azur100
04.03.2021 | Autor/in: Laura Bartels
Themen in diesem Artikel:

McDermott Will & Emery – Top-Arbeitgeber – Platz 13

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Sehr spannende Mandate, sehr eigenverantwortliches Arbeiten mit ständigem Mandantenkontakt in internationalem Umfeld“

„Fantastischer Team Spirit! Die McDermott-Familie ist etwas ganz Besonderes“

„Arbeitgeber mit Mut für neue Arbeitsmodelle“

Kritik von den eigenen Associates

„Mehr Verantwortung bei der Betreuung von Mandaten und regelmäßigere Feedbacks, bitte!“

„Extrem schwankende Auslastung, die von nahezu beschäftigungslos bis zur 80-Stunden-Woche reicht“

„Ausbildung sehr US-lastig mit wenig Bezug zum deutschen Markt“

Was externe Juristen über MWE sagen

„Brillante Juristen; lange Arbeitszeiten“

„Die sympathischste unter den Ami-Kanzleien“

„Lockere Atmosphäre, smarte Anwälte“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Fünfwöchiges strukturiertes Sommerpraktikum in Düsseldorf/Köln, Frankfurt und München
  • Repetitorium durch einen Richter am Landgericht inklusive Klausurkorrektur und Besprechungen
  • Externer Repetitor vor dem mündlichen Examen
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Neu eingeführte Legal Tech Academy
  • Bucerius Education mit Schwerpunkt Soft Skills
  • Auslandsstationen zwischen drei und zwölf Monaten für jeden Associate
Highlights Diversity
  • Arbeitsmodell mit fixem Stundenvolumen
  • Internationales LGBT-Netzwerk
  • Vortragsreihe ‚Women in Law‘

US-Kanzlei mit starker Immobilienpraxis und realistischen Aufstiegschancen

Keep calm and carry on. Wenn es nach den Associates bei McDermott Will & Emery (MWE) geht, kann man die Corona-Krise kaum besser managen als ihr Arbeitgeber. Mehrere loben in der azur-Umfrage das „gute Krisenmanagement“ und das „schnelle Handeln“ sowie den nahtlosen Übergang ins Homeoffice während des Lockdowns. Positiv heben sie zudem die konsequent virtuell durchgeführte Aus- und Fortbildung sowie den neu eingeführten Englischkurs hervor. Letzterer scheint ein lang gehegtes Bedürfnis bei Associates und Referendaren zu befriedigen und wird häufig als eine spürbare Verbesserung erwähnt.

Legal Tech als Karriereoption. Auch mit der Weiterbildung sind die MWE-Associates laut azur-Umfrage mittlerweile überdurchschnittlich zufrieden. Sie loben die erneute Erweiterung in Kooperation mit Bucerius Education. Neben den üblichen Elementen wie fachlicher Weiterbildung, Bilanztraining und Verhandlungsführung ist die Legal Tech Academy neu: Die Anwälte lernen erst theoretische Basics und dann, wie sie die Tools in der Mandatsarbeit einsetzen. Seit etwa einem Jahr gibt es einen Anwalt, der als Legal-Tech-Associate 50 Prozent seiner Zeit in Mandate und die andere Hälfte in die Entwicklung von Legal-Tech-Produkten steckt. Ein Modell, das durchaus Schule machen könnte, so die Kanzlei.

Engagiert für die nächste Generation. Erst im Vorjahr hatte MWE ihr Praktikantenprogramm neu aufgestellt. Während des Sommers erwartet die Studenten ein Mix aus Mandatsarbeit und Veranstaltungen. Dazu zählen Crashkurse im Öffentlichen Recht und neuerdings auch Englischkurse. Jeder Praktikant bekommt einen Mentor, der ihn in die Mandatsarbeit einbezieht. Ehemalige Praktikanten loben in der azur-Bewerberumfrage das „hohe Engagement der Anwälte, auch der Partner“, und finden, dass sich das Praktikum gut eignet, die Kanzlei wirklich kennenzulernen. Ähnlich viel Gutes haben Referendare zu berichten. Das Angebot entspricht mit einer Mischung aus Mandatsarbeit, fachlicher Weiterbildung und Examensvorbereitung bereits jetzt dem Marktstandard. Hier hat MWE aber zum Dezember 2020 noch einmal deutlich nachjustiert. Insbesondere durch die sehr zahlreichen Angebote zur Examensvorbereitung hebt sie sich künftig von der Masse ab.

Alles kann, nichts muss. Obwohl einige MWE-Anwälte in der azur-Umfrage die teilweise sehr hohe Stundenzahl ansprechen, fällt die Note in puncto Arbeitsbelastung überdurchschnittlich aus. Viele Associates finden, dass sich ihr Job gut mit Familienleben und Freizeit vereinbaren lässt. Sie loben die Flexibilität bei Homeoffice und Arbeitszeiten. Ein Teilnehmer schreibt, dass die Vorgesetzten bewusst auf eine „gesunde Auslastung im Team“ achten: „Es gibt keine Facetime“, „an ruhigeren Tagen kann man auch mal früher Feierabend machen“. Je nach Partner erleben andere jedoch das genaue Gegenteil. In puncto Flexibilität spielt auch das alternative Modell mit fester Stundenzahl eine zentrale Rolle: „MWE bietet verschiedene Jobmodelle an, sodass zu jeder Lebenssituation etwas Passendes vorhanden ist“, schreibt ein Associate in der azur-Umfrage.

Licht aus. Überhaupt haben die Associates an ihrem Arbeitgeber ziemlich wenig auszusetzen. In der azur-Umfrage liegen die Noten in allen Bereichen über dem Marktdurchschnitt. Positiv finden viele, dass die Kanzlei sie in die Entwicklung einbezieht. So ist auch das ,Team Green‘ entstanden, in dem sowohl Anwälte als auch andere MWE-Mitarbeiter die Nachhaltigkeit des Büroalltags verbessern wollen. Neben Klassikern wie wenig Papier und grünem Strom gehören auch Sport- und Ernährungsangebote sowie ein Radleasingprogramm dazu.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 18 bis 20

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 1 bis 2

Referendarplätze 2021: 25 bis 30  

Praktikumsplätze 2021: 20

Auch bei MWE sollten Bewerber in beiden Examina zusammen 18 Punkte haben. Für Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter, die sich über einen längeren Zeitraum bewährt haben, macht die Kanzlei auch mal eine Ausnahme. Eine Promotion oder ein ausländischer Abschluss wirken sich positiv auf aus, sind aber kein Muss. Jeder Bewerber spricht zunächst mit ein bis zwei Partnern aus dem Fachbereich. Bei einem anschließenden Mittagessen mit Associates können sie verschiedene Praxisgruppen in der Kanzlei kennenlernen. Das Gespräch wird auf Deutsch geführt. Ein Zweitgespräch findet nur auf expliziten Wunsch von Bewerber- und/oder Kanzlei statt. In der Regel unterbreitet MWE jedoch schon auf Basis des Erstgespräches ein Angebot.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt, Köln und München

Internationale Präsenz: Ursprünglich aus Chicago stammend unterhält MWE mittlerweile 19 Büros in Nordamerika, Europa und Asien. In Schanghai besteht zudem eine strategische Allianz.

Anwälte in Deutschland: 21 Vollpartner, 37 Non-Equity-Partner, 16 Counsel, 61 Associates und 4 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 32,4 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 3

davon Frauen: 2

Umsatz in Deutschland 2019: 62 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 581.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 16 Euro/h (vor dem 1. Examen), 200 Euro/Arbeitstag (nach dem 1. Examen), 300 Euro/Arbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 200 Euro/Arbeitstag; max. 4.600 Euro/Monat

Associates:

Klassisches Karrieremodell:

1. Jahr: 115.000 bis 125.000 Euro plus Bonus

2. Jahr: 120.000 bis 130.000 Euro plus Bonus

3. Jahr: 125.000 bis 135.000 Euro plus Bonus

4. Jahr: 135.000 bis 145.000 Euro plus Bonus

5. Jahr: 145.000 Euro plus Bonus

6. Jahr: 145.000 Euro plus Bonus

Alternatives Karrieremodell:

1. Jahr: 68.000 bis 75.000 Euro

2. und 3. Jahr: keine Angaben

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): Keine Angaben

Karriere und Partnerschaft

Frühestens im fünften Jahr steigen Associates zum sogenannten Income-Partner auf. Ab dem siebten Jahr steht die Entscheidung zum Vollpartner an. Im Einzelfall besteht die Möglichkeit, dauerhaft als Counsel zu arbeiten. Das auf feste Arbeitszeiten angelegte Modell, das MWE im Sommer 2017 eingeführt hat, schließt die Vollpartnerschaft nicht per se aus. Vielmehr ist das Modell durchlässig, ein Wechsel auf den regulären Track und umgekehrt ist jederzeit möglich. Aktuell arbeiten zwölf Anwälte darauf, jedoch kein Vollpartner. 2021 hat die US-Kanzlei vier Partner in Deutschland ernannt. Unter den sieben Neupartnern sind zwei Frauen, allerdings ist die Vollpartnerriege nach wie vor eine reine Männerveranstaltung. Die Associates sind laut azur-Umfrage mit ihren Aufstiegschancen sowohl in als auch abseits der Partnerschaft überdurchschnittlich zufrieden. Ein Umfrageteilnehmer lobt beispielsweise explizit, dass die Kanzlei „trotz regelmäßiger Verstärkung durch Quereinsteiger den eigenen Nachwuchs nicht aus den Augen verliert“.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.