azur100
04.03.2021 | Autor/in: Markus Lembeck
Themen in diesem Artikel:

Menold Bezler – Top-Arbeitgeber – Platz 26

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Gutes Arbeitsklima, sehr gute Unterstützung und Zusammenhalt in den Teams“

„Bestes Gesamtpaket im süddeutschen Raum an Vergütung, Work-Life-Balance, Mandaten und Perspektiven“

„Viele gelungene Projekte zur internen Vernetzung“

Kritik von den eigenen Associates

„Für direkte Rücksprache mit dem Partner fehlt oft die Zeit“

„Perspektiven sind nicht immer klar, Aufstiegschancen besser kommunizieren“

„Es fehlen Teilzeitmodelle für den Weg in die Partnerschaft“

Was externe Juristen über Menold sagen

„Schlechte Karrierechancen auf Vollpartnerschaft, andererseits gute Kollegialität“

„Interessanter Versuch, spannende Tätigkeiten mit ausgewogener Arbeitsbelastung zu vereinbaren“

„Sympathische Leute, aber auch zu sehr Großkanzlei“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Umfangreiche Referendarausbildung mit Examensvorbereitung
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Fortbildungsvereinbarungen zur Förderung von Promotionen
Highlights Diversity
  • Beschäftigungsmodell mit fester Wochenarbeitszeit von 40 Stunden

Multidisziplinäre Einheit mit Bestnoten für flexibles Arbeiten

Zusammenrücken nach der Fusion. Selbst in Krisenzeiten können die größten Herausforderungen für eine Kanzlei von innen kommen. Nachdem Menold Bezler vor gut einem Jahr die Fusion mit der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft BHP vollzogen hat, musste die Stuttgarter Kanzlei 2020 im wörtlichen Sinne umbauen, um für die Neuzugänge Platz zu schaffen. Auch für die Nachwuchswerbung hat die Fusion Konsequenzen: Wer speziell im Steuerrecht einsteigen möchte, wird bei Menold zurzeit besonders gerne gesehen. Vor allem die Anwälte im Gesellschafts-, Insolvenz- und Öffentlichen Recht sind eng mit den hinzugewonnenen Steuer- und Bilanzexperten zusammengerückt. Hier schafft die neue Einheit auch neue Herausforderungen für die Zusammenarbeit. Deshalb wurde die interne Ausbildung um weitere Themen ergänzt, damit alle Associates etwa in den steuerrechtlichen Grundzügen auf einem Stand sind.

Ausbildung konstant gut bewertet. Das interne Trainingsangebot für Associates ist breit und funktioniert in weiten Teilen auch online. Gemeinsam mit Mentoren planen Berufseinsteiger ihre juristische und überfachliche Ausbildung. Die interne Akademie vermittelt in inhaltlich aufeinander aufbauenden Elementen das Grundwissen in wichtigen Rechtsgebieten und Schlüsselqualifikationen. Auch Vorträge von Mandanten, die ihre Erwartungen an die Berater darlegen, standen schon auf dem Programm. Die Zufriedenheit mit dem Angebot ist laut azur-Umfrage konstant hoch und wird nur von wenigen Kanzleien übertroffen.

Viel Feedback im Referendariat. Für Studenten bietet Menold mehrwöchige Einzelpraktika an, allerdings nur in begrenzter Anzahl – hier empfiehlt sich eine frühzeitige Bewerbung. Für Referendare bietet die Kanzlei ein sehr praxisnahes Programm an, das zum großen Teil im jeweiligen Fachbereich stattfindet und durch Konferenzen und gemeinsame Mahlzeiten einen regen Austausch mit den Anwälten ermöglicht. „Partner und Associates nehmen sich wenn nötig auch länger Zeit, um Sachen zu besprechen“, lobt ein Ex-Referendar in der azur-Bewerberumfrage das ausführliche Feedback. Gleichzeitig ermöglicht die Kanzlei eine gezielte Examensvorbereitung inklusive Aktenvortrag und externen Crashkursen.

Bestnoten für flexibles Arbeiten. Die Vereinbarkeit von Karriere und Familie ist in vielen Wirtschaftskanzleien ein echtes Problem. Anders bei Menold Bezler: Die Associates vergeben in der azur-Umfrage Bestnoten, deutschlandweit erzielen nur wenige kleinere Kanzleien bessere Ergebnisse. Auch die Work-Life-Balance wird hoch bewertet, obwohl die Wochenarbeitszeit laut azur-Umfrage mit knapp 52 Stunden dem bundesweiten Durchschnitt entspricht. Flexible Arbeitszeitmodelle sind seit vielen Jahren möglich, aber mit einem festen Wochenkontingent von 40 Stunden gibt es auch eine Variante mit fester Obergrenze. Die Alternativen zur Partnerkarriere sind so erfolgreich etabliert, dass aus Sicht Einzelner der Aufstieg zum Vollpartner ein wenig aus dem Blick geraten ist – die Chancen dafür sind laut Noten in der azur-Umfrage gering, und die Menold-Anwälte sehen sich darin schlechter gestellt als der Marktdurchschnitt.

Karriere für Frauen? Bei Associates und Senior Associates ist das Zahlenverhältnis von Frauen und Männern noch 50:50 – aber ganz oben auf der Karriereleiter steht Menold mit dem Verhältnis von zwei Vollpartnerinnen zu 21 männlichen Vollpartnern auch im Vergleich mit den großen Stuttgarter Wettbewerbern nicht besonders gut da. Insgesamt verharrt der Frauenanteil bei rund einem Drittel. „Mehr Ansprechpartner und weibliche Vorbilder“ wünscht sich dementsprechend ein Teilnehmer der azur-Umfrage, ein anderer schlägt gezieltes Mentoring für Frauen vor.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 5 bis 10

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 1 bis 2

Referendarplätze 2021: 25              

Praktikumsplätze 2021: 15 bis 20

Die Kanzlei erwartet von Berufseinsteigern zwei vollbefriedigende Examina, Interesse für wirtschaftliche Zusammenhänge sowie gute Englischkenntnisse. Zusatzqualifikationen wie weitere Fremdsprachen, eine Promotion oder ein LL.M. sind zwar gern gesehen, aber keine Einstellungsvoraussetzung. Das Bewerbungsverfahren entspricht dem marktüblichen Standard: Auf ein Erstgespräch mit Partnern und einem Mitarbeiter der Personalabteilung folgt gegebenenfalls noch ein separates Gespräch mit einem Associate, der Fragen zum künftigen Einsatzbereich beantworten kann. Kommt es zum Zweitgespräch, trifft der Bewerber dort auf mehrere weitere Partner, darunter der künftige Vorgesetzte sowie der personalverantwortliche Partner der Kanzlei.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standort in Deutschland: Stuttgart

Internationale Präsenz: Die Kanzlei hat keine Auslandsbüros, aber enge Kooperationspartner sowohl in Frankreich als auch in Italien.

Anwälte in Deutschland: 23 Vollpartner, 20 Non-Equity-Partner, 4 Counsel, 44 Associates, 1 of Counsel und 5 Projektjuristen

Frauenanteil Anwälte: 33 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 3

davon Frauen: 2

Umsatz in Deutschland 2019: 41.4 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 441.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 15 Euro/h (vor dem 1. Examen), 20 Euro/h (nach dem 1. Examen), 25 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 640 Euro/Wochenarbeitstag; max. 1.800 Euro/Monat

Associates:

1. Jahr: 90.000 bis100.000 Euro

2. Jahr: 95.000 bis 105.000 Euro

3. Jahr: 100.000 bis 110.000 Euro

4. Jahr: 102.500 bis 112.500 Euro plus Bonus

5. Jahr: 105.000 bis 115.000 Euro plus Bonus

6. Jahr: 107.500 bis 117.500 Euro plus Bonus

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Karriere und Partnerschaft

Jeder Berufsanfänger hat zwei erfahrene Ansprechpartner an seiner Seite, die ihn als Paten auf dem Weg zur Partnerschaft begleiten. Diese steht in der Regel nach sieben Jahren an. Die Patenschaften werden nach drei Jahren neu vergeben, um den Senior Associates die Möglichkeit zu geben, neue Anregungen und Hilfestellungen von weiteren Partnern zu erhalten. Die 2018 eingeführte Karrierestufe des Counsels dient als Option für diejenigen, die die Anforderungen der Assoziierten Partnerschaft oder Gesellschafterstellung noch nicht erfüllen oder die sich bewusst gegen dieses Berufsmodell entscheiden. Diese Alternative kommt bei den Associates an: In der azur-Umfrage bewerten sie die Karrieremöglichkeiten außerhalb des Partnertracks deutlich besser als Associates anderer Kanzleien; dafür sehen sie ihre Chancen auf Vollpartnerschaft deutlich schlechter als der Marktdurchschnitt. Zum Januar 2021 ernannte die Kanzlei zwei Voll- und vier Salary-Partner sowie zwei Counsel. Eine Rückkehr auf den Partnertrack ist auch für Counsel zu einem späteren Zeitpunkt möglich. Vergütet werden alle Partner nach einem modifizierten Lockstep-System – mit zunehmendem Dienstalter dürfen sie regelmäßig mehr vom Kanzleigewinn entnehmen, vorausgesetzt, sie kommen an einem bestimmten Punkt über die erforderliche Umsatzschwelle.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.