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27.09.2021 | Autor/in: Johanna Heidrich

Köln: Künstliche Intelligenz im Strafprozess

Die Universität zu Köln hat ihr neues Gerichtslabor eröffnet. Darin wollen Wissenschaftler der Uni gemeinsam mit Verantwortlichen aus Justiz und Wirtschaft erforschen, inwieweit Strafprozesse künftig audiovisuell dokumentiert werden können. Studierende können in dem Labor außerdem Verhandlungen simulieren und sich dadurch auf Moot Courts vorbereiten.

AdobeStock_SOMKIDDas neue Labor ist wie ein Gerichtssaal aufgebaut und mit Technik wie Mikrofonen, Kameras und einem Aufnahmesystem ausgestattet. Mithilfe künstlicher Intelligenz lassen sich dadurch audiovisuelle Aufzeichnungen in ein schriftliches Protokoll umwandeln, das zudem mit den Bildaufnahmen der Kameras verknüpft ist. Mit einem Klick könne man anschließend an die entsprechende Stelle der Aufzeichnung springen, erklärt Markus Hartmann. Der Oberstaatsanwalt ist Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime NRW, einer der Trägerinnen des Gerichtslabors. „Diese Wortlautprotokolle hätten insbesondere für Hauptverhandlungen, die sich häufig über viele Verhandlungstage erstrecken, große Vorteile.“

„Die audiovisuelle Dokumentation von Hauptverhandlungen wird schon lange diskutiert“, sagt Prof. Dr. Dr. Frauke Rostalski, Professorin für Strafrecht, Strafprozessrecht, Rechtsphilosophie und Rechtsvergleichung an der Universität zu Köln. Bisher laufe in Strafprozessen noch alles analog, Richter und Staatsanwälte führten handschriftlich Protokoll. „Diese Form der Dokumentation kann jedoch lückenhaft sein“, sagt Rostalski. Audiovisuelle Mitschnitte könnten hier Abhilfe schaffen. Aber es gibt nicht nur Befürworter der Technik: Kritiker sehen darin einen Eingriff ins Persönlichkeitsrecht und fürchten einen Missbrauch der Mitschnitte. Zudem vermuten sie, dass Kameras im Gerichtssaal die Interaktion der verschiedenen Parteien beeinflussen könnten.

Punkte wie diese sollen durch die Anwendung im Gerichtslabor erforscht werden. Nach einer einjährigen Testphase im Labor wollen die Verantwortlichen das Verfahren in ausgewählten Prozessen am Landgericht Köln in der Praxis erproben.   

Und auch Jura-Studierenden steht das Gerichtslabor künftig zur Verfügung. „Wir haben einige Moot-Court-Teams an der Uni. Für sie ist das ein idealer Trainingsraum“, sagt Rostalski. Moot Courts sind simulierte Gerichts- oder Schiedsverfahren. Dabei nehmen Studierende etwa die Rollen von Anklage und Verteidigung ein und verschiedene Hochschulen treten gegeneinander an. Im neuen Gerichtslabor können die Kölner Studenten zum Beispiel ihre Plädoyers üben und danach ihr Auftreten anhand der Aufnahmen analysieren. „Hoffentlich können wir dann auch bald wieder in Präsenz und nicht nur digital gegeneinander antreten“, sagt Rostalski.