azur100
06.03.2020 | Autor/in: Helena Hauser
Themen in diesem Artikel:

McDermott Will & Emery – Top-Arbeitgeber – Platz 11

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Sehr hohe fachliche Qualität und abwechslungsreiche Arbeit“

„Junges, dynamisches Team“

„Ich könnte mir kein besseres Team für die tägliche Zusammenarbeit wünschen“

„Hürde zum Aufstieg zum Vollpartner ist kaum zu nehmen“

„Ausgesprochen hohe Arbeitsbelastung, vor allem im Immobilienrecht“

„Es gibt leider kaum Feedback, was den Berufseinstieg erschwert“

„Hervorragende Juristen“

„Zukauf von verschiedenen Teams, keine homogene Einheit, starke Qualitätsunterschiede“

„Starke Transaktionskanzlei“

▪ Fünfwöchiges strukturiertes Sommerpraktikum in Düsseldorf/Köln, Frankfurt und München

▪ Repetitorium durch einen Richter am Landgericht inklusive Klausurkorrektur und individuellen Besprechungen

▪ Externer Repetitor für die Vorbereitung auf die mündliche Examensprüfung

▪ Ausbildung mit Dozenten der Bucerius Education mit Schwerpunkt Soft Skills

▪ Auslandsstationen zwischen drei und zwölf Monaten für jeden Associate

▪ Arbeitsmodell mit fixem Stundenvolumen

▪ Internationales LGBT-Netzwerk

▪ Vortragsreihe ‚Women in Law‘

Über den Arbeitgeber

Viel Arbeit, viel gute Stimmung. Die McDermott-Associates sind insgesamt sehr zufrieden – in der azur-Umfrage belohnen viele ihre Arbeitgeberin wieder mit entsprechenden Noten. Das gilt sogar für die Arbeitsbelastung – obwohl bei McDermott viel gearbeitet wird: Laut azur-Umfrage 56 Stunden pro Woche – das liegt rund drei Stunden über dem Marktdurchschnitt. Vor allem die Arbeit in transaktionsgetriebenen Praxen ist zeitintensiv. Doch die Nachwuchsjuristen haben sich mit den Arbeitszeiten arrangiert, auch weil sie mit dem Niveau ihrer Arbeit überdurchschnittlich zufrieden sind. „Die Arbeitszeiten sind wie überall lang, die Mandate dafür  sehr spannend, und die Stimmung im Team ist herausragend“, lobt etwa ein Associate in der azur-Umfrage.

Weniger als Nine-to-five dank alternativer Modelle. Nicht alle Associates arbeiten bei McDermott gleich lang: Seit gut zwei Jahren gibt es ein alternatives Modell mit fester Stundenzahl – wahlweise 35 oder 38,5 Stunden pro Woche. Mittlerweile arbeiten zehn Anwälte, vor allem Berufs- und Quereinsteiger, mit festem Stundenkontingent. Ob in Vollzeit oder mit verringerter Stundenzahl – die Associates sind mit ihrer Work-Life-Balance laut azur-Umfrage sehr zufrieden und loben die „flexiblen Arbeitsmöglichkeiten, auch von zu Hause“ und die „unterschiedlichen Teilzeitmodelle“.

Anwalt für einen Sommer. Die Ausbildung der Praktikanten hat McDermott zuletzt professionalisiert und ein Gruppenpraktikum auf die Beine gestellt: Das fünfwöchige Sommerpraktikum startet mit einer allgemeinen Einführung und dem Kennenlernen des Standorts und aller Praxisgruppen. Jeder Praktikant bekommt einen persönlichen Mentor, der ihn auch in die praktische Arbeit einbindet. Daneben gibt es Crashkurse, etwa im Öffentlichen Recht und Schuldrecht sowie einen wöchentlichen Englischkurs. Mit dem neu geschnürten Paket bietet McDermott ein bisschen mehr als der Marktstandard. „Gute Einbindung, selbst Partner nehmen sich Zeit“, lobt ein ehemaliger Praktikant in der azur-Bewerberumfrage. Auch die Referendarausbildung liegt im guten Mittelfeld: Referendare arbeiten einer Praxisgruppe zugeordnet, haben einen Mentor und können sich durch Aktenvorträge und Repetitorien, die ein OLG- und ein VG-Richter betreut, auf das Examen vorbereiten.

Weiterbildung – da geht noch was. Die Associates schätzen die Internationalität ihres Arbeitgebers und die Möglichkeit, bis zu zwölf Monate im Ausland zu arbeiten. Weniger zufrieden sind sie mit dem Weiterbildungsangebot. „Der Fokus müsste mehr auf nationale Angebote gelegt werden“, finden einige. „Eine umfassendere Auswahl und häufiger stattfindende Schulungen“ sowie „stärkere Institutionalisierung der Weiterbildungsangebote“ wünschen sich andere. Die Kritik überrascht, denn das Angebot von McDermott entspricht dem Marktstandard. Ein Teil der Weiterbildung deckt McDermott über die Bucerius Education ab – Associates lernen in zwei bis drei Kursen pro Jahr unter anderem Bilanzkunde, Verhandlungs- und Präsentationstechniken. Fach- und praxisspezifisches Wissen können sie sich in externen Seminaren, aber auch durch Vorträge der Partner aneignen, die quartalsweise stattfinden. Viel Wert legt die Kanzlei darauf, dass Anwälte ihren Fachanwalt machen. Die internationalen Kurse der McDermott Academy ergänzen das Weiterbildungsprogramm. International geht es auch auf den jährlichen Retreats zum Austausch und Networking zu – zuletzt auf Mallorca.

Null Frauen in der Partnerschaft. Weniger geht auch in der noch immer männerdominierten Kanzleiwelt nicht: Bei McDermott gibt es in der Riege der Vollpartner keine einzige Frau. Immerhin sind sowohl die männlichen als auch die weiblichen Associate-Umfrageteilnehmer sowohl mit der Gleichbehandlung von Männern und Frauen als auch der Vereinbarkeit von Karriere und Familie zufriedener als der Durchschnitt ihrer Kollegen in anderen Kanzleien. Einige loben das alternative Beschäftigungsmodell, andere „die Möglichkeit, auch Teilzeit voll am Mandat zu arbeiten“. Auch wer mit fester Stundenzahl arbeitet, hat nach Angaben der Kanzlei Partnerchancen. Egal ob Partnerschaft oder alternatives Karriereziel – mit ihren Karrierechancen sind die Associates zufriedener als der Marktdurchschnitt.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 18 bis 20

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 1 bis 2

Referendarplätze 2020: 20         

Praktikumsplätze 2020: 20

Wer sich bei McDermott bewerben will, sollte in beiden Examina zusammen 18 Punkte haben. Für Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter, die sich über einen längeren Zeitraum bewährt haben, macht die Kanzlei auch mal eine Ausnahme. Eine Promotion oder ein ausländischer Abschluss wirken sich positiv aus, sind aber keine Voraussetzung. Ein Bewerber spricht zunächst mit ein bis zwei Partnern aus dem Fachbereich. Bei einem anschließenden Mittagessen mit Associates können Bewerber unterschiedliche Praxisgruppen besser kennenlernen. Das Gespräch wird auf Deutsch geführt. Zu einem Zweitgespräch kommt es dann, wenn es von Bewerber- und/oder Kanzleiseite gewünscht wird. In der Regel wird jedoch schon auf Basis des Erstgespräches ein Angebot unterbreitet.

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt, Köln und München

Internationale Präsenz: Ursprünglich aus Chicago stammend, unterhält McDermott mittlerweile 19 Büros in Nordamerika, Europa und Asien. In Schanghai besteht zudem eine strategische Allianz.

Anwälte in Deutschland: 20 Vollpartner, 32 Non-Equity-Partner, 17 Counsel, 59 Associates und 6 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 26,1%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 3 (davon 2 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018: 55,9 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018: 506.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Die deutschen Büros der US-Kanzlei erobern den hiesigen Markt immer mehr. Neben der renommierten Immobilien- und Arbeitsrechtspraxis hat sich die Kanzlei zuletzt auch mit ihrer Private-Equity- und Restrukturierungspraxis sowie im Gesellschaftsrecht einen Namen gemacht. Dabei bespielen sie für ihren Mandantenstamm immer mehr die internationalen Märkte. Das zeigt auch die Beratung von Signa beim Investment in das New Yorker Chrysler Building. Auch in puncto Personal verfolgt die Kanzlei ihre Expansionsstrategie weiter und setzt beim Ausbau auf Quereinsteiger – ohne dabei den eigenen Nachwuchs zu vergessen. Vor allem im Immobilienrecht haben sich einige junge Anwälte einen guten Ruf im Markt erarbeitet.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 16 Euro/h (vor dem 1. Examen),
200 Euro/Arbeitstag (nach dem 1. Examen), 300 Euro/Arbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 200 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates:

Klassisches Karrieremodell:
1. Jahr: 115.000 bis 125.000 Euro plus Bonus
2. Jahr: 120.000 bis 130.000 Euro plus Bonus
3. Jahr: 125.000 bis 135.000 Euro plus Bonus
4. Jahr: 135.000 bis 145.000 Euro plus Bonus
5. Jahr: 145.000 Euro plus Bonus
6. Jahr: 145.000 Euro plus Bonus

Alternatives Karrieremodell:
1. Jahr: 68.000 bis 75.000 Euro
2. und 3. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Frühestens im fünften Jahr steigen Associates zum sogenannten Income-Partner auf. Ab dem siebten Jahr steht die Entscheidung zum Vollpartner an. Im Einzelfall gibt es zudem den Status des dauerhaft angestellten Counsel. Das auf feste Arbeitszeiten angelegte Modell, das McDermott im Sommer 2017 eingeführt hat, schließt die Vollpartnerschaft nicht per se aus. Aktuell nutzen zehn Anwälte, jedoch kein Vollpartner, dieses Modell. Anfang 2019 hat die US-Kanzlei vier Income-Partner in Deutschland ernannt, was in anderen Einheiten dem Status eines Salary-Partners entspricht, sowie zwei Capital-Partner (Vollpartner). Die Ernennungen werden von einem Committee in den USA getroffen. Die Associates sind in der azur-Umfrage mit ihren Aufstiegschancen sowohl in als auch abseits der Partnerschaft überdurchschnittlich zufrieden.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.