azur100
04.03.2021 | Autor/in: Norbert Parzinger
Themen in diesem Artikel:

Linklaters – Top-Arbeitgeber – Platz 5

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Gerade in Krisenzeiten bemerkenswerter kanzleiinterner Rückhalt“

„Macht einfach Spaß hier – hoch spannende Mandate in einem guten Team“

„Hohe Auslastung wird hier auch angemessen honoriert“

Kritik von den eigenen Associates

„Etwas mehr Wertschätzung und Kommunikation könnten so viel verbessern“

„Die Work-Life-Balance ist schlecht, die Associates sollten besser behandelt werden“

„Karriere- und Talententwicklung stark partnerabhängig“

Was externe Juristen über Linklaters sagen

„Top-Kanzlei, aber für die meisten wahrscheinlich nur eine Durchgangsstation“

„Hier arbeiten brillante Juristen“

„Arbeit bis spät in die Nacht scheint selbstverständlich zu sein“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • 2 Wochen London nach Praktikum möglich
  • Im Markt einmaliges Stipendium für Studierende
  • 3 Tage Einführungsprogramm für Referendare in London
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Karrierecoaching, u.a. für Frauen und Eltern in spe
  • Teilnahme an Executive-MBA-Programmen möglich; Linklaters trägt Hälfte der Kosten (bis 40.000 Euro)
Highlights Diversity
  • Karriere-Track mit maximal 40-Stunden-Woche, Wechsel auf konventionelle Laufbahn bleibt möglich
  • Eltern-Kind-Büros und Notfallkinderbetreuung
  • Unterstützung weiblicher Aufstiegskandidaten durch Paten

Die Kanzlei mit den glücklichsten Associates im Magic Circle

Stresstest bestanden. „In der Krise trennt sich die Spreu vom Weizen, und Linklaters schlägt sich hervorragend“, schreibt ein Teilnehmer in der azur-Umfrage. Andere loben die „sehr offene und regelmäßige Kommunikation“ in der Corona-Krise, die „hohe Flexibilität“ und „super technische Ausstattung“. Als die Anwälte gezwungenermaßen ins Homeoffice wechselten, konnten sie sich auf eine Kanzlei-IT verlassen, die in der azur-Associate-Umfrage bessere Noten bekommt als die der allermeisten Großkanzleien. Die Policy der Kanzlei war ohnehin eindeutig: „Kein Druck von Vorgesetzten, weiter ins Büro zu kommen“, berichtet ein Associate in der Umfrage aus dem Frühsommer 2020, als die erste Lockdown-Periode schon wieder vorbei war.

Klare Alternativen. Ein lockeres Leben haben die Linklaters-Associates trotzdem nicht. Die Noten, die sie in der azur-Umfrage für Arbeitsbelastung und Work-Life-Balance vergeben, liegen weit unter dem Marktdurchschnitt – und die Arbeitszeiten deutlich darüber: Mit mehr als 56 Wochenstunden arbeiten die Anwälte laut azur-Umfrage rund vier Stunden mehr als der deutsche Durchschnitts-Associate. Davon ausgenommen sind diejenigen, die sich für ein Karrieremodell entschieden haben, das außer Linklaters nur wenige Kanzleien anbieten: feste Arbeitszeiten bei maximal 40 Wochenstunden, dafür deutlich weniger Geld und als Karriereziel maximal die Counsel-Position. Aktuell arbeitet ein knappes Dutzend Linklaters-Anwälte zu diesen Konditionen. Platz ist noch für deutlich mehr – die Kanzlei rechnet damit, bis zu 20 Prozent ihrer Associates auf dieser Basis zu beschäftigen.

Umfassende Weiterbildung. Weit überdurchschnittlich bewerten die Associates in der azur-Umfrage die Aus- und Weiterbildung. Hier zahlt sich aus, dass die Kanzlei ihr ohnehin umfangreiches Programm aus Fach- und Soft-Skill-Fortbildungen schon vor einer Weile um Onlinetrainings erweitert hat, die sich problemlos auch von zu Hause aus wahrnehmen lassen. Vorn dabei ist Linklaters auch, wenn es um die Integration von Zukunftsthemen in die regulären Fortbildungen geht – inzwischen hat fast ein Viertel der Inhalte Legal-Tech-Bezug. Die Associates loben das Angebot als „breit gefächert“ und „fachlich auf hohem Niveau“.

Volles Programm in Praktikum und Referendariat. Dass die Ausbildung derzeit verstärkt online stattfinden muss, bietet auch Praktikanten und Referendaren immerhin mehr Gelegenheit als bisher zum Kennenlernen über die Standortgrenzen hinweg. Ehemalige loben das Praktikum in der azur-Umfrage als „strukturiert“ und „vielseitig“, Ex-Referendare betonen vor allem das umfassende Trainingsprogramm und die Kaiser-Repetitorien. Einer schreibt in der azur-Umfrage: „So viele coole und spannende Aufgaben, außerdem viele neue Freunde.“ Ausgewählte Nachwuchsjuristen schickt Linklaters sogar zu mehrtägigen Seminaren nach London. Schon für Studenten vergibt die Kanzlei Stipendien, die etwa Gutscheine für Fachliteratur, Workshops und ein Onlinerepetitorium umfassen.

Langsamer Kulturwandel. Jungen Eltern kommt Linklaters ebenfalls entgegen, wie auch die Associates in der azur-Umfrage anerkennen – durch zeitliche Flexibilität, aber auch mit speziellen Angeboten etwa zur Kinderbetreuung. Nachholbedarf hat die Kanzlei dafür, wie die meisten Wettbewerber, beim Frauenanteil, gerade auf Partnerebene. Doch es tut sich etwas: In den vergangenen Jahren wurden mehrere Neupartnerinnen ernannt, und in der azur-Umfrage loben die Associates „viel Sichtbarkeit von Frauen in höheren Positionen“ und das „bewusstere Mindset“ innerhalb der Partnerschaft.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 40 bis 50

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): nach Bedarf

Referendarplätze 2021: 180           

Praktikumsplätze 2021: 150

Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung bei Linklaters sind zwei vollbefriedigende Examina. Das gilt beim regulären und beim alternativen Karriere-Track gleichermaßen. Wer vorher schon als Referendar oder wissenschaftlicher Mitarbeiter einen guten Eindruck hinterlassen hat, kann unter Umständen auf eine Ausnahmeregelung hoffen, wenn ein Examen nicht ganz diesem Maßstab entspricht. Ein LL.M. bringt zudem Pluspunkte, eine Promotion ebenso. Gutes Englisch ist Pflicht. Das erste Gespräch führen zwei Partner, beim zweiten Gespräch sind weitere Teammitglieder dabei. In der azur-Bewerberumfrage äußern sich die Teilnehmer positiv zum Bewerbungsprozess. Sie beschreiben ihn einstimmig als „reibungslos“ und „professionell“.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Internationale Präsenz: Linklaters unterhält insgesamt 30 internationale Büros, die Kanzlei ist in elf europäischen Ländern präsent. Eigene Büros gibt es außerdem in den USA, in Brasilien, Afrika sowie im Nahen Osten, in Asien und Australien.

Anwälte in Deutschland: 62 Vollpartner, 26 Counsel, 237 Associates und 6 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 33,8 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 15

davon Frauen: 8

Umsatz in Deutschland 2019/20: 222,1 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019/20: 730.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 500 Euro/Wochenarbeitstag (vor dem 1. Examen), 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.000 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.000 Euro/Monat

Associates:

Klassisches Karrieremodell:

1. Jahr: 120.000 Euro

2. Jahr: 130.000 Euro

3. Jahr: 130.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro

4. Jahr: 140.000 bis 150.000 Euro plus Bonus bis 30.000 Euro

5. Jahr: 150.000 bis 160.000 Euro plus Bonus bis 30.000 Euro

6. Jahr: 160.000 bis 170.000 Euro plus Bonus bis 60.000 Euro

Alternatives Karrieremodell:

1. Jahr: 80.000 Euro

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 50.000 bis 60.000 Euro

Karriere und Partnerschaft

Associates auf der regulären Laufbahn werden frühestens nach vier Jahren zum Managing Associate ernannt. Der Aufstieg in die Vollpartnerschaft ist nach dem siebten Jahr möglich. Allerdings sind die Teilnehmer der azur-Associate-Umfrage sehr skeptisch, ob dieser Aufstieg gelingt. Ihre Chancen bewerten sie weit unterdurchschnittlich. Dabei nimmt die Kanzlei jedes Jahr mehrere Anwälte in die Partnerriege auf, so zuletzt eine Konfliktlösungsspezialistin, einen Private-Equity-Anwalt und einen Steuerrechtler. Die Karrierechancen außerhalb der Partnerschaft beurteilen die Associates ebenfalls kritisch. Wer den alternativen Karriereweg mit garantierter 40-Stunden-Woche wählt, kann maximal bis zum Counsel aufsteigen. Der Wechsel auf den regulären Partnertrack ist aber jederzeit möglich. Partner werden nach dem Lockstep-System vergütet, das heißt: Je länger jemand dabei ist, desto mehr verdient er. Voraussetzung ist das Erreichen einer Mindestumsatzschwelle.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


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