azur100
06.03.2020 | Autor/in: Norbert Parzinger
Themen in diesem Artikel:

Milbank – Top-Arbeitgeber – Platz 20

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Super Stimmung im Team, auch wenn der Druck mal hoch ist“

„Mandantenkontakt und viel Verantwortung ab dem ersten Tag“

„Sehr flexible Homeoffice-Regelung“

„Arbeitszeit drastisch reduzieren, vor allem am Wochenende“

„Schlechte Partnerperspektive, keine offene Kommunikation“

„Die Kanzlei müsste sich stärker mit Legal Tech beschäftigen“

„Netter Umgang, sehr anspruchsvolle Tätigkeit, steile Lernkurve“

„Starke, dynamische Transaktionskanzlei“

„Absurde Arbeitszeiten, da hilft auch kein Geld“

▪ Vierwöchiges bezahltes Sommerpraktikum an beiden Standorten

▪ Individuelles Mentoring für Praktikanten und Referendare

▪ Volle Einbindung in hochkarätige Mandate

▪ Ab dem dritten Berufsjahr für alle Associates Fortbildungsprogramm an der Harvard University

▪ Steuerrechtskurs für fachbereichsfremde Associates und M&A-Kompaktseminar

keine herausragenden Angebote

Über den Arbeitgeber

Arbeit ist nicht (mehr) alles. Seit Jahren gilt Milbank als motivierendes Umfeld für Top-Juristen, die hochkarätige Arbeitsinhalte, aber kaum Freizeit brauchen. Ein Hochleistungsumfeld ist Milbank nach wie vor, da sind sich die Associates der Kanzlei und ihre Kollegen aus anderen Kanzleien und Rechtsabteilungen einig. „Herausragende Mischung aus überschaubarer Größe, anspruchvollsten Deals und Teamspirit“, urteilt ein Milbank-Associate in der azur-Umfrage. Die Schattenseite war bisher eine enorme Arbeitslast, die sich zwar von Team zu Team unterschied, selbst im kanzleiweiten Mittel aber Jahr für Jahr noch deutlich über dem Marktdurchschnitt lag. 2019 ging das Pensum zwar etwas zurück, dennoch saßen die Milbank-Associates laut azur-Umfrage immer noch rund 56 Stunden pro Woche am Schreibtisch, drei Stunden mehr als der Durchschnitt aller Teilnehmer aus Kanzleien.

Flexibilität großgeschrieben. Wo der Schreibtisch steht, und ob es auch mal der heimische Küchentresen oder ein Cafétisch in der Sonne sein darf, kann man sich inzwischen aussuchen. Auf Betreiben der Associates hat Milbank im Vorjahr eine Regelung für flexibles Arbeiten eingeführt, und die jungen Anwälte sind damit gleich viel glücklicher. Die Note, mit der sie in der azur-Umfrage ihre Work-Life-Balance beurteilen, liegt inzwischen immerhin im Marktdurchschnitt. Ein Teilnehmer lobt die „hervorragende Unterstützung und Flexibilität in allen Lebenslagen“, die die Kanzlei gegenüber ihren Mitarbeitern zeigt. Kritik gibt es in der azur-Umfrage nach wie vor, aber sie ist weniger geworden. „Arbeitszeiten reduzieren, Familie und Kinder akzeptieren und Freiräume für Privatleben lassen“, mahnt ein Associate an. Unterstützung speziell für Eltern, etwa per Kita-Zuschuss, gibt es in der Tat nicht.

Aufstiegschancen? Im Prinzip ja. Als echten Schwachpunkt werten viele Milbank-Anwälte ihre Karrierechancen, sowohl beim Aufstieg in die Partnerschaft als auch mit Blick auf die Special-Counsel-Position als Alternative. Unrealistisch ist die Karriere bei Milbank dabei nicht, wie regelmäßige Partner- und Counsel-Ernennungen zeigen. Auf dem Weg dorthin erwartet die Kanzlei viel Einsatz, unterstützt die Aufsteiger aber auch mit Coachings und Fortbildungen. Schon nach einem halben Jahr in der Kanzlei setzt das individuelle Mentoring ein: Jeder Associate kann sich einen Partner aus einer anderen Praxisgruppe als persönlichen Ansprechpartner für alle Themen aussuchen, die nicht die Mandatsarbeit betreffen. Frauen allerdings sind so oder so kaum darunter – der Frauenanteil selbst auf Associate-Ebene ist mit der niedrigste im Markt.

Ausbildungsprogramm setzt Maßstäbe. Die fachliche Weiterbildung ist bei Milbank so strukturiert und umfangreich wie bei kaum einer anderen Kanzlei. Entsprechend positiv fällt die Resonanz der Associates in der azur-Umfrage aus, ein Teilnehmer findet das Angebot gar „sensationell“. Im ersten Berufsjahr geht es zunächst zu einer mehrtägigen Einführungsveranstaltung nach New York, um Kollegen aus den anderen internationalen Büros kennenzulernen. Interne Schulungen in Deutschland behandeln Fachinhalte rund um M&A- und Steuerthemen. Im dritten bis sechsten Berufsjahr treffen sich alle Milbank-Anwälte regelmäßig an der Harvard University und durchlaufen ein kompaktes Programm zu Wirtschaftsthemen, Geschäftsentwicklung und Soft Skills wie Verhandlungsführung. Dazu kommen zwei externe Seminare im Jahr, die nach den Wünschen und Bedürfnissen der Associates ausgewählt werden.

Praktikanten und Referendare bleiben gern. Das vierwöchige bezahlte Sommerpraktikum kommt ebenfalls gut an – meistens. In der azur-Bewerberumfrage bewerten Ex-Praktikanten das Angebot als „umfassend und sehr gut strukturiert“ und loben die „hervorragenden Vorträge“. Ein anderer bemängelt dagegen, das Programm sei „eher Spaßveranstaltung als richtige Mitarbeit“. Definitiv mitarbeiten können Referendare – auch an den anspruchsvollsten Mandaten. Die Ausbildungsveranstaltungen für Associates stehen ihnen ebenfalls offen. Ex-Referendare loben die „gute Einbindung“, die auch die Teilnahme an Mandanten- und Notarterminen umfasst, den „freundlichen Umgangston“ und den „tollen Teamgeist“. Dass der allergrößte Teil der Milbank-Anwälte ihre Kanzlei schon im Referendariat kennengelernt hat, überrascht da kaum.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 8 bis 10

Referendarplätze 2020: 25         

Praktikumsplätze 2020: 16

Dass Milbank bei der Einstellung von Berufsanfängern keine Kompromisse macht, hat sich im Markt herumgesprochen – die Kanzlei gilt als eine der wenigen, die tatsächlich konsequent nur Absolventen mit zwei Prädikatsexamina einstellt. Ein Doktortitel und/oder ein LL.M.-Abschluss sind gern gesehen, aber keine Voraussetzung – anders als verhandlungssicheres Englisch. Berufsanfänger, denen zur Perfektion nur die Sprachkenntnisse fehlen, schickt Milbank in Einzelfällen sogar für mehrere Monate zum Englischkurs nach London.

Aussichtsreiche Kandidaten treffen an dem Standort, für den sie sich beworben haben, innerhalb von sechs bis acht Stunden bis zu 15 Milbank-Anwälte, die anschließend gemeinsam über Zu- oder Absage entscheiden. Bewerber werten das Verfahren in der azur-Umfrage als „unkonventionell“ und loben den „umfassenden Einblick“, der sich so gewinnen lässt. Einer meint: „Ich würde mir wünschen, dass mehr Kanzleien ein derartiges Bewerbungsverfahren durchführen würden.“ Nach dem Gespräch gibt Milbank in der Regel innerhalb von drei Tagen Bescheid. Nur wenn sich Kanzlei und Bewerber einig geworden sind, folgt noch eine zweite, ähnlich umfangreiche Gesprächsrunde am jeweils anderen Standort.

Standorte in Deutschland: Frankfurt und München

Internationale Präsenz: Die aus New York stammende Kanzlei ist weltweit als einheitliche Partnerschaft organisiert und mit Büros vor allem in den USA und Asien, aber auch in Südamerika und London präsent.

Anwälte in Deutschland: 15 Vollpartner, 3 Counsel und 32 Associates

Frauenanteil Anwälte: 18%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine

Umsatz in Deutschland 2018: 43,7 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 924.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Bei großen hochkomplexen Transaktionen ist Milbank seit eh und je in ihrem Element. 2019 wurden die Projekte nochmals anspruchsvoller: Für Mandanten wie General Atlantic oder Auto 1 begleiteten die Anwälte viele Deals, bei denen die Übergänge zwischen Venture Capital, Private Equity, strategischem M&A und Aktienrecht fließend waren.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.600 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 1.000 Euro/Wochenarbeitstag

Associates:
1. Jahr: 140.000 Euro
2. Jahr: 150.000 Euro
3. Jahr: 160.000 Euro
4. Jahr: 165.000 Euro plus Bonus bis 28.000 Euro
5. Jahr: 185.000 Euro plus Bonus bis 35.000 Euro
6. Jahr: 210.000 Euro plus Bonus bis 42.000 Euro

Der Partnertrack bei Milbank ist denkbar einfach strukturiert: Es gibt nur Associates und Vollpartner. Dementsprechend übersichtlich ist auch der Karriereweg. Die Entscheidung, ob ein Anwalt Partner wird, steht in der Regel – vergleichsweise früh für eine US-Kanzlei – nach sechs bis sieben Jahren an. In den vergangenen Jahren hat die Kanzlei in Deutschland regelmäßig neue Partner ernannt, so etwa Anfang 2019 einen 37-jährigen Transaktionsspezialisten. Dennoch sind die Associates laut der azur-Umfrage mit ihren Aufstiegschancen nicht zufrieden. Sie wünschen sich „offenere Kommunikation“ und einen „generell mehr fördernden und stärkenden Ansatz“.

Neben der Partnerschaft gibt es zusätzlich die Position des Special Counsel, der später noch Partner werden kann, aber nicht muss. Special Counsel sind erfahrene Experten für ein bestimmtes Rechtsgebiet, die zwar Mandate führen, aber keine vergleichbaren Akquise- und Umsatzerwartungen erfüllen müssen wie Partner. Letztere werden nach dem sogenannten modifizierten Lockstep-System vergütet: Die Gewinnentnahmen steigen mit der Zeit der Zugehörigkeit zur Partnerschaft, hängen aber auch von der Leistung ab.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.