azur100
04.03.2021 | Autor/in: Norbert Parzinger
Themen in diesem Artikel:

Milbank – Top-Arbeitgeber – Platz 19

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Super Stimmung und geile Deals“

„Trotz viel Arbeit sehr kollegiale, unverkrampfte Atmosphäre“

„Großzügige Unterstützung der Homeoffice-Möglichkeiten“

Kritik von den eigenen Associates

„Bestimmte Teams sind viel zu oft mehrere Stunden länger im Büro als andere“

„Die Partner müssten sich ernsthafter mit dem Thema Kind und Karriere auseinandersetzen“

„Man sollte die Partnerchancen klarer aufzeigen“

Was externe Juristen über Milbank sagen

„Super Leute, super Mandate“

„Extreme Arbeitsbelastung, durchwachsenes Arbeitsklima“

„Umgangston intern wie extern ist verbesserungswürdig“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Vierwöchiges bezahltes Sommerpraktikum an beiden Standorten
  • Individuelles Mentoring für Praktikanten und Referendare
  • Volle Einbindung in hochkarätige Mandate
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Ab dem dritten Berufsjahr für alle Associates Fortbildungsprogramm an der Harvard University
  • Steuerrechtskurs für fachbereichsfremde Associates und M&A-Kompaktseminar
Highlights Diversity

keine herausragenden Angebote

US-Kanzlei mit Transaktionsfokus, die viel verlangt und viel bietet

Das Beste oder nichts“, so das Fazit eines Milbank-Associates in der azur-Umfrage auf die Frage, wofür seine Kanzlei steht. Passend dazu ist ihr Image: Mandatsarbeit auf höchstem Niveau, Urlaub und Wochenenden kann man dafür vergessen. Dabei hat sich Letzteres in den vergangenen Jahren relativiert. Schon lange vor der Homeoffice-Revolution durch Corona hatte Milbank die Option eingeführt, von zu Hause oder unterwegs zu arbeiten und mit den Associates dafür feste Regeln aufgestellt. In der azur-Umfrage gibt es zu diesem Thema viel Lob und wenig Tadel. Die Teilnehmer heben die „Flexibilität und freie Zeiteinteilung“ hervor, einer schreibt: „Nach anstrengenden Projekten gibt es auch ruhige Phasen zum Durchatmen.“ Einzelne klagen aber immer noch über die „Erwartung, bis 23 Uhr im Büro zu sein“. Insgesamt liegt die Note für die Work-Life-Balance unter dem Marktdurchschnitt.

Große Auslastungsunterschiede. Durchschnittlich knapp 51 Wochenstunden gaben die Milbank-Associates in der azur-Umfrage an – anderthalb Stunden weniger als der Marktdurchschnitt und so wenig wie seit vielen Jahren nicht. Die Bandbreite allerdings ist groß: Während einige nur rund 40 Stunden am Schreibtisch saßen, berichteten andere von regulär 60 Wochenstunden oder mehr – unter anderem eine Folge der Corona-Krise, bei der zeitweise M&A-Flaute und Restrukturierungsboom aufeinandertrafen. Insgesamt waren die Associates von der „flexiblen, verständnis- und rücksichtsvollen“ Reaktion der Kanzlei jedoch sehr überzeugt: „Alles richtig gemacht“, urteilt ein Umfrageteilnehmer.

Ausbildung vom Feinsten. Den Einsatz ihrer Anwälte belohnt Milbank nicht nur mit einem der höchsten Gehälter im Markt, sondern auch mit einem Ausbildungsprogramm, das in ähnlich aufgestellten Kanzleien seinesgleichen sucht. Alle First-Year-Associates aus den internationalen Milbank-Büros treffen sich zu einer mehrtägigen Einführungsveranstaltung in New York. In Deutschland durchlaufen die Junganwälte fachliche Trainings, hinzu kommen Blockseminare zu M&A und Steuerrecht sowie externe Angebote. Im dritten bis sechsten Berufsjahr treffen sie sich dann in regelmäßigen Abständen an der Harvard University, wo sie ein Programm zu Wirtschaftsthemen, Geschäftsentwicklung und Soft Skills wie Verhandlungsführung erwartet. In der azur-Umfrage loben die Associates die Ausbildung durchweg als „exzellent“.

Keine Onlinerevolution. Im Lockdown fielen zwar einzelne Veranstaltungen aus oder fanden als Webinare statt, dennoch will Milbank auch weiterhin Präsenz- statt Onlineveranstaltungen in den Mittelpunkt stellen; auch für Praktikanten und Referendare, die hier ebenfalls ein umfangreiches Programm erwartet. Teilnehmer des Sommerpraktikums loben in der azur-Bewerberumfrage das „hervorragende“, „aufwendige“ und „gut durchdachte“ Angebot. Referendare beurteilen ihre Stage bei Milbank ebenfalls als „sehr gut“, vermissen aber gelegentlich mehr Struktur. „In transaktionsschwachen Phasen wenig zu tun, Feedback teilweise verbesserungswürdig“, schreibt ein ehemaliger Referendar.

Jungs (fast) unter sich. Eine Ex-Referendarin meint hingegen: „Etwas unentspannter ‚Boys’ Club‘, aber dennoch einige angenehme Kollegen.“ Damit legt sie den Finger in eine altbekannte Wunde: Der Frauenanteil bei Milbank ist im Marktvergleich enorm niedrig, selbst wenn vor Kurzem eine zweite Vollpartnerin – eine Quereinsteigerin – hinzukam. Dazu dürfte beitragen, dass die Kanzlei junge Eltern nicht speziell unterstützt, wie das etliche andere Kanzleien tun: Notfallbetreuung, Eltern-Kind-Büro oder ähnliche Erleichterungen sind hier (noch) unbekannt.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 8 bis 10

Referendarplätze 2021: 22              

Praktikumsplätze 2021: 18

Dass Milbank bei der Einstellung von Berufsanfängern keine Kompromisse macht, hat sich im Markt herumgesprochen – die Kanzlei gilt als eine der wenigen, die tatsächlich konsequent nur Absolventen mit zwei Prädikatsexamina einstellt. Ein Doktortitel und/oder ein LL.M.-Abschluss sind gern gesehen, aber keine Voraussetzung – anders als verhandlungssicheres Englisch. Berufsanfänger, denen zur Perfektion nur die Sprachkenntnisse fehlen, schickt Milbank in Einzelfällen sogar für mehrere Monate zum Englischkurs nach London. Aussichtsreiche Kandidaten treffen an dem Standort, für den sie sich beworben haben, innerhalb von sechs bis acht Stunden bis zu 15 Milbank-Anwälte, die anschließend gemeinsam über Zu- oder Absage entscheiden. Nur während des Lockdowns wich die Kanzlei dafür auf Zoom-Konferenzen aus. Bewerber werten das Verfahren in der azur-Umfrage als „aufwendig, aber gut“, loben die „netten und offenen Gespräche“ und kritisieren nur, dass die vielen Interviews „doch sehr ähnlich“ verlaufen. Wenn sich Kanzlei und Bewerber einig geworden sind, folgt noch eine zweite, ähnlich umfangreiche Gesprächsrunde am jeweils anderen Standort – wenn es die Corona-Situation zulässt.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Frankfurt und München

Internationale Präsenz: Die aus New York stammende Kanzlei ist weltweit als einheitliche Partnerschaft organisiert und mit Büros vor allem in den USA und Asien, aber auch in Südamerika und London präsent.

Anwälte in Deutschland:16 Partner, 2 Counsel und 42 Associates

Frauenanteil Anwälte: 21,7 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine

Umsatz in Deutschland 2019: 44 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 953.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.600 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 1.000 Euro/Wochenarbeitstag; max. 5.000 Euro/Monat

Associates:

1. Jahr: 140.000 Euro

2. Jahr: 150.000 Euro

3. Jahr: 160.000 Euro

4. Jahr: 165.000 Euro plus Bonus bis 28.000 Euro

5. Jahr: 185.000 Euro plus Bonus bis 35.000 Euro

6. Jahr: 210.000 Euro plus Bonus bis 42.000 Euro

Karriere und Partnerschaft

Der Partnertrack bei Milbank ist denkbar einfach strukturiert: Es gibt nur Associates und Vollpartner. Dementsprechend übersichtlich ist auch der Karriereweg. Die Entscheidung, ob ein Anwalt Partner wird, steht in der Regel – vergleichsweise früh für eine US-Kanzlei – nach sechs bis sieben Jahren an. In den vergangenen Jahren hat die Kanzlei in Deutschland regelmäßig neue Partner ernannt, so zuletzt 2020. Dennoch sind die Associates laut azur-Umfrage mit ihren Aufstiegschancen nicht zufrieden. Sie wünschen sich „mehr individuelle Unterstützung“, etwa durch Coachings, und „konkretere Partnerperspektiven“.

Neben der Partnerschaft gibt es zusätzlich die Position des Special Counsel, der später noch Partner werden kann, aber nicht muss. Special Counsel sind erfahrene Experten für ein bestimmtes Rechtsgebiet, die zwar Mandate führen, aber keine vergleichbaren Akquise- und Umsatzerwartungen erfüllen müssen wie Partner. Letztere werden nach dem sogenannten modifizierten Lockstep-System vergütet: Die Gewinnentnahmen steigen mit der Zeit der Zugehörigkeit zur Partnerschaft, hängen aber auch von der Leistung ab.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.