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11.08.2021 | Autor/in: Aled Griffiths

Mehr als Geld: Ashurst führt globale Elternzeitrichtlinie ein

Kanzleien reagieren nicht nur mit Gehaltserhöhungen auf die Zeit nach der Pandemie. Ashurst hat eine vergleichsweise radikale neue Elternzeitpolitik angekündigt, die andere Kanzleien unter Druck setzen wird. Angebote für flexibleres Arbeiten und der Versuch, die Work-Life-Balance zu verbessern, stehen jetzt ebenfalls fest auf der Tagesordnung.

Die neue Elternzeitregelung soll weltweit gelten. Und selbst für deutsche Anwälte – die global mit die großzügigsten gesetzlichen Elternzeitregelungen genießen – sind einige Aspekte der Ashurst-Politik ein radikaler Schritt nach vorn.

Alle Mitarbeiter dürfen seit Mai dieses Jahres 26 Wochen vollständig bezahlten Urlaub nehmen, und das geschlechtsunabhängig. Dieser Anspruch gilt bis zu zwei Jahren nach Geburt des Kindes und kann auch auf eine Teilzeitbeschäftigung umgerechnet werden. Kehren die Anwältinnen und Anwälte nach der Elternzeit zurück an ihren Arbeitsplatz, können sie für drei Monate beantragen, die von der Kanzlei geforderten abzurechnenden Stunden zu reduzieren. Ein Sprecher der Sozietät wies darauf hin, dass es für Anwälte ein Drittel bis die Hälfte weniger Billables bedeutet.

Neu sind zudem die Regeln, die auf Seiten der Eltern den Verlust eines ungeborenen Kindes berücksichtigen. Im Fall eines Schwangerschaftsverlusts sieht die neue Richtlinie zwei Wochen bezahlten Urlaub vor, unabhängig davon, ob ein Schwangerschaftsverlust direkt, oder von der Partnerin erlitten wurde. Sollte es zu einem Schwangerschaftsverlust nach der 20. Schwangerschaftswoche kommen, gewährt Ashurst zukünftig ebenfalls einen Anspruch auf 26 Wochen bezahlten Urlaub.

Auch für das Thema Kinderwunschbehandlung zeigt sich Ashurst sensibel: Fünf Tage bezahlten Urlaub pro Jahr erhält jeder, der eine Kinderwunschbehandlung benötigt.

Über dem Angebot steht zudem das Vorhaben geschlechtsspezifische Sprache abzuschaffen. Ashurst gibt an, innerhalb der Kanzlei und darüber hinaus keinen Unterschied mehr zwischen dem Erst- und Zweitversorgenden und Mutterschaft beziehungsweise Vaterschaft machen zu wollen.

Gerade dieser letzte Punkt könnte in Deutschland mehr Wirkung zeigen als in anderen Ländern, in denen die Rolle der Hauptpflegeperson gleichmäßiger zwischen den Geschlechtern verteilt ist.  Ashurst ist die erste internationale Kanzlei in Deutschland, die versucht, Männer dazu zu bewegen, nach der Geburt ihres Kindes Elternzeit zu nehmen. Es scheint direkt Wirkung gezeigt zu haben: in den kommenden Monaten werden unter den Associates mindestens drei Männer das Angebot in Anspruch nehmen.