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21.09.2020 | Autor/in: Anika Verfürth
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LL.M.-Studium in den USA: Campus-Leben trotz Corona

In diesen Wochen starten LL.M.-Programme an vielen renommierten Hochschulen in den USA. Für Studenten stellte sich die Frage, ob sie den Auslandsaufenthalt in diesem Jahr überhaupt umsetzen. Die Universitäten jedenfalls haben einiges bewegt, damit Unterricht stattfinden kann.  

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Maskenpflicht im Kursraum, Reservierungspflicht von Plätzen in der Bibliothek, Abstand halten – der Studentenalltag während des LL.M.-Studiums hat sich unter den Vorsichtsmaßnahmen deutlich verändert. Da stellt sich für junge Juristen mit Blick auf ein Auslandsjahr die grundsätzliche Frage: Trotzdem gehen, verschieben oder absagen?

Die azur-Redaktion hat bei einigen Kanzleien in Deutschland nachgefragt, die durch Kooperationen, Freistellungen oder Stipendien regelmäßig Studenten bei ihrem LL.M.-Jahr begleiten. Es ergab sich ein gemischtes Bild: Bei der US-Kanzlei Cleary Gottlieb Steen & Hamilton zogen zum Beispiel einige juristische Mitarbeiter mit dem ersten Staatsexamen ihr Referendariat vor und verschoben damit den ursprünglich geplanten LL.M.-Aufenthalt in den USA. GSK Stockmann vergab aufgrund der aktuellen Situation in diesem Jahr keines ihrer Stipendien. Einige Bewerber hätten stattdessen nun erst den Berufseinstieg vorgezogen und ihre ursprünglichen Auslandspläne vertagt, so die Kanzlei.
Gleiss Lutz, die Studenten mit Stipendien fördert, berichtet, dass diejenigen, die in die USA gehen wollten – unter anderem an die Universitäten Cornell, NYU, KCL oder Harvard –, ihr Studium erst im Januar 2021 oder im Jahr 2022 beginnen werden. Lediglich ins englische Oxford ist zum aktuellen Semester ein Student gegangen.
Auch über das Stipendium von Clifford Chance ging ein junger Jurist nach London und einer an die NYU in New York.

Strenge Vorsichtsmaßnahmen am Campus

Zu Beginn des LL.M.-Studiums in den USA steht in diesem Jahr erst einmal eine zweiwöchige Quarantäne, zumindest für alle Studenten, die von außerhalb Amerikas einreisen. Darüber hinaus haben die Universitäten allerhand Vorkehrungen getroffen, um ein Studium am Campus oder online stattfinden zu lassen. Die NYU oder die Columbia University in New York etwa verlangen die Teilnahme an einem Online-Sicherheits-Training und einen negativen Covid-19-Test. Während des Semesters erlaubt Columbia nur Studenten oder Mitarbeitern der Fakultät Zutritt zu den Law-School-Gebäuden. Dafür hat die Universität eine App entwickelt („Reopen CU“), mit Hilfe derer ein täglicher Symptomcheck durchgeführt werden muss. Anschließend erhält der Nutzer einen Pass, mit dem er den Campus betreten darf.

Auch andere Universitäten haben sich ähnlich umfassend auf das nun beginnende Herbstsemester eingestellt. Im Nachbarstaat Connecticut begrüßte etwa die Yale University zu einem hybriden Lehrmodell. Ein Mix aus Online-Unterricht und einer Vor-Ort-Lehre sowie ähnlich rigide Vorsichtsmaßnahmen beim Betreten des Campus erwarten die Jurastudenten. Ein wöchentlicher, kostenloser Corona-Test wird am Campus für Mitarbeiter und Studenten angeboten.  

LL.M. ist nicht nur Lehre, sondern auch Netzwerk

Doch unabhängig von der Lehre, die unter den umfangreichen Maßnahmen stattfinden kann, drängt sich die Frage auf, welche Eindrücke und Kontakte ein Student im Auslandsjahr während der Corona-Pandemie darüber hinaus mitnehmen kann. Insbesondere an den Elite-Universitäten in Amerika und Großbritannien ist es gang und gäbe, dass sich Großkanzleien auch aus Deutschland umfangreich engagieren. Veranstaltungen, Netzwerktreffen, Ausflüge – sie alle werden für die Studenten organisiert. Inwiefern solche Veranstaltungen im nun gestarteten akademischen Jahr stattfinden können, ist unklar. Solche Veranstaltungen sind es, die die Möglichkeit bieten, Kontakte zu Kanzleipartnern, die ebenfalls teilnehmen, zu knüpfen. Davon profitieren beide Seiten, die Kanzleien betreiben Recruiting in einer Gruppe von top qualifizierten Nachwuchsanwälten, die Studenten lernen potenzielle Arbeitgeber kennen. Denn eines ist klar: Wer einen LL.M.-Abschluss an einer der Elite-Universitäten mitbringt, der hat sich nicht nur fachlich bewiesen, sondern von dem ist auch zu erwarten, dass er ein exzellentes Netzwerk an Kommilitonen aus aller Welt mitbringt.