azur100
04.03.2021 | Autor/in: Marc Chmielewski
Themen in diesem Artikel:

Latham & Watkins – Top-Arbeitgeber – Platz 14

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Die hochkomplexen internationalen Mandate lassen einen jeden Tag wachsen“

„Man wird vom ersten Tag an als vollwertiges Teammitglied angesehen“

„Exzellente Führung in der Covid-Krise“

Kritik von den eigenen Associates

„Latham muss endlich ihre antiquarischen Ansichten über Geschlechterrollen ablegen“

„Alles wird immer stärker auf Profit ausgerichtet, die Atmosphäre leidet“

„Lange Arbeitstage und Wochenendarbeit werden vorausgesetzt“

Was externe Juristen über Latham sagen

„Top-Gehalt und Qualität, gutes Betriebsklima“

„Strebt an die Marktspitze, teils auf Kosten der Associates“

„International sehr gut integriert“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Repetitorienpakete von Kaiser und Hemmer, Klausurenkurs bei einem Richter
  • Referendare dürfen an internen Fortbildungen teilnehmen
  • Workshops zu Mandaten, Kanzleikultur und Karriere
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Im ersten, dritten und fünften Jahr: internationale Fortbildungen in den USA
  • Jeder Associate hat einen Partner als Karrierecoach
  • Reviewverfahren mit Feedbackgesprächen alle sechs Monate
Highlights Diversity
  • Management honoriert Diversity-Engagement auch bei der Leistungsbeurteilung
  • Institutionalisierte Interessengruppen (LGBT, Eltern, Frauen) treiben Belange innerhalb der Kanzlei voran

Aufstrebende US-Kanzlei mit harten Anforderungen

Die Aufsteiger. Latham & Watkins fordert die etablierten Marktführer seit Jahren entschlossen heraus. Sie gewinnt viele Top-Anwälte von Konkurrenten für sich und die Mandate werden prestigeträchtiger. Diese Entwicklung wirkt sich unmittelbar auf den Arbeitsalltag des Nachwuchses aus: Er ist von komplexen und häufig sehr internationalen Mandaten geprägt, was mehrere Latham-Associates in der der azur-Umfrage loben. Und ein Arbeitstag ist lang: Mit gut 57 Wochenstunden laut azur-Umfrage liegt das Pensum fast fünf Stunden über dem Marktdurchschnitt und über dem von Wettbewerbern wie Freshfields und Linklaters.

Gratwanderung. Die Noten, die die Associates in puncto Arbeitsbelastung und Work-Life-Balance vergeben, sind alles andere als berauschend. Doch trotz hoher Arbeitslast sind die Noten für Gesamtzufriedenheit und Betriebsklima überdurchschnittlich hoch. Viele Umfrageteilnehmer betonen die Kanzleikultur: Latham bindet Associates über Gremien rasch ins Kanzleimanagement ein, und auch der Nimbus des Gipfelstürmers stärkt den Teamgeist und das Gefühl, Teil von etwas Besonderem zu sein. Die Kehrseite des hohen Einsatzes kann Enttäuschung sein, wenn sich zeigt, dass auch Latham typische Großkanzleiprobleme nicht wegzaubern kann. „Der Latham-Spirit wurde der absoluten Profitabilität geopfert“, klagt ein Umfrageteilnehmer. „Antiquarische Ansichten über Geschlechterrollen“ kritisiert eine Associate: Frauen mit Kindern hätten schlechtere Chancen auf die Partnerschaft.

Die Partnerinnen-Frage. Ein höherer Frauenanteil in Gesamtpraxis und Partnerschaft ist erklärtes Ziel von Latham, und voriges Jahr wurden immerhin zwei Partnerinnen ernannt. Die Kanzlei unterstützt in- und externe Initiativen, die die Karrieren von Frauen vorantreiben sollen. Zur Wahrheit gehört aber auch: Anfang 2021 gab es zwei Partner- und vier Counsel-Ernennungen – bis auf eine Counsel sind alle Beförderten männlich. Unterm Strich vergeben die Associates in Sachen Gleichberechtigung leicht überdurchschnittliche Noten. Das gilt auch für die Vereinbarkeit von Karriere und Familie: Viele loben die Flexibilität sowie großzügige Homeoffice-Regelungen. Die hohe Arbeitsbelastung bleibt allerdings ein Wermutstropfen.

Feedback kommt an. Das Ausbildungsangebot bewerten Associates in der azur-Umfrage überwiegend positiv. Frühere Kritik, dass die beste Fortbildung nichts nützt, wenn man dafür nicht von der regulären Arbeit freigestellt wird, hat etwa dazu geführt, dass Seminare entzerrt und mehr E-Mail-Pausen eingeführt wurden – was sich angesichts der pandemiebedingt ohnehin virtuellen Veranstaltungen gut umsetzen ließ. Regulär absolvieren die Associates bis zum dritten Berufsjahr ein weitgehend einheitliches Curriculum mit drei dreitägigen Seminaren im Jahr. Darin geht es um Rechtliches und Soft Skills, aber auch um Themen wie unternehmerisches Denken. Daneben gibt es drei mehrtägige Seminare in den USA, an denen die Associates im ersten, dritten und fünften Berufsjahr teilnehmen. Es gibt ein engmaschiges Feedbacknetz.

Qualität statt Quantität. Einige Fortbildungen für Associates, wie Englischkurse, stehen auch dem juristischen Nachwuchs offen. Daneben gibt es seit diesem Jahr Angebote, die sich speziell an Referendare und wissenschaftliche Mitarbeiter richten – etwa Trainings zu Selbstvermarktung, Auftritt und Kommunikation. Referendaren sponsert die Kanzlei Repetitorien. Während Latham das Angebot für diese Gruppen ausweitet und auch die Gehälter erhöht, hat sie 2021 die klassischen einmonatigen Praktika abgeschafft. An ihre Stelle sollen Seminare und Workshops an Unis treten.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 22 bis 25

Neueinstellungen weitere Juristen 2021 (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 1 bis 2

Referendarplätze 2021: 55              

Praktikumsplätze 2021: keine

Voraussetzung für die Arbeit bei Latham sind sehr gute Englischkenntnisse, auch wenn Bewerbungsgespräche in der Regel auf Deutsch stattfinden. Zwei mindestens vollbefriedigende Staatsexamina, LL.M. und Doktortitel sind gern gesehen – die Kanzlei betont, dass ein Latham-Anwalt im Durchschnitt mehr als 18 Punkte aus beiden Examen hat. Aber Referendare, von denen sich die Kanzlei viel verspricht, können durchaus ein Angebot erhalten, bevor die Note des zweiten Staatsexamens feststeht. Das Bewerbungsverfahren sieht zwei Gespräche von etwa 45 Minuten vor: eines mit Mitgliedern des Fachgebiets und eines mit Vertretern des Rekrutierungskomitees. Im Anschluss folgen, wenn das Verfahren nicht coronabedingt virtuell stattfindet, ein Bürorundgang und ein Mittagessen mit weiteren Teammitgliedern. In der Regel steht danach fest, ob der Bewerber ein Angebot erhält. Ein Assessmentcenter gibt es nicht, und es werden keine Rechtsfragen erörtert.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standorte in Deutschland: Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Internationale Präsenz: USA (11 Büros), Europa (10 Büros), Asien (6 Büros) und Naher Osten (2 Büros). Latham wirtschaftet in einen großen weltweiten Topf. Es gibt keine unterschiedlichen Profitcenter oder Ländergesellschaften. Die breite europäische Praxis ist anders als in vielen anderen internationalen Kanzleien nicht durch London dominiert.

Anwälte in Deutschland: 20 Vollpartner, 22 Non-Equity-Partner, 18 Counsel und 93 Associates

Frauenanteil Anwälte: 31,2 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 15

davon Frauen: 12

Umsatz in Deutschland 2019: 151 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 958.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 1.100 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen), 1.500 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 2. Examen)

Referendare: 1.100 Euro/Wochenarbeitstag; max. 5.500 Euro/Monat

Associates:

1. Jahr: 120.000 Euro plus Bonus bis 12.000 Euro

2. Jahr: 130.000 Euro plus Bonus bis 30.000 Euro

3. Jahr: 130.000 Euro plus Bonus bis 63.000 Euro

4. Jahr: 135.000 Euro plus Bonus bis 80.000 Euro

5. Jahr: 140.000 Euro plus Bonus bis 100.000 Euro

6. Jahr: 150.000 Euro plus Bonus bis 113.000 Euro

Weitere Juristen im 1. Jahr (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): 50.000 bis 70.000 Euro plus Bonus bis 7.000 Euro

Karriere und Partnerschaft

Partner kann ein Latham-Associate frühestens nach acht Jahren werden. Bereits vorher sind Associates ins Kanzleimanagement eingebunden, etwa bei Einstellungsgesprächen. Zweimal im Jahr gibt es Feedback zur eigenen Arbeit. Zudem ist jedem Associate ein Partner als Coach zugeordnet, mit dem er etwa drei- bis viermal im Jahr Karrierethemen bespricht. Latham erweitert ihre Partnerschaft in Deutschland regelmäßig durch Nachwuchs aus den eigenen Reihen. Zum Januar 2021 hat die Kanzlei zwei Partner im Kartellrecht und Kapitalmarktrecht ernannt sowie vier weitere Counsel. Insgesamt vergeben die Associates, was die Partnerchancen sowie alternative Karrieremöglichkeiten angeht, in der azur-Umfrage Noten, die unter dem Marktdurchschnitt liegen – allerdings leicht über denen von Wettbewerbern wie Freshfields und Linklaters.

Die Latham-Partner werden – weltweit einheitlich – nach einem System mit einer deutlichen Leistungskomponente vergütet. Alles in allem, Festvergütung plus Bonus, kann der bestverdienende Partner maximal sieben Mal so viel bekommen wie ein frisch eingestiegener Partner mit der geringstmöglichen Vergütung. Im Durchschnitt führt ein Partner Teams von drei bis vier Associates. Latham-Partner können intern transparent ersehen, wer wie viel Umsatz einspielt und wie hoch mögliche Boni für die Kollegen ausfallen. Informationen über die Höhe der Gewinne deutscher Partner liegen azur nicht vor.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


Anzeige