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17.08.2020 | Autor/in: Silke Brünger

Kommentar: Optimistische Associates

Die meisten Associates blicken aktuell ohne Sorgen in die Zukunft. Die Jobsuche dürfte dennoch schwieriger werden.

 Ein Kommentar von Silke Brünger.

Frei von Sorgen! Ein bisschen scheint es derzeit so, als schwebe der Nachwuchsanwaltsmarkt losgelöst über den Wolken. Der erste große Schock vom Anfang der Corona-Krise ist vorbei. Aufseiten von Kanzleien kam es nur vereinzelt zu Panikreaktionen wie der massenhaften Entlassung von wissenschaftlichen Mitarbeitern.

Inzwischen hat sich vieles eingespielt. Der Wechsel zwischen Homeoffice und Büro ist fast überall Alltag geworden. In der aktuellen azur-Associate-Umfrage beschrieben viele Teilnehmer Corona als Treiber für mehr Flexibilität und agiles Arbeiten. Weniger als vorher arbeiten die meisten Associates indes nicht, vor allem in Praxisgruppen wie Arbeitsrecht oder Restrukturierung sind die Schreibtische krisenbedingt voll.

Kein Wunder, dass es der Mehrheit der Associates in der Krise gut geht. Rund 57 Prozent der Nachwuchsjuristen machen sich gar keine Sorgen um ihre berufliche Zukunft. Nur fünf Prozent der Umfrageteilnehmer sorgen sich ernsthaft. Das zeigt, wie privilegiert Anwälte in Zeiten sind, in denen andere Branchen vor dem Ruin stehen. Es zeigt aber auch, dass Kanzleimanager und Personalverantwortliche einen guten Job gemacht haben: Selten gab es so viel Lob von Associates. Sie würdigen den souveränen, transparenten und weitsichtigen Umgang mit der Krise.

Allerdings kann die Krise den Anwaltsmarkt auch noch treffen und Kanzleien zu drastischen Maßnahmen zwingen. Zurücklehnen können sich Personalverantwortliche also noch lange nicht. Auch auf die Associates könnten härtere Zeiten zukommen. So dürfte die Jobsuche tendenziell schwieriger werden: Manch ein Arbeitgeber träumt schon lange vom Ende des Bewerbermarktes und der ein oder andere Großkanzleipartner ärgert sich immer wieder über die vermeintlich vollmundigen Forderungen der Generation Y.

Das allgegenwärtige Buhlen um Berufseinsteiger mit schwindelerregenden Einstiegsgehältern und anderen Versprechungen wird bereits etwas leiser. Die Qual der Wahl bei der Jobsuche werden zukünftig weniger Bewerber haben. Wer jedoch Prädikatsexamina im Gepäck hat oder gar Programmier- und Projektmanagementerfahrung mitbringt, hat weiterhin gute Karten – und sollte sich keineswegs unter Wert verkaufen.