azur100
04.03.2021 | Autor/in: Markus Lembeck
Themen in diesem Artikel:

Kirkland & Ellis – Top-Arbeitgeber – Platz 27

Das azur-Urteil

Bemerkung: *****= herausragend; ****= sehr gut; ***= gut; **= empfehlenswert, *= im Marktvergleich normal; ohne Stern = die Kanzlei hat den Marktdurchschnitt nicht erreicht. Das azur-Urteil ist eine Bewertung der azur-Redaktion; wenn ihr nicht ausreichend Informationen vorliegen, entfällt u.U. in bestimmten Kategorien die Bewertung, dies wird dann mit „keine Wertung“ gekennzeichnet.

Lob von den eigenen Associates

„Herausragender Teamspirit und extrem flache ­Hierarchien“

„Genau die richtige Kanzlei für Anwälte, die früh Mandatsverantwortung tragen möchten“

„Hervorragende Personalführung in der Corona-Krise“

Kritik von den eigenen Associates

„Enorm hoher Druck und deutlich zu wenig Fort­bildungskurse“

„Alternative Arbeitskonzepte müssen endlich ­Akzeptanz finden“

„Es besteht die Gefahr, dass wir zum seelenlosen Sweatshop werden“

Was externe Juristen über Kirkland sagen

„Nette Kollegen, mit denen man pragmatische ­Lösungen erarbeiten kann“

„Absolut fokussiert auf internationale Top-Trans­aktionen, aber München hat wenig Freiraum“

„Verrückte Arbeitszeiten, schlimmer als in anderen Großkanzleien“

Highlights Praktikum und Referendariat
  • Gezielte Teambildung unter den Praktikanten, ­Referendaren und WiMis
  • Wahlstation in ausländischen Büros wird häufig möglich gemacht
Highlights Ausbildung und Karriere
  • Verbindliches zweijähriges Ausbildungsprogramm
Highlights Diversity

keine herausragenden Angebote

Internationales Powerplay aus München

Spürbarer Erfolg, spürbarer Druck. Kirkland & Ellis zählt unbestritten zu den absoluten Spitzenkanzleien im Private-Equity-­Sektor. Die Kehrseite dieser Anerkennung: In der Welt milliardenschwerer Private-Equity-Transaktionen geht es nicht zuletzt um schnelle Reaktionen und ständige Erreichbarkeit. Das gilt auch für die anderen Spezialdisziplinen der Kanzlei: M&A und Restrukturierung. Den Zeitdruck bekommen die Berater voll zu spüren. Mit knapp 58 Arbeitsstunden pro Woche laut azur-Umfrage liegen die Kirkland-Associates ganz weit vorne – oder ganz weit hinten, wenn man auf die Work-Life-Balance abstellt. Die Note für Letzteres ist in der azur-Associate-Umfrage weit weg vom Marktdurchschnitt, gleich mehrere Associates vermissen ein „Verständnis der Kanzlei dafür, dass Arbeit nicht der einzige Lebensinhalt ist“ und schreiben, dass ihre sozialen Kontakte leiden.

Höchst international. Doch die Kirkland-Anwälte sehen auch die Pluspunkte ihrer Arbeit. „Grandiose Mandate und tolles Teamfeeling“, heißt es in der azur-Umfrage, und speziell mit der internationalen Ausrichtung sind sie hochzufrieden. Allerdings fordert manch einer deshalb auch eine Anpassung der deutschen Associate-Gehälter an das Spitzenniveau der US-Standorte. Jedoch zahlte Kirkland in München zuletzt fulminante Boni, die gar nicht selten schwindelerregende Höhen im sechsstelligen Bereich erklimmen. Auch beim Fixgehalt rangiert Kirkland in Deutschland an der Marktspitze.

Legal Tech stärker fördern. Trotz der hohen Mandatsbelastung soll die Ausbildung der Associates nicht leiden. Ein formalisiertes Schulungsprogramm vertieft nicht nur das juristische Know-how, sondern vermittelt vor allem fachübergreifende Kompetenzen etwa im Transaktionsmanagement, zu Finanzierungen oder Steuern. Ein Modul zur Erweiterung der ­persönlichen Fähigkeiten enthält etwa Business Development, Soft Skills und Akquisetraining. Insgesamt sind die Kirkland-Associates mit ihrer Ausbildung einigermaßen zufrieden. „Viel Nachholbedarf“ allerdings empfinden mehrere Associates in der azur-Umfrage beim Legal-Tech-­Einsatz: „Die Schulungen sollten verpflichtend sein, damit die Anwälte die vielfältigen Möglichkeiten auch einmal nutzen“, so ein Teilnehmer.

Praktikum mit viel Praxis. Das interne Ausbildungsprogramm für Associates steht auch den Praktikanten, Referendaren und wissenschaftlichen Mitarbeitern offen. Diese drei Gruppen sind gemeinschaftlich als Nachwuchsteam organisiert – um zu lernen, aber auch um bei Bedarf fehlende Associate-Kapazitäten zu ergänzen. Zahlreiche ehemalige Praktikanten loben das „persönliche Feedback“ und die „Nähe zu den Partnern“ in der azur-Bewerberumfrage. Sie bewerten das Praktikum ­etwas besser als das Referendariat. Ein Ex-Referendar empfand das „Mitschwimmen in der Mandatsarbeit“ als „wenig abwechslungsreich“ und hätte sich mehr explizite Ausbildung gewünscht.

Frauenanteil schwankt. Mehr gezielte Frauenförderung ist ein ständiges Vorhaben von Kirkland. Neben der kanzleiweiten Women’s-Leadership-Initiative gibt es jetzt unter den Münchner Anwältinnen eigene Aktivitäten, um speziell im Bereich Private Equity das Networking zu verbessern. Das ist auch dringend nötig, denn in der aktuellen Momentaufnahme ist der Frauenanteil von rund 30 auf 23 Prozent zurückgegangen. Vorbilder auf Partner(innen)ebene sind in Deutschland auch nach den letzten internen Beförderungen kaum zu finden. Gute Angebote zur Vereinbarkeit von Karriere und Familie sind ein Schwachpunkt vieler Kanzleien, die Kirkland-Associates vergeben dafür allerdings in der azur-Umfrage besonders schlechte Noten.

Einstieg und Bewerbung
Die Kanzlei auf einen Blick
Vergütung
Karriere und Partnerschaft
Einstieg und Bewerbung

Neueinstellungen Volljuristen 2021: 8 bis 10

Referendarplätze 2021: 10              

Praktikumsplätze 2021: 12 bis 15

Zweimal neun Punkte sind die Mindestvoraussetzung für Bewerber, allerdings ist Kirkland im Einzelfall auch bereit, für teamerprobte Ex-Referendare oder wissenschaftliche Mitarbeiter eine Ausnahme zu machen. Eine Promotion ist nicht zwingend erforderlich. Angesichts der engen Zusammenarbeit mit den anderen Kirkland-Büros ist ein LL.M.-Abschluss von einer englischsprachigen Law School ein echter Pluspunkt, das Masterstudium wird von der Kanzlei deshalb auch aktiv gefördert. Bewerbungsgespräche sind sehr intensiv und dauern rund fünf Stunden. Bei einem Mittagessen mit Associates können die Kandidaten alle möglichen Fragen loswerden. Das Zweitgespräch dient dann vor allem dazu, die Anwälte der gewünschten Praxisgruppe kennenzulernen – wenn es sinnvoll ist, auch in London.

Die Kanzlei auf einen Blick

Standort in Deutschland: München

Internationale Präsenz: Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist alltäglich und eng; die Mehrzahl der rund 2.600 Anwälte arbeitet in den USA. Daneben gibt es die europäischen Standorte London und München sowie Büros in China.

Anwälte in Deutschland: 18 Vollpartner, 20 Associates und 1 of Counsel

Frauenanteil Anwälte: 23,1 %

Weitere Juristen in Deutschland (z.B. Dipl.-Jur., LL.B.): keine Angaben

Umsatz in Deutschland 2019: 37,3 Millionen Euro

Umsatz pro Berufsträger in Deutschland 2019: 933.000 Euro

Renommee: Weiter zur aktuellen Online-Ausgabe des JUVE Handbuchs

Vergütung

Wissenschaftliche Mitarbeiter: 12 bis 20 Euro/h (vor dem 1. Examen), 30 Euro/h (nach dem 1. Examen), 40 Euro/h (nach dem 2. Examen)

Referendare: 960 Euro/Wochenarbeitstag; max. 4.800 Euro/Monat

Associates:

1. Jahr: 131.000 Euro plus Bonus bis 15.000 Euro

2. Jahr: 136.000 Euro plus Bonus

3. Jahr: 146.000 Euro plus Bonus

4. Jahr: 168.000 Euro plus Bonus

5. Jahr: 188.000 Euro plus Bonus

6. Jahr: 212.000 Euro plus Bonus

Karriere und Partnerschaft

Mit zwei internen Partnerernennungen im vergangenen Herbst stärkte Kirkland erneut ihre Partnerriege, nachdem es im Vorjahr sogar vier neue Partner gab. Damit ist es der Kanzlei gelungen, die Zufriedenheit in den eigenen Reihen über die Aufstiegschancen deutlich zu verbessern – sie liegt jetzt laut azur-Associate-Umfrage im Marktdurchschnitt. Die Entscheidung über den Aufstieg steht für Associ­ates nach dem sechsten Jahr an. Die nach außen homogene Partnerschaft ist, soweit bekannt, intern abgestuft. Vor dem Erreichen der Vollpartnerschaft haben die jüngeren Partner so die Gelegenheit, ihr Geschäft eigenständig auf- und auszubauen. Das alternative Beschäftigungsmodell eines sogenannten Professional Support Lawyers mit festen Wochenarbeitsstunden hat sich bislang nicht durchgesetzt. Karrieremöglichkeiten abseits der Partnerschaft erhalten von den Kirkland-Associates auch deshalb sehr schwache Noten.

Stand: Druckausgabe von azur100 2021 (Erscheinungstermin: 5. März 2021). Wie kommen die Analysen in azur100 zustande? Lest hier die ausführliche Methodik.


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