azur100
06.03.2020 | Autor/in: Annette Kamps
Themen in diesem Artikel:

Kliemt – Top-Arbeitgeber – Platz 36

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

„Gelebte Gleichberechtigung. Hier führt Teilzeit nicht aufs Abstellgleis“

„Gute Einbindung in die Mandate“

„Sehr flexible und selbstbestimmte Arbeitszeiten“

„Erwartungen und Karrierewege werden nicht klar genug kommuniziert“

„Arbeitsbelastung ist nicht gleichmäßig verteilt“

„In puncto Diversity könnte Kliemt vielfältiger aufgestellt sein“

„Hierarchisch und extrem konservativ, viel zu lange Arbeitszeiten“

„Überwiegend nettes Team“

„Hier arbeiten einige der besten Arbeitsrechtler Deutschlands“

▪ Teilweise Kostenübernahme von Klausurenkursen und Repetitorien

▪ Fachliche und Soft-Skills-Kurse in der kanzleiinternen Akadamie

▪ Teilnahme an Kursen des Ius Laboris-Netzwerk, bspw. in Miami

▪ Secondments in internationalen Partnerkanzleien

▪ Finanzielle Unterstützung beim Erwerb des Fachanwaltstitels

keine herausragenden Angebote

Über den Arbeitgeber

Arbeitsrecht only. Die Arbeitsrechtsboutique ist in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme: Mit 65 Juristen ist sie größer als die meisten auf ein Rechtsgebiet spezialisierten Kanzleien. Zudem beraten Kliemt-Anwälte von mittlerweile fünf Standorten aus bundesweit. Berufseinsteiger, die sich aufs Arbeitsrecht spezialisieren wollen, sind hier also goldrichtig. Wer die strengen Einstellungshürden meistert, wird durch spannende Arbeit belohnt. Kliemt-Associates zeigen sich in der azur-Umfrage insgesamt zufriedener als ihre Kollegen bei anderen Arbeitgebern, für den Anspruch und das Niveau der Arbeitsinhalte vergeben sie sogar einhellig die Höchstnote. Und tatsächlich berät die Boutique regelmäßig namhafte Mandanten wie Airbus oder die Hamburg Commercial Bank bei der Einführung neuer Arbeitskonzepte oder großen Restrukturierungsprojekten. Auch fördert die Kanzlei explizit die Einbindung von Legal-Tech-Lösungen in die Beratungsarbeit. „Super Aktionen wie der erste Hackathon“ sowie die „Entwicklung von Apps zu verschiedenen Themen“ haben bei den Teilnehmern der azur-Associate-Umfrage bleibenden Eindruck hinterlassen.

Lernen und arbeiten weltweit. Besonders gute Noten vergeben sie für die internationale Ausrichtung ihrer Arbeit und das gute Betriebsklima. Tatsächlich hat die Boutique bereits in der Ausbildung mehr internationale Aspekte zu bieten als ähnlich zugeschnittene Kanzleien. Eng eingebunden in das internationale Netzwerk Ius Laboris besuchen Kliemt-Associates auch dessen Weiterbildungsakademie, etwa in Miami, Rom oder Kiew. Zeichnet sich ein internationaler Tätigkeitsschwerpunkt ab, können die Anwälte nach zwei bis drei Jahren für ein Secondment in eine Partnerkanzlei wechseln. Zuletzt entsandte Kliemt beispielsweise Associates nach Frankreich, England oder Italien.

Ausbildung nach Plan. In Deutschland bietet die Kanzlei einen Mix aus internen und externen Fortbildungen. Besonders gut kommt bei den Associates an, dass „die Programme stetig weiterentwickelt werden“. Neben von Partnern gehaltenen Vorträgen zur Arbeit von Einigungsstellen oder einer Einführung in die betriebliche Altersversorgung werden regelmäßig Richter des Bundesarbeitsgerichts eingeladen, die Einblicke in aktuelle Entscheidungen geben. Kein Wunder, dass die Associates in der azur-Umfrage überdurchschnittliche Noten vergeben und die „sehr gute fachliche Ausbildung“ loben. Damit ist auch die praktische Mandatsarbeit gemeint, denn die zuständigen Partner achten darauf, dass Berufseinsteiger alle im Ausbildungsplan festgehaltenen arbeitsrechtlichen Themenfelder abdecken und ihre Fachanwaltsfortbildungen besuchen.

Mehr Struktur für Referendare. Während Praktikanten lediglich ein Einblick in die praktische Arbeit eines Arbeitsrechtlers gewährt wird, bekommen die Referendare bei Kliemt auch jede Menge theoretischen Input. Die Kanzlei gibt ihrem Referendarprogramm zunehmend Struktur: Neben einem festen Ansprechpartner für die alltäglichen Fragen gibt es seit diesem Jahr einen übergeordneten Mentor, der auch nach dem Referendariat Kontakt zum juristischen Nachwuchs hält. Ebenfalls neu ist die anteilige Kostenübernahme für ein Repetitorium – die Kanzlei übernimmt bis zu 500 Euro. An den Kursen der hauseigenen Akademie können Referendare ebenfalls teilnehmen. Dieses Gesamtpaket lobt ein Teilnehmer der azur-Umfrage als „durchdachtes Ausbildungskonzept, bei dem die Referendare eng in die Mandatsarbeit eingebunden werden“.

Flexibilität gewinnt. Mit durchschnittlich rund 53 Stunden, die die Kliemt-Associates laut azur-Umfrage pro Woche arbeiten, liegen sie etwa im Marktdurchschnitt. Trotzdem bewerten sie ihre Work-Life-Balance überdurchschnittlich und geben ihrem Arbeitgeber auch für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gute Noten. In der azur-Umfrage wird schnell klar, warum: „sehr flexible und selbstbestimmte Arbeitszeiten“, „Homeoffice ist jederzeit möglich“, „keine Face Time im Büro“ – so lauten die Argumente der Kliemt-Associates für ihre Bewertung. Die Kanzlei betont, dass ihre Flexibilität für eine hohe Rückkehrerquote unter Anwältinnen sorge. Ein Eltern-Kind-Büro sowie die Vermittlung von Kindergartenplätzen in Düsseldorf tragen ebenfalls dazu bei, dass Eltern relativ schnell nach der Geburt ihres Kindes wieder in der Kanzlei arbeiten.

Neueinstellungen Volljuristen 2020: 10 bis 14

Referendarplätze 2020: 20         

Praktikumsplätze 2020: 10

Bewerber sollten insgesamt mindestens 18 Punkte aus beiden Examen vorweisen können und bereits ein wenig ins Arbeitsrecht reingeschnuppert haben – sei es im Referendariat, im LL.M., durch ihre Doktorarbeit oder wissenschaftliche Mitarbeit. Es finden zwei Bewerbungsgespräche statt. Im Erstgespräch lernt der Bewerber einen Partner aus dem Recruiting-Team kennen. Stimmt die Chemie, folgt ein zwei- bis vierstündiges Zweitgespräch, in dem der Bewerber weitere Anwälte des Teams trifft, in dem er arbeiten wird. Die Associates haben ein Mitspracherecht bei der Auswahl ihrer neuen Kollegen.

Standorte in Deutschland: Berlin, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg und München

Internationale Präsenz: Kliemt ist exklusives deutsches Mitglied von Ius Laboris, einer weltweiten Allianz von Arbeitsrechtskanzleien.

Anwälte in Deutschland: 14 Partner, 8 Counsel und 43 Associates

Frauenanteil Anwälte: 47,6%

Umsatz in Deutschland 2018: azur liegen keine Informationen vor.

Aktuelle Entwicklungen: Die Kanzlei eröffnete in den vergangenen zwei Jahren nicht nur neue Büros in München und Hamburg, sondern zog auch neue Managementstrukturen ein. Die Standorte arbeiten nun enger zusammen, auch der Austausch der Associates untereinander hat sich intensiviert. So sorgt seit einem Jahr ein gemeinsamer Einsteigertag dafür, dass sich die Kollegen von Anfang an kennenlernen und vernetzen können.

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 15 Euro/h (vor dem 1. Examen),
600 bis 800 Euro/Wochenarbeitstag (nach dem 1. Examen)

Referendare: 600 bis 800 Euro/Wochenarbeitstag; max. 3.000 Euro/Monat

Associates*:
1. Jahr: 100.000 bis 110.000 Euro
2. Jahr: 105.000 bis 115.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro
3. Jahr: 110.000 bis 120.000 Euro plus Bonus bis 10.000 Euro
4. Jahr: 115.000 bis 125.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
6. Jahr: 120.000 bis 130.000 Euro plus Bonus bis 20.000 Euro
6. Jahr: individuell

*Am Standort Berlin steigen Associates mit 85.000 Euro ein, ab dem 2. Jahr steigt das Grundgehalt um jeweils 5.000 Euro.

Der Karrierepfad bei Kliemt führt vom Associate über den Senior Associate zum Principal Counsel. Dieser ist eine notwendige Durchgangsstufe zur Partnerschaft. Die Kanzlei unterscheidet nicht zwischen Equity- und Non-Equity-Partner. Zum Januar 2020 führte sie zusätzlich die Karrierestufe des Counsel als Alternative zum Partnertrack ein. Sie soll jedoch keine Sackgasse sein. Der Zugang zum Principal Counsel- und anschließendem Partnertrack bleibt weiterhin offen – wenn das nötige Potenzial vorhanden ist. Ein Up-or-out gibt es nicht. Laut azur-Umfrage sind die Kliemt-Associates überdurchschnittlich zufrieden mit ihren Partnerchancen und auch mit den alternativen Karrierechancen – einige wünschen sich jedoch „mehr Feedback“ und „klarere Erwartungen“.

Stand: Druckausgabe von azur100 2020  (Erscheinungstermin: 5. März 2020). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


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