azur100
06.03.2020 | Autor/in: Eva Flick
Themen in diesem Artikel:

Linklaters – Top-Arbeitgeber – Platz 6

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Moderne, offene und kollegiale Kultur“

„Frühe Visibilität bei Mandanten“

„Diversity wird gelebt“

„Partnerwerdung ist intransparent“

„Die Möglichkeit für Homeoffice hängt vom Partner ab“

„Die Arbeitszeiten sind ungleich verteilt“

„Sehr lange Arbeitszeiten“

„Flache Hierarchien und interessante Mandate“

„Kaum Aufstiegschancen“

▪ Möglichkeit zu zweiwöchigem London-Aufenthalt nach dem Praktikum

▪ Im Markt einmaliges Stipendium für Studierende

▪ Dreitägiges Einführungsprogramm für Referendare in London

▪ Individuelles Karrierecoaching, u.a. für Frauen und werdende Eltern

▪ Teilnahme an Executive-MBA-Programmen möglich; Linklaters trägt Hälfte der Kosten (bis 40.000 Euro)

▪ Alternativer Karriere-Track mit festem Feierabend und maximal 40-Stunden-Woche, Wechsel auf die konventionelle Associate-Laufbahn bleibt möglich

▪ Eltern-Kind-Büros und Organisation von Notfall-Kinderbetreuung

▪ Diversity-Woche mit mehreren Diskussionsrunden

Über den Arbeitgeber

Volles Programm für Praktikanten. Linklaters bietet Nachwuchsjuristen ein Programm, das sich sehen lassen kann. Praktikanten an den größeren Standorten lernen die Kanzlei im Rahmen eines sechswöchigen Programms kennen. Mehrmals in der Woche stehen Vorträge auf dem Stundenplan, in denen sich die Praxisgruppen vorstellen. Hinzu kommen Soft-Skills-Trainings, etwa zu Präsentationstechniken, und Englischunterricht. Einige wenige können für ein achttägiges Programm nach London reisen, wo sich Praktikanten aus allen Standorten weltweit treffen. Ebenfalls für einen ausgewählten Kreis ist ein Stipendium: Die Kanzlei unterstützt das Studium etwa durch Gutscheine für Fachliteratur, veranstaltet Workshops und ermöglicht die Teilnahme an einem Online-Repetitorium. In der azur-Bewerberumfrage äußern sich ehemalige Praktikanten sehr positiv: Das Praktikum sei „lehrreich“ und „interessant“ gewesen und biete eine „gute Ausgewogenheit zwischen Rahmenprogramm und Einbindung in Tagesgeschäft“.

Rundumpaket für Referendare. Auf ebenso hohem Niveau spielt das Referendarprogramm im Marktvergleich. Lernen aus der Alltagspraxis, Hemmer- und Kaiserseminare inklusive Klausurenkurs zur Examensvorbereitung und diverse Workshops lassen praktisch keine Wünsche offen. Zuletzt kamen ein Seminar zum richtigen Netzwerken sowie ein Resilienzvortrag hinzu. Besonders engagierte Referendare dürfen zudem an einem viertägigen Seminar in London teilnehmen. Überhaupt lohnt sich Engagement für die Studenten: Fünf von sechs Associates, die Linklaters im vergangenen Jahr einstellte, waren bereits als Praktikant oder Referendar in der Kanzlei, das ist viel im Vergleich zu Wettbewerbern. Viele ehemalige Referendare äußern sich positiv in der azur-Bewerberumfrage. Sie bezeichnen das Programm als „sehr gut“ und „mandatsbezogen“, einige wünschen sich aber etwa „mehr Kontakt zu den Partnern“.

Weitreichende Fortbildung. Mit ihrer Weiterbildung sind die Linklaters-Associates überaus zufrieden. Sie beurteilen diesbezüglich ihren Arbeitgeber deutlich besser als ihre Kollegen von Freshfields, Clifford Chance oder Hengeler Mueller. „Ich bekomme alles, was ich möchte“, lobt ein Teilnehmer, ein anderer bezeichnet das Programm als „vielfältig und super“. Allerdings – und das ist das Haar in der Suppe – fällt mancher Seminarbesuch offenbar der Mandatsarbeit zum Opfer. So wünschen sich einige Associates, dass die Partner den Besuch der Seminare sicherstellen. Die Weiterbildungsmöglichkeiten sind umfangreich: Neben zahlreichen Seminaren hat Linklaters zuletzt eine Online-Trainingsreihe konzipiert mit diversen Webinaren und E-Learning-Modulen.

Flexible Arbeitszeiten. Als Linklaters die Idee verkündete, eine planbare 40-Stunden-Woche jenseits des klassischen Karriereweges einzuführen, hielten das viele für einen Marketing-Gag: In einer transaktionsgetriebenen Kanzlei könne das niemals funktionieren. Doch weit gefehlt: 2019 arbeiteten immerhin 19 Associates auf diesem Track und andere Kanzleien kopierten das Modell. Im Vollzeitmodell arbeiten die Linklaters-Associates rund 57 Wochenstunden laut azur-Umfrage – eine Stunde mehr als im Vorjahr und rund vier Stunden mehr als der Durchschnitt. Allerdings hat die Kanzlei es besser als die meisten geschafft, die Arbeitslast so flexibel zu gestalten, dass eine Vereinbarkeit von Karriere und Familie offenbar im Rahmen der Möglichkeiten gegeben ist. Die Umfrageteilnehmer heben hervor, dass Homeoffice selbstverständlich möglich ist und sich die Kanzlei sogar um Kinderbetreuung in den Ferienzeiten kümmert. Die Note, die sie Linklaters dafür geben, ist deutlich besser als die der vergleichbaren Wettbewerber wie Hengeler und Freshfields.

Insgesamt zufrieden. Die Work-Life-Balance kommt bei den Vollzeit-Associates allerdings deutlich zu kurz. „Die Arbeitsbelastung ist schlicht zu hoch“, so ein Teilnehmer der Associate-Umfrage. Allerdings goutieren sie die Rücksichtnahme auf private Belange bei vielen Partnern und das Bemühen, Wochenendarbeit auf das Notwendigste zu beschränken. Und die Arbeitsbelastung scheint nicht auf die Stimmung insgesamt zu schlagen. Die Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage sind überdurchschnittlich zufrieden – vor allem in puncto Betriebsklima. Einer kommentiert: „Hier macht (viel) Arbeiten Spaß“. 

Neueinstellungen Volljuristen 2020: ca. 50

Neueinstellungen weitere Juristen 2020 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Referendarplätze 2020: 180       

Praktikumsplätze 2020: 150

Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung bei Linklaters sind zwei vollbefriedigende Examina. Das gilt beim regulären und beim alternativen Karrieretrack gleichermaßen. Wer vorher schon als Referendar oder wissenschaftlicher Mitarbeiter einen guten Eindruck hinterlassen hat, kann unter Umständen auf eine Ausnahmeregelung hoffen, wenn ein Examen nicht ganz diesem Maßstab entspricht. Ein LL.M. bringt zudem Pluspunkte, eine Promotion ebenso. Gutes Englisch sollte vorhanden sein. Das erste Gespräch führen zwei Partner, beim zweiten Gespräch sind weitere Teammitglieder dabei. In der azur-Bewerberumfrage äußern sich die Teilnehmer positiv zum Bewerbungsprozess. Sie beschreiben ihn einstimmig als „transparent“, „schnell“ und „unkompliziert“.

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Internationale Präsenz: Linklaters unterhält insgesamt 30 internationale Büros, die Kanzlei ist in elf europäischen Ländern präsent. Eigene Büros gibt es außerdem in den USA, in Brasilien, Afrika sowie im Nahen Osten, in Asien und Australien.

Anwälte in Deutschland: 62 Vollpartner, 22 Counsel, 250 Associates und 6 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 32,9%

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 14 (davon 7 Frauen)

Umsatz in Deutschland 2018/19: 213,4 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2018/19: 714.000 Euro

Aktuelle Entwicklungen: Wer ein Verzeichnis der deutschen Dax-Unternehmen sucht, wird in Linklaters Mandatsliste fündig – oder fast. Kaum eine Kanzlei in Deutschland ist bei Großprojekten in diesem Segment präsenter. Positiv fällt sie auch deswegen auf, weil sie in den vergangenen Jahren gerade junge Partner in Deutschland nach vorne gebracht hat, die mit dafür verantwortlich sind, dass die Umsatzkurve der Kanzlei stetig nach oben geht. Im Gesamtgefüge hat die Relevanz des deutschen Standortes deswegen zugenommen.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 500 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates:

Klassisches Karrieremodell:
1. Jahr: 120.000 Euro
2. Jahr: 130.000 Euro
3. Jahr: 130.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
4. Jahr: 140.000 bis 150.000 Euro plus Bonus bis 30.000 Euro
5. Jahr: 150.000 bis 160.000 Euro plus Bonus bis 30.000 Euro
6. Jahr: 160.000 bis 170.000 Euro plus Bonus bis 60.000 Euro

Alternatives Karrieremodell:
1. Jahr: 80.000 Euro

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 50.000 bis 60.000 Euro

Associates auf der regulären Laufbahn werden frühestens nach vier Jahren zum Managing Associate ernannt. Der Aufstieg in die Vollpartnerschaft ist nach dem siebten Jahr möglich. Allerdings sind die Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage sehr skeptisch, ob der Aufstieg in die Partnerschaft gelingt. Mit ihren Chancen sind sie weit unterdurchschnittlich zufrieden. Dabei hat die Kanzlei zuletzt gleich fünf Anwälte – davon drei Frauen – in die Partnerriege aufgenommen, was mehr ist als etwa bei Wettbewerberin Clifford Chance. Die Karrierechancen außerhalb der Partnerschaft beurteilen die Associates ebenfalls kritisch. Wer den alternativen Karriereweg mit garantierter 40-Stunden-Woche wählt, kann maximal bis zum Counsel aufsteigen. Der Wechsel auf den regulären Partnertrack ist aber jederzeit möglich. Partner werden nach dem Lockstep-System vergütet, das heißt: Je länger jemand dabei ist, desto mehr verdient er. Voraussetzung ist das Erreichen einer Mindestumsatzschwelle.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.