News
15.12.2020 | Autor/in: Antje Neumann

Messbare Fortschritte? Der Frauenanteil in Kanzleien

Wie sieht die Arbeitswelt der Juristen in zehn Jahren aus? Die azur-Redaktion hat einen Blick in die Glaskugel gewagt.

 These: Im Jahr 2030 ist der Frauenanteil in der Equity-Partnerschaft auf 30 Prozent gestiegen.

Gerade gegenüber Bewerbern reden viele Kanzleien über Diversity und stellen ihre Förderprogramme und Broschüren vor. Doch messbare Fortschritte stellen sich nur langsam ein. Unternehmen wie Novartis, Intel, Google und Uber reicht es nun damit. Sie haben 2020 konkrete Diversity-Kriterien für die Kanzleien entworfen, mit denen sie zusammenarbeiten. Intel fordert einen bestimmten Prozentsatz weiblicher Equity-Partner, ebenso muss ein gewisser Anteil einer ethnischen Minderheit angehören. Wer das nicht erfüllt, braucht gar nicht erst vorzusprechen. Novartis geht sogar noch einen Schritt weiter: Wer die Kriterien des Pharmakonzerns nicht erfüllt, muss mit Vertragsstrafen rechnen.

Bei Vorstellungsrunden für Großmandate fordern engagierte General Counsel inzwischen, dass weibliche Teammitglieder nicht nur mit am Tisch sitzen, sondern ihnen auch erkennbar eine Rolle zugedacht ist. Kanzleien, die weiter in der Konzernberatung mitmischen wollen, bleibt also nichts anderes übrig, noch härter an ihren Quoten zu arbeiten.

Zwar liegt der Frauenanteil in den deutschen Praxen von Top-Kanzleien wie Freshfields Bruckhaus Deringer, Linklaters oder Baker & McKenzie über 30 Prozent, doch bezieht sich das auf die Gesamtheit der Anwälte. Ein Blick in die Partnerschaft verdüstert das Bild erheblich und verspricht viel Arbeit in puncto Diversity. Das gilt keineswegs nur für Großkanzleien. Im Kanzleimittelstand und bei Boutiquen sieht es teils noch finsterer aus. Solange sich bei Anwälten die Karrierephase und die Familienphase zeitlich stark überschneiden, bleibt eine Lösung schwer. Deshalb bleiben 30% Equity Partner auch für 2030 eine ambitionierte Größe.


Bei 42 Prozent ist Schluss

Die Frauenquoten der Top Arbeitgeber aus azur100 2020

Top10-Arbeitgeber

Frauenanteil gesamt

Freshfields Bruckhaus Deringer

34,1

Hogan Lovells

41,9

CMS Hasche Sigle

35,1

Hengeler Mueller

27,1

Bird & Bird

36,4

Linklaters

32,9

Noerr

36,7

Gleiss Lutz

31,4

Baker & McKenzie

38,1

Allen & Overy

31

Quelle: azur100 2020. Noch mehr Kanzleien findet ihr hier.

Die Redaktion recherchiert mit Hochdruck für die neue Ausgabe des Karriereführers azur100, der Anfang März 2021 erscheint. Die aktuelle Besprechung der 100 Top-Arbeitgeber findet ihr bis dahin natürlich auf azur-online.de: azur100 – Top-Arbeitgeber 2020