide Gruppen bekommen einen Mentor. Die internationale Aufstellung der Kanzlei können Referendare nutzen, die sich während ihrer Stage besonders bewähren: Sie dürfen zur Wahlstation in eines der Auslandsbüros – etwa nach Syndey, Tokio oder London – ein Pluspunkt des ansonsten eher durchschnittlichen Angebots.

Lernen durch Arbeiten. Bei der Ausbildung ihrer Associates setzt NRF stark auf das Londoner Mutterhaus. Dort sitzt die hauseigene Academy, in der jeder Anwalt auf seine Berufserfahrung abgestimmte Schulungen durchläuft, unter anderem mit Pitch- und Soft-Skills-Trainings. Zudem unterstützt NRF den Besuch von Fachanwaltslehrgängen und Promotionsvorhaben. Mit einem deutschen Weiterbildungsangebot tut sich die Kanzlei weiterhin schwer. Das kommt nicht immer gut an: „Sechs Lehrgänge in London über ein gesamtes Anwaltsleben sind kein Konzept“, kritisiert ein Associate. „Ein Angebot auf nationaler Ebene ist überhaupt nicht vorhanden“, schreibt ein anderer. Ein solches ist nun in Planung: So soll es zweimal im Jahr ein Wochenende geben, an denen Partner die Associates schulen – ein im Marktvergleich weiterhin knappes Angebot.

Früh Verantwortung tragen. NRF gehört zu den Kanzleien, die regelmäßig Partner ernennen. Immer wieder sind auch Frauen dabei. Zwar beträgt ihr Anteil innerhalb der Vollpartnerschaft nur rund 17 Prozent, doch damit steht NRF im Kreise der internationalen Großkanzleien gar nicht allzu schlecht da. Auf dem Karriereweg unterstützt ein Mentor die Partner-Aspiranten, außerdem gibt es ein Business-Development-Training und monatliche Treffen, in denen die Senior Associates lernen, ihren Business Case zu entwickeln. Die „frühe Übernahme von Verantwortung“ und die „enge Einbindung“ gefällt den NRF-Associates.

Viel Flexibilität, wenig Belastung. NRF gilt als Kanzlei, in der sich Arbeit und Freizeit die Waage halten. Laut azur-Umfrage verbringen die Associates im Schnitt 50 Wochenstunden in der Kanzlei. Nicht wenig, aber damit liegen sie immer noch unter den derzeit laut azur-Umfrage üblichen 52 Wochenstunden. Besonders unter Druck scheinen sich die Associates dadurch nicht zu fühlen, vergeben sie doch für die Arbeitsbelastung und Work-Life-Balance gute Noten. Die Kanzlei ermöglicht ihrer Mannschaft viel Flexibilität: freie Wochenenden, aber auch gelebte Teilzeit auf allen Hierarchiestufen. Obwohl NRF eine der rührigen Kanzleien beim Thema Digitalisierung ist: Eine feste Zusage zum mobilen Arbeiten lehnt sie ab – Homeoffice muss teamintern abgesprochen werden.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 20 bis 25

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): mind. 2

Referendarplätze 2021: 40 und mehr           

Praktikumsplätze 2021: 140 und mehr

Norton Rose Fulbright setzt auf Bewerber mit hervorragenden juristischen Qualifikationen, stellt aber keine formalen Anforderungen, was bestimmte Noten oder eine Promotion angeht. Vielmehr sind gute Englischkenntnisse und Auslandserfahrung von Vorteil. Der Bewerbungsprozess umfasst zwei Gespräche: Im Erstgespräch, das auch teilweise auf Englisch geführt werden kann, nehmen bis zu zwei Partner und Teamkollegen teil. Wer zu einem Zweitgespräch eingeladen wird, lernt weitere Kollegen kennen – meist in einem informellen Rahmen wie einem gemeinsamen Mittagessen.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Frankfurt, Hamburg und München

Internationale Präsenz: Norton Rose Fulbright hat rund 50 ausländische Büros in Europa, USA, Südafrika, Australien und Ostasien.

Anwälte in Deutschland: 41 Vollpartner, 14 Non-Equity-Partner, 67 Associates und 1 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 32,5 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 6

davon Frauen: 4

Umsatz in Deutschland 2019: 52,2 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 477.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 15 Euro/h (vor dem 1. Examen), 625 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 975 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 625 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:

1. Jahr: 95.000 bis 105.000 Euro plus Bonus

2. Jahr: 100.000 bis 110.000 Euro plus Bonus

3. Jahr: 105.000 bis 115.000 Euro plus Bonus

4. Jahr: keine Angaben

5. Jahr: keine Angaben

6. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Karriere und Partnerschaft

Ab dem dritten Berufsjahr werden Junior Associates zu Middle Associates befördert, ab dem fünften Jahr steht die Ernennung zum Senior Associate an. Weitere zwei Jahre später können die Anwälte dann zum Salary-Partner (diese Position heißt hier Counsel) oder Vollpartner aufsteigen. Mit ihren Partnerchancen sind die Associates in der aktuellen azur-Umfrage nicht besonders zufrieden, liegen damit aber im Marktdurchschnitt. Immerhin hat NRF im vergangenen Jahr drei angestellte Anwälte zu Vollpartnern gemacht. Etwas zufriedener sind die Associates laut azur-Umfrage mit ihren alternativen Karrieremöglichkeiten. NRF kennt kein Up-or-out-Prinzip, Anwälte können auch dauerhaft als Senior Associates oder of Counsel (bei NRF Consultant genannt) in der Kanzlei arbeiten. Ihre Partner vergütet die Kanzlei nach einem modifizierten Lockstep-System, das zwar die Dauer der Kanzleizugehörigkeit berücksichtigt, die Zahl der Lockstep-Punkte wächst allerdings nicht automatisch mit jedem Jahr. Stattdessen entscheidet ein Gremium anhand verschiedener Kriterien wie der eigenen Leistung, aber auch der Weitergabe von Mandaten, ob ein Partner die nächste Stufe erreicht.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


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